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Kultur Wehrhahn Verlag feiert Jubiläum
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22:04 08.01.2013
Von Martina Sulner
„Nicht angestelltenkompatibel“: Verleger Matthias Wehrhahn. Quelle: Alexander Körner
Hannover

Manchmal erzählt Matthias Wehrhahn von diesem Aktenordner. Darin sammelt der hannoversche Verleger Ideen für Bücher zum Thema Kunst. Wahrscheinlich, sagt der 50-Jährige, werde er diese Einfälle niemals umsetzen können, dazu reichten Zeit und Kraft nicht. Doch wenn er von dem Ordner spricht, wirkt Wehrhahn ziemlich gut gelaunt: „Meine Ideen reichen für mehrere Verlage“, sagt er. Er interessiere sich nun mal für alles Mögliche, in der Literatur und auch in der Musik. „Ich höre Klassik, Zappa und aktuellen Pop.“

Dass man sich - zumindest beruflich - manchmal doch fokussieren sollte, hat er vor einigen Jahren gelernt. Nach Gründung seines Wehrhahn Verlags 1997 habe er „zahlreiche Bücher herausgebracht, die viel Geld und Zeit kosteten, aber wenig einbrachten“. Erst Anfang des neuen Jahrtausends habe er sein Verlegertalent zielgerichteter eingesetzt. Damit meint er: „Alte Texte zu entdecken und mein wissenschaftliches Netzwerk zu nutzen und auszubauen.“

Das spiegelt sich in 400 Büchern wider, die er in seinem hannoverschen Verlag bislang herausgebracht hat. Weil das eine eindrucksvolle Zahl für ein kleines Unternehmen ist, der Verlag außerdem 6000 Tage existiert und der Verleger Anfang Januar 50 geworden ist, feiert er dieses Dreifachjubiläum am 16. Januar bei einer (nicht öffentlichen) Veranstaltung mit Autoren, Freunden und Kollegen im Literaturhaus Hannover.

Angefangen hatte Wehrhahn im Frühjahr 1997, als er die Schrift „Über die Natur der afrikanischen Neger (und die davon abhängige Befreyung, oder Einschränkung der Schwarzen)“ aus dem Jahr 1790 herausgab. Jetzt, 16 Jahre später, umfasst allein das Frühjahrsprogramm rund 30 Titel. Das reicht von Marko Martins Buch „Kosmos Tel Aviv - Streifzüge durch die israelische Literatur und Lebenswelt“ über den Briefwechsel zwischen Heinar Kipphardt und Ernst Busch bis zu mehreren Titeln zum Jean-Paul-Jahr 2013. Das 400. Buch des Hauses ist eine Geschichtensammlung des hannoverschen Autors Dietrich zur Nedden, „Lautlose Explosionen“.

Wehrhahn verlegt zeitgenössische Literatur und Essayistik, doch den Schwerpunkt des Verlags bildete von Anfang an das 18. Jahrhundert. Matthias Wehrhahn wollte über Christian Friedrich von Blanckenburgs erste deutsche Romantheorie, erschienen 1774, promovieren. Daraus ist nichts geworden, doch dieses Jahrhundert fasziniert den Verleger noch immer. „Dort wurden die kulturellen Grundlagen entwickelt, von denen wir heute noch zehren“, meint er. Viele dieser Grundlagentexte hat er seitdem herausgebracht.

Seit einigen Jahren hat der Verlag seinen Sitz in einem Wülfeler Hinterhaus. Auf 100 Quadratmetern arbeiten der Verleger und derzeit eine Mitarbeiterin, die für den Vertrieb und den Internetauftritt zuständig ist, und dort lagern - auf Regalen und auf dem Boden - Bücher, Bücher, Bücher. Der Verlag liefert seine Titel selber aus. Ein Grossist als Auslieferer sei einfach zu teuer, sagt Wehrhahn. So tüten seine Mitarbeiterin und er Titel ein, die Kunden direkt bei ihm bestellt haben. Außerdem beliefern sie Buchhandlungen, bei denen Kunden Bücher geordert haben. Ein wichtiger Teil des Verkaufs läuft über Internetgroßhändler. In Buchhandlungen, so Wehrhahn, seien seine Bücher so gut wie nie vorrätig. Doch ins Jammern über die Buchhandelswelt verfällt er nicht: Er könne das verstehen; die meisten seiner Bücher richteten sich nun mal an eine sehr spezielle Leserschaft.

Überhaupt gehört Wehrhahn zu den selbstbewussten Kleinverlegern. Warum sollte er klagen? Er liebe diese Magie des Büchermachens, „Wer ist schon so privilegiert wie ich? Ich habe etwas aufgebaut, von dem ich leben kann.“ Zudem wirkt der Verleger bei allem Ideenreichtum und aller Bodenständigkeit („ich komme vom Bauernhof“) auch eigenwillig. Er sei wohl nicht „angestelltenkompatibel“, sagt er.

Auch wenn Wehrhahn keinen Grund zum Klagen hat, hätte er gegen höhere Verkaufszahlen seiner Bücher, deren Auflagen jeweils bei wenigen Hundert Exemplaren liegen, nichts einzuwenden. „Das Renommee des Verlags ist groß, aber manchmal könnten die Verkaufszahlen besser sein.“ Den Ausdruck der Wertschätzung kann man in Wehrhahns sonnengelbem Büro betrachten: Dort hängen die Urkunden für den Niedersächsischen Verlagspreis, den er 2006 erhalten hat, und für den Förderpreis der Kurt-Wolff-Stiftung aus dem Jahr 2009.

Durch diese Auszeichnungen und sein auch international ausgebautes Netzwerk ist der Verleger mittlerweile gut im Geschäft. „Früher musste ich Klinken putzen“, sagt er, „heute werden mir die Projekte angeboten.“ Viele davon muss er ablehnen. Es gelte schließlich, sich nicht permanent zu übernehmen und stattdessen die Balance zwischen Privat- und Berufsleben zu wahren. Doch man hat den Eindruck: Eigentlich hätte Matthias Wehrhahn schon Lust, noch viel mehr Projekte umzusetzen - und auch das ein oder andere Buch zum Thema Kunst. Der Aktenordner gäbe da wohl einiges her.

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