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Kultur Wotan Wilke Möhring über „Tatort“ und Tote
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00:15 19.04.2013
Wotan Wilke Möhring und Helen Woigk in dem Film „Das Leben ist nichts für Feiglinge“. Quelle: dpa
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Herr Möhring, wie wirbt man für einen Film, in dem es von Anfang bis Ende um Tod und Trauer geht? Ihre Film-Ehefrau in „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ ist gestorben, Ihre Film-Mutter hat Krebs, und Ihre Film-Tochter läuft in ihrem Schmerz auf und davon.

Gute Frage, ich würde sagen: Der Film ist gleichzeitig unglaublich lebensbejahend. Das Drehbuch von Gernot Gricksch, der ja auch die Romanvorlage geschrieben hat, hält wunderbar die Balance zwischen Berührendem und Komischem, zwischen Leben und Sterben. Wir zeigen, was wir sonst gern verdrängen: Der Tod ist allgegenwärtig im Leben, er ist ein Teil davon.

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Wollen Zuschauer so viel Tod sehen?

Es geht ja hier nicht nur um den Tod, sondern in erster Linie um das Leben - und das humorvoll. Außerdem glaube ich, dass man auch gehaltvolle Geschichten ans Publikum bringen kann. Deshalb habe ich mich ja so hinter den Film geklemmt: Ich bin erstmals als ausführender Produzent eingestiegen.

Haben Sie den Roman gekannt, bevor Sie den Film gedreht haben?

Nee, aber ich kenne den Romanautor Gernot Gricksch, wir haben „Freilaufende Männer“ zusammen gedreht. Daher weiß ich, dass er zu jenen Autoren gehört, die ihr eigenes Werk so adaptieren, dass man sich blind aufs Drehbuch verlassen kann. So etwas ist selten.

Moment, Sie haben den Roman gar nicht gelesen?

Ich wollte in meinem Kopf keine Verwirrung stiften und dann nur noch den Film zum Roman abliefern. Das Drehbuch ist entscheidend, nicht das Buch. Und hinterher bin ich nicht mehr zum Lesen gekommen. Der Roman liegt aber bei mir zu Hause!

Nehmen Sie diesen Film persönlicher als manch anderen?

Leider Gottes kenne ich mich mit dem Tod in nächster Nähe aus - so wie wohl viele Menschen. Ich kann die Schockstarre des Vaters, den ich spiele, verstehen, auch die Wut der Tochter. Aber genauso ist der Humor der drei Generationen, die sich hier begegnen, etwas Besonderes.

Schauspieler werden qua Rolle gerne zu Lebensberatern erklärt. Haben Sie einen Rat für harte Männer, wie diese mit Schmerz und Verlust umgehen sollen?

Die Trauerarbeit von Männern und Freuen unterscheidet sich nicht so sehr, glaube ich. Alle Mittel sind legitim. Wut, Verzweiflung, Apathie - das sind verschiedene Phasen. Die Trauerarbeit fängt erst so richtig an, wenn eine gewisse Ruhe eingekehrt ist. Der einzige Rat, den ich geben kann, lautet: Niemand sollte allein so eine Situation durchstehen müssen.

Sie sind ja sehr präsent momentan, nicht nur im Kino, demnächst auch im Fernsehen: Sie sind der neue NDR-„Tatort“-Kommissar. Wird 2013 das Wotan-Wilke-Möhring-Jahr?

Dass da jetzt so viel zusammenkommt, war nicht planbar. Das ist reiner Zufall.

So viele prominente Schauspieler treten in den Dienst der Polizei: Was macht einen „Tatort“ so reizvoll?

Das Schöne am „Tatort“ ist, dass die Geschichte nicht zu Ende erzählt wird, mein erster Fall „Feuerteufel“ legt Fährten in die Zukunft. Für mich ist das etwas Neues: Ich als Darsteller bleibe, der Regisseur, der Kameramann, sie verschwinden alle. Der Kommissar bleibt.

Okay, aber die Gefahr ist, künftig als Kommissar abgestempelt zu werden. Zwei „Tatort“-Folgen pro Jahr werden Ihr Berufsleben verändern.

Ja, aber auch die ARD will mit glücklichen Menschen am „Tatort“ arbeiten. Ich will auch künftig vieles ausprobieren, vom Studentenfilm bis zum großen Kinoprojekt. Das macht ja den Reiz des Berufs aus. Momentan drehe ich aber erst mal den nächsten „Tatort“ auf Langeoog.

Es gibt ja noch einen anderen neuen Hamburger „Tatort“-Kommissar, gespielt von Til Schweiger. Wer hatte die Idee, dass Sie dem Kollegen in dessen erstem Fall auf dem Klo begegnen?

Ich bin mit Til befreundet. Wir wollten auf ironischem Wege Druck aus dieser scheinbaren Konkurrenzsituation rausnehmen.

Hat es geklappt? An die Quoten des Schweiger-Films können Sie doch gar nicht herankommen.

Das ist ja auch nicht mein Bestreben - und auch nicht das des NDR. Til Schweiger ist ein Phänomen, der holt sechs Millionen Menschen ins Kino. Wir wollen unsere eigenen Geschichten erzählen und hoffen trotzdem auf ein großes Publikum. Das ist wie beim Fußball: Wenn ich das Spiel der anderen annehme, kann ich nicht mehr mein eigenes machen.

Es gibt schon so viele „Tatort“-Kommissare und jeden Sonntag einen weiteren Mord. Wie wollen Sie da etwas Neues erzählen?

Wir haben nicht krampfhaft nach Abgrenzung gesucht. Wir haben uns gefragt, was würde uns interessieren? Was stellt der Fall mit den Ermittlern an? Gibt es vielleicht sogar eine politisch-gesellschaftliche Relevanz - so wie in meinem ersten Fall, in dem Autos abgefackelt werden? Mein Kommissar Thorsten Falke ist jemand, der aus dem Bauch heraus handelt. Er kommt von der Straße, ist aber kein Macker. Er ist eine ehrliche Haut.

Interview: Stefan Stosch

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