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Kultur Wie heißt das Wilhelm-Busch-Museum?
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08:51 03.11.2011
Von Simon Benne
Nicht nur das Werk Wilhelm Buschs ist satirisch, auch der Streit um den Namen des hannoverschen Museums trägt satirische Züge. Quelle: dpa
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Hannover

Als Satiriker hätte Wilhelm Busch an dem Fall wohl seine helle Freude gehabt: Die nach hitzigen Debatten beschlossene Umbenennung des Wilhelm-Busch-Museums ist möglicherweise ungültig. Der Rechtsanwalt Jürgen Hübbe, seit 1963 Mitglied der Wilhelm-Busch-Gesellschaft (WBG), ist fest überzeugt, dass der Beschluss bei der Jahresversammlung der WBG im Juni nicht korrekt zustande kam. Er hat sich ans Amtsgericht gewandt, um zu verhindern, dass der neue Name dort ins Vereinsregister eingetragen wird.

Der kuriose Streit führt tief hinab in die Verästelungen des deutschen Vereinsrechts. Bei der Jahresversammlung hatte die WBG als Trägerverein des Museums mehrheitlich dafür gestimmt, dass langjährige „Wilhelm Busch Museum – Deutsches Museum für Karikatur und kritische Grafik“ in „Wilhelm Busch Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst“ umzubenennen.

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Den neuen Namen hält Hübbe für sprachlich fehlerhaft. Er moniert auch, dass bei der Versammlung ein Protokollführer nicht ordnungsgemäß bestimmt wurde und dass in der Diskussion nicht alle Wortmeldungen zugelassen wurden. Vor allem jedoch habe der neue Name bei der Abstimmung in Wirklichkeit gar nicht die erforderliche Mehrheit gefunden.

Laut Protokoll waren 138 Mitglieder zur Versammlung gekommen. Nach der Satzung müssen „mindestens drei Viertel der erschienenen Mitglieder“ einer Satzungsänderung zustimmen. „Für den neuen Namen stimmten aber nur 102 Mitglieder – also zwei weniger als nötig“, rechnet Hübbe vor. „Damit wurde der Vorschlag abgelehnt.“

Bei der Wilhelm-Busch-Gesellschaft rechnet man anders. „102 Mitglieder stimmten dafür, 18 dagegen, acht enthielten sich“, sagt Herbert Schmalstieg, langjähriger Oberbürgermeister und Vorsitzender der WBG. Im Laufe der sehr langen Debatte hatten einige der 138 „erschienenen Mitglieder“ schlicht den Saal verlassen. Bei der Abstimmung waren nur noch 128 dabei. „Die Mehrheit hätten wir also schon bei 96 Stimmen gehabt“, sagt Schmalstieg. Auch der Jurist Ulrich Scharf vom WBG-Vorstand ist sich sicher: „Es kommt darauf an, wie viele Mitglieder beim Zeitpunkt der Abstimmung dabei sind.“

Hübbes Vorgehen beurteilt man in der WBG, gelinde gesagt, als hartnäckig: „Er führt eine persönliche Fehde gegen das Museum und stört unsere Arbeit“, sagt Schmalstieg. Denn Hübbe kritisiert auch, dass der WBG-Vorstand im Alleingang entschieden hat, die 2012 frei werdende Direktorenstelle mit Gisela Vetter-Liebenow neu zu besetzen, der bisherigen Vizedirektorin: „Bei einem Haus, das zum großen Teil mit öffentlichen Mitteln unterhalten wird, hätte die Stelle ausgeschrieben werden müssen.“

Schmalstieg hingegen betont, Vetter-Liebenow sei eine ausgewiesene Fachfrau; der Vorstand habe einstimmig für sie votiert: „Nirgends ist festgelegt, dass es eine Ausschreibung geben muss.“

Die Entscheidung, ob der neue Name ins Vereinsregister eingetragen wird, liegt nun beim Amtsgericht: „Sie fällt wahrscheinlich noch in diesem Jahr“, sagt dessen Sprecher Michael Siegfried. Somit wüsste Vetter-Liebenow bei ihrem Amtsantritt im Mai dann mit einiger Bestimmtheit, welchen Namen ihr Museum trägt. Zumindest bis zur nächsten Jahresversammlung.

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