Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Wechsel an der Spitze des Jungen Schauspiels Hannover
Mehr Welt Kultur Wechsel an der Spitze des Jungen Schauspiels Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:12 01.09.2009
Von Ronald Meyer-Arlt
Wird neuer Leiter des Jungen Schauspiels Hannover: Regisseur Marc Prätsch. Quelle: Jana Striewe
Anzeige

Ihr Theater war stets mehr am Körper als am Wort orientiert, sie liebte den Kampf und den Sport, und gern vermischte sie beides. Die Kampfsportszenen jedenfalls waren das Wichtigste in ihren Inszenierungen von „Cyrano de Bergerac“ oder „Clockwork Orange“, die sie für das Junge Schauspiel Hannover erarbeitet hat. Jetzt hat sie selber eine Niederlage erlitten: Heidelinde Leutgöb, seit 2007 Leiterin des Jungen Schauspiels Hannover, wird das Theater verlassen. Lars-Ole Walburg, der neue Schauspielintendant, hat ihren Vertrag nicht verlängert. Die Zusammenarbeit werde über die Ende September beginnende Spielzeit 2009/2010 hinaus nicht fortgesetzt, heißt es in dürren Worten in einer am Dienstag verbreiteten Erklärung des Theaters.

Nachfolger von Heidelinde Leutgöb wird Marc Prätsch, der sich als Regisseur von Jugendtheaterprojekten wie „Ein Sommernachtstraum“ oder „Romeo und Julia“ in Hannover einen Namen gemacht hat. Er wird im Sommer 2010 mit der Leitung der vierten Sparte des Staatstheaters beginnen.

Anzeige

Als Regisseur wird er am Schauspiel Hannover aber schon früher wieder in Erscheinung treten. Er inszeniert die Uraufführung von „Trollmanns Kampf – Sinti Stadt Hannover“, ein (Erwachsenen-)Stück von Björn Bicker über den Boxer Johann Wilhelm („Rukeli“) Trollmann. Premiere soll im April 2010 sein.

Marc Prätsch arbeitet seit Langem in Hannover. An der Hochschule für Musik und Theater wurde er zum Schauspieler ausgebildet, 1998 kam er ins Ensemble des Schauspielhauses. Und schon bald wechselte er von der Schauspielerei zur Regie. Mit dem „Sommernachtstraum“, mit der Rap-Oper „Culture Clash“ und mit Romeo und Julia“ hat er einige Großprojekte des hannoverschen Jugendtheaters gestemmt. Die beiden Shakespeareklassiker wurden von „enercity“ gesponsert und von Jugendlichen gespielt. Prätschs Inszenierungen waren spannend und komisch und in den besten Momenten auch utopisch, hier sah man, wie junge Türken und junge Russen, junge Araber und junge Deutsche miteinander Theater spielen und gemeinsam über Grenzen gehen. Vor drei Jahren hat Marc Prätsch am Stadttheater Hildesheim Schillers „Räuber“ mit Berufschülern inszeniert, die mit Schiller eigentlich nichts am Hut hatten, aber während der Proben dann doch feststellten, dass die „Räuber“ einiges mit ihnen zu tun haben. Spiegel-TV hat eine beeindruckende Fernsehdokumentation über das Projekt gedreht. Auch hier war das Theater, wo es gern öfter mal sein sollte: nah an der Utopie.

Derartiges Partizipationstheater soll im Jungen Schauspiel, das er demnächst leiten wird, auch eine Rolle spielen, aber dem designierten Leiter schwebt noch mehr vor. „Ich will einen Ort etablieren, an dem junge Themen eine Rolle spielen“, sagt Marc Prätsch. Und mit Theater muss das nicht immer etwas zu tun haben. So denkt er über neue Darstellungsformen nach, über Künstler, die er fest ans Haus bindet, über politische Debatten, die von der Jugendabteilung angestoßen werden könnten. Theater ausschließlich für junge Menschen will er aber nicht machen: „Jugendtheater hat mich nie interessiert“, sagt der neue Leiter des Jungen Schauspiels.

Kultur Glühbirnen-Verbot und die Kunst - „Bunkern, auf jeden Fall bunkern“
Johanna Di Blasi 31.08.2009
31.08.2009