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Kultur Vom Moordorf zum bedeutenden Künstlerort
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15:12 08.06.2009
Vom Moordorf zum Künstlerort: Worpswede. Quelle: Nigel Treblin/ddp

.„Landschaftlich ist die Gegend ungeheuer reizvoll“, beschrieb Mackensen seine ersten Eindrücke von dem Ort. Das „Luftgespiegel“ im Wasser sei so „zauberhaft“, dass er aus dem Staunen nicht herauskomme.

Schon bald machten die Worpsweder Maler mit ihren Bildern Furore und begründeten so den Ruhm der Künstlerkolonie, die in diesem Jahr ihren 120. Jahrestag feiert. Heute zieht Worpswede jährlich etwa 280 000 Tagestouristen an. In dem rund 9500 Einwohner zählenden Künstlerdorf im Landkreis Osterholz leben rund 150 Kunstschaffende und Kunsthandwerker.

Die in Tschechien geborene Ivanka Svobodova-Rinke kam 1983 als Stipendiatin nach Worpswede. „Anfangs mochte ich die flache Landschaft gar nicht“, sagt die Malerin. Inzwischen lebe sie gern hier. Ihr Mann Hadfried Rinke ist Goldschmied. „Der Ort ist sehr anregend, hat eine offene Atmosphäre für Künstler und es gibt viele interessante Menschen“, sagt das Künstlerpaar.

Anders als bei den alten Worpswedern entstehen in Svobodova-Rinkes Atelier vor allem großflächige, abstrakte Bilder. Doch auch wenn sie keine Landschaften abbilde, so sei „plötzlich der Horizont als Linie“ in ihren Bildern aufgetaucht, sagt die dunkelhaarige Malerin, die 2006 den Kunstpreis des Landkreises Osterholz einheimste, lächelnd. Ein Zeichen, das die weite Wiesen- und Moorlandschaft sie inspiriere.

Die fast urzeitlich-mythisch anmutende Landschaft, die den ersten Worpsweder Malern unzählige Motive lieferte, ist heute ein beliebtes Ziel für Erholungssuchende. „Früher sind die Besucher in erster Linie wegen der Kunst und der Kultur in das Künstlerdorf gekommen“, sagt Armin Scharf, Geschäftsstellenleiter der Worpsweder Touristik und Kulturmarketing GmbH (WTG). In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Anspruch der Gäste gewandelt. „Sie suchen nach dem Museumsbesuch auch die Erholung in der Natur.“

Dabei können die Besucher die Umgebung zu Fuß, per Rad, Kanu oder dem historischen Moorexpress erkunden. „Ganz typisch für die Region sind die Torfkahnfahrten“, sagt Scharf. Auf den Spuren der Moorbauern gleiten die schwarzen Kähne mit den braunen Segeln heute an den mit Schilf bewachsenen Ufern der alten Wasserwege von Hamme und Wümme entlang. Die Stille, die nur ab und zu durch den Ruf eines Kiebitzes oder das Quaken eines Froschs unterbrochen wird, wirkt entspannend. Ein Fahrgast spricht laut aus, was die anderen denken: „Es ist so friedlich“, sagt er.

Unterdessen kommen in Worpswede an diesem Tag immer mehr Reisebusse auf dem großen Parkplatz an. Die Türen öffnen sich zischend, und erwartungsvoll steigen die Passagiere aus. „Unsere Besucher sind überwiegend älter als 50 Jahre, gebildet, kulturinteressiert und überwiegend weiblich“, sagt der Kulturbeauftragte des Landkreises Osterholz, Matthias Jäger.

Als Projektleiter „Masterplan Worpswede“ möchte Jäger neben den sogenannten Best Agern und den aktiv Erholungssuchenden künftig aber auch „jüngere Erwachsene und Familien sowie anspruchsvolle, moderne Kulturtouristen“ ansprechen. Sie sollen besser als bisher auf ihren Entdeckungstouren durch die Worpsweder Kunstgeschichte an die Hand genommen werden. Dazu sollen 120 Jahre nach Gründung der Künstlerkolonie die Kunst, die authentischen Wohnorte, künstlerisch gestaltete Parkanlagen und Ruhezonen zu einem „einzigartigen Erlebnisraum“ verbunden werden.

„Es hat in jeder Generation in Worpswede Künstler gegeben, die Weltgeltung hatten und haben“, sagt Erhard Kalina, niedersächsischer Landesvorsitzender des Bundes Bildender Künstler (BBK). Eine Malerin, die bei Mackensen Unterricht nahm und 1901 Otto Modersohn heiratete, gilt heute als bedeutendste deutsche Wegbereiterin der Künstlerischen Moderne: Paula Modersohn-Becker. Für sie war das Moordorf „ein Wunderland, ein Götterland.“

ddp

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