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Kultur „Warum tut der Mensch das?“
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00:15 04.10.2013
Von Daniel Alexander Schacht
Flache Schärfe, tiefe Recherche – ein Bild aus Philipp Jeskes preisgekrönter Fotoreportage „Russlands neue Verteidiger“. Quelle: Philipp Jeske
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Hannover

So engagierte Fotografen wünscht man sich im Fotojournalismus“, sagt Michael Thomas über Philipp Jeske. Der ist jüngster Träger des VGH-Fotopreises – und Michael Thomas, der Cheffotograf der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, gehört der Jury an, die den Preis vergeben hat. „Solche Bilder fängt nur ein, wer sich ganz auf die Leute einlässt, die er fotografiert – Philipp Jeske bringt sie uns mit seinen Bildern wirklich nahe, und er erzählt damit eine Geschichte, die so wirklich neu ist.“

„Russlands neue Verteidiger“ heißt die preisgekrönte Fotoreportage, die in dem Ferienlager mit dem Namen „Grenzwache von Tomsk“ rund 20 Kilometer entfernt von dieser sibirischen Stadt entstanden ist. Dort werden Jungen und Mädchen in einer seltsamen Allianz von Priestern und Paramilitärs an der Waffe und mit dem Gebetbuch zugleich ausgebildet. Die Bilder liefern Beispiele dafür, wie in Russland seit rund zehn Jahren Jugendliche traktiert werden.

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Aber Philipp Jeske erzählt mit seiner Kamera noch mehr. Denn er zeigt auch die teils abwesenden, teils verträumten Gesichter dieser Kinder – und dokumentiert damit, wie brutal die Lagerwirklichkeit über die kindlichen Lebenswelten hinweggeht. „Eine unglaublich hohe Gestaltungsqualität“, lobt Rolf Nobel, Professor für Fotojournalismus an der Hochschule Hannover und gleichfalls Jurymitglied, „und das spannendste journalistische Thema unter allen Bewerbern.“

Dass Jeske solche Momente einfangen konnte, liegt auch daran, dass er besondere Nähe zu den Jugendlichen herzustellen vermochte. Erstens ist der 27-Jährige selbst gebürtiger Russe, er ist erst im Alter von zehn Jahren mit seiner Mutter aus seiner Geburtsstadt Kaliningrad, dem früheren Königsberg, nach Hannover gekommen. Zweitens ist er, wie jeder gute Fotograf, ein einfühlsamer und neugieriger Beobachter. „Warum tut der Mensch das, was er tut? Warum ist der Mensch, wie er ist? Solche Fragen haben mich schon im Studium umgetrieben“, sagt er.

Damit meint er zunächst das Studium der Politikwissenschaften, das er mit einer Arbeit über Russlanddeutsche abgeschlossen hat. „Aber ich wollte raus, unter Menschen.“ So hat er das Fotojournalismus-Studium drangehängt. Und was bedeutet der Preis für ihn – abgesehen vom Preisgeld von 10 000 Euro? „Vor allem hoffe ich, dass meine Arbeit besser wahrgenommen wird“, sagt er. Der Preis, der auch mit einer Ausstellung seiner Bilder verbunden ist, dürfte dazu beitragen.

Jeskes Bilder werden vom 14. November bis 31. Januar in der VGH, Schiffgraben 4, ausgestellt. Dort findet am 14. November um 18 Uhr die Preisverleihung statt.

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