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Kultur Walter Sittler kommt nach Hannover
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18:55 03.12.2012
Von Martina Sulner
Gestatten, Walter Sittler. Quelle: dpa
Hannover

Das Zusammentreffen zwischen Walter Sittler und Erich Kästner war spät, aber folgenreich. Sittler, 1952 als Sohn eines amerikanischen Literaturprofessors deutscher Herkunft geboren, las die berühmten Kinderbücher Kästners als Kind überhaupt nicht. Doch als er später im Schulunterricht ein Gedicht Kästners kennenlernte, sagt er jetzt, habe er sofort das Gefühl gehabt: „Ja, genau!“ Ja, genau: Dieser Ton sprach den Jugendlichen direkt an. Ja, genau: Dieser Dichter drückte aus, was der Schüler damals empfand - ohne es in eigene Worte fassen zu können.

Jahrzehnte später hat Walter Sittler, mittlerweile erfolgreicher Schauspieler, ernsthaft begonnen, sich mit Erich Kästner zu beschäftigen - und das hatte Folgen. Sein Bühnenprogramm „Als ich ein kleiner Junge war“ über Kindheit und Jugend des 1899 geborenen Schriftstellers wurde zu einem großen Erfolg. Rund 250 Mal stand der Schauspieler, der lange am Staatstheater Stuttgart engagiert war und für seine Rolle als selbstverliebter Chefarzt in der Fernsehserie „Nikola“ den Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis erhalten hat, mittlerweile damit auf der Bühne. „Und das alles ist immer noch nicht zu Ende“, sagt Sittler und meint damit: In den Texten des gebürtigen Dresdeners entdeckt er immer noch Neues. „Die Texte entblättern sich immer weiter.“

Seit zwei Jahren tourt der Stuttgarter gemeinsam mit sechs Musikern mit einem Folgeprogramm durch Deutschland. „Prost, Onkel Erich!“ heißt es und erzählt von Leben und Werk Kästners zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und Kästners Tod 1974. Rund 30 Bücher hat der Autor von den späten zwanziger bis in die späten sechziger Jahre veröffentlicht - vom neusachlichen Roman „Fabian“ bis zu den Kinderbuchklassikern „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“ und „Das doppelte Lottchen“.

„Dieses Programm ist sehr viel politischer als das erste“, sagt Sittler. Schließlich gehe es viel um das Berlin der zwanziger Jahre, um das Erstarken der Nationalsozialisten. Kästner wollte jedoch seine Leser nicht durch drastische Beschreibungen oder gar Anklagen erschrecken, sondern er wollte „Chronist der Zeit“ (Sittler) sein - und durch seine Beschreibungen „die Menschen zum Denken verführen“.

Dass Erich Kästner, dessen Werke die Nationalsozialisten bei der Bücherverbrennung ins Feuer warfen, nicht emigrierte, findet der Schauspieler nur zu verständlich: „Da sollten wir Nachgeborenen nicht zu selbstherrlich und selbstgerecht urteilen. Er wollte dort bleiben, wo er die Sprache sprach - und er wollte seine Eltern nicht alleinlassen.“

Zu seiner Mutter hatte der Autor ein besonders inniges Verhältnis, was sich in zahlreichen Briefen und autobiografischen Texten spiegelt. Empathisch, aber nicht kitschig findet Sittler diese Texte, und sie seien typisch dafür, was ihm an Kästner so gefällt: Das seien reiche, aber auch unaufwendig wirkende Texte, die sich jedem Leser direkt erschließen. „Die Menschen müssen nur in Ruhe zuhören“, meint der Schauspieler - und seiner Erfahrung nach machen sie das auch. „Es ist manchmal ein bisschen, als wenn man die Wüste bewässert: Die Besucher haben eine Sehnsucht danach, einfach mal zuzuhören.“ Seine Kästner-Programme, mutmaßt Sittler, seien eine Art Gegenmodell zur Schnelllebigkeit des Alltags und auch zur Unüberschaubarkeit des Internets. Der Tonfall Kästners, der die traurigen Seiten der Kindheit kannte, aber dessen Bücher nicht traurig sind, wirkt auch heute nicht veraltet.

Und Erich Kästners „Herz auf Taille“, findet Sittler, „kann man sowieso immer in der Tasche haben“.

Am Mittwoch, 5. Dezember, tritt Walter Sittler um 20 Uhr mit sechs Musikern im Schauspielhaus Hannover auf und präsentiert „Prost, Onkel Erich!“. Karten unter Telefon (0511) 99991111.

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