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07:50 15.07.2013
Von Martina Sulner
Strategischer Marketingort: Die Brücke mit Liebesschlössern im hannoverschen Maschpark. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Verliebte Paare können sich auf einiges gefasst machen: Möglicherweise bekommen sie Besuch, wenn sie demnächst auf einer Brücke stehen, um dort ein Liebesschloss anzubringen. Die Sitte, auf einem Vorhängeschloss Namen und Treueschwur eingravieren zu lassen und es dann an einem Brückengeländer anzuschließen, ist seit einiger Zeit verbreitet. In den kommenden Wochen könnte das romantische Beisammensein ein wenig gestört werden - und zwar von beflissenen Promotionteams eines Buchverlags.

Die werden dort, kündigt der Krüger Verlag an, Cecilia Aherns neuen Roman, „Die Liebe deines Lebens“ bewerben und Leseproben verteilen. In dem Buch erzählt die irische Bestsellerautorin („P.S. Ich liebe dich“, „Ein Moment fürs Leben“) von der jungen Christine. Die Frau rettet den 34-jährigen Adam, der sich von einer Brücke stürzen will - und, Überraschung, verliebt sich in den Mann. Im Oktober kommt der Roman im Krüger Verlag, der zu S. Fischer gehört, heraus.

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Brücken sind nicht die einzigen Orte, an denen man in diesem Sommer Leseproben erhalten kann. In rund 200 Arztpraxen in Großstädten wie Berlin, Hamburg, München, Stuttgart und Köln verteilt der Luchterhand Verlag Leseproben von Elizabeth Strouts Roman „Das Leben natürlich“, der im September auf den Markt kommt. Im Jahr 2009 hat die amerikanische Autorin für ihr Buch „Mit Blick aufs Meer“ den Pulitzer-Preis bekommen.

Die Idee zur Literaturwerbung im Wartezimmer sei aus einer ganz alltäglichen Beobachtung entstanden, sagt Katja Hein, die beim Konzern Random House für Luchterhand und einige weitere Verlage die Werbung verantwortet: „Im Wartezimmer liest jeder.“ Als Alternative zu Zeitschriften mit Klatschgeschichten legt Luchterhand einen 24-seitigen, kleinformatigen Auszug aus „Das Leben natürlich“ aus; der Umschlag ist genauso gestaltet wie bei der Hardcoverausgabe. Mit einer ähnlichen Aktion hat Katja Hein vor zwei Jahren gute Erfahrungen gemacht. Damals lagen Leseproben von Lucinda Rileys Buch „Das Orchideenhaus“ bei Friseuren aus - und das kam prima an.

Das Marketing für den aktuellen Strout-Roman soll Leser neugierig auf die Neuerscheinung machen und Vielleser und Strout-Kenner darauf aufmerksam machen, dass jetzt ein neuer Titel der Autorin auf den Markt kommt. Die Idealvorstellung der Werbeleiterin ist: „Die Patientin schaut in die Leseprobe rein, steckt sie in die Handtasche und geht später in die Buchhandlung und kauft den Titel.“

Zur Marketingstrategie gehört auch, die Bindung der Leser zum Verlag zu stärken. In jeder Strout-Leseprobe steckt ein sogenanntes Response-Element. Das ist eine Postkarte, auf der die Leserin (Romane wie „Das Leben natürlich“ sind meistens Frauensache) dem Verlag ihre Meinung zum Buch schreiben kann - und soll. „Leser sind mitteilungsbedürftig“, sagt Katja Hein. Für Verlag ist das prinzipiell Gold wert: Viele Bücher werden dadurch zu Erfolgen, dass ein Leser Freunden von seiner literarischen Neuentdeckung vorschwärmt. Klassische Mundpropaganda.

Prinzipiell gilt, so Katja Hein: „Wir rücken immer näher an den Leser heran.“ Das ist nicht nur bei Verlagen deutlich, sondern auch bei Schriftstellern: Viele Autoren - gerade im Bereich der Unterhaltungsliteratur - sind fleißige Blog-Schreiber und pflegen auf ihren Websites Kontakt zu den Fans. Das klingt dann gern mal so freundschaftlich wie bei Cecilia Ahern, die im vergangenen Herbst zum Beispiel schrieb: „Im Moment hält mich natürlich mein süßer, süßer kleiner Sohn, der im Juli geboren wurde, ganz schön auf Trab, und das Tag und Nacht, wie ihr euch vorstellen könnt.“

Leser wollen aber nicht nur (vermeintlichen) Einblick ins Leben von Autoren erhalten - „Leser wollen mitmachen“, sagt Katja Hein. Wer Luchterhand auf einer Karte seine Meinung zum Elizabeth-Strout-Roman zuschickt, erhält ein Buchgeschenk. Außerdem machen Leser gern bei Gewinnspielen mit, mit denen Neuerscheinungen beworben werden. In den kommenden Monaten können sich Buchfans an diversen Aktionen beteiligen: Beim Gewinnspiel für Maria Goodins Roman „Valerie kocht“, der Ende September bei Kindler erscheint, kann man Backformen und „Sets zum Backen und Verzieren von Muffins“ gewinnen. Noch bis Ende Oktober läuft ein Gewinnspiel zu Lucinda Rileys aktuellen Roman „Der Lavendelgarten“ (Goldmann Verlag), bei dem Geschenkgutscheine der Kosmetikkette L’Occitane verlost werden.

Wichtig ist, dass solche Werbeaktionen zum Buch und zur angepeilten Leserschaft passen. Die Leseproben von Julia Kaufholds Großstadt-Chaos-Liebesgeschichte „Löffelchenliebe“, die eher etwas für junge Leserinnen ist, packt der Verlag Page & Turner in eine passende „Pink Box“ mit „fünf neuen Beauty-Produkten“.

Das Marketing richtet sich nicht nur an die Buchkäufer, sondern sei auch „als Signal an den Handel wichtig“, so Katja Hein. Ein Verlag will mit solchen Aktionen dem Buchhandel, der unter Umsatzrückgang zu leiden hat, zeigen, dass er sich für bestimmte Titel besonders engagiert.

Leseproben und Gewinnspiele sind nur Teile eines Paketes, mit dem Verlage Aufmerksamkeit für Neuerscheinungen erzielen wollen. Dazu gehören ebenso Anzeigen, Kinospots und Plakate; Werbung über soziale Netzwerke im Internet wird zudem immer wichtiger. Über die Kosten solcher Kampagnen schweigt Katja Hein sich aus; sie ist sich aber sicher, dass solche Aktionen den Verkauf von Büchern ankurbeln.

Nicht jedem Leser gefällt es, wenn Verlage zu Werbezwecken Kooperationen mit Kosmetikherstellern oder - wie im Fall von Peter Mayles neuem Südfrankreich-Roman „Der Coup von Marseille“ - mit einem Reiseveranstalter eingehen. Und nicht für jede Neuerscheinung ist solches Marketing passend. Anfang September etwa erscheint bei Luchterhand „Ungeheuer“, der neue Roman der vielfach ausgezeichneten Literatin Terézia Mora. Für diese Autorin würde der Verlag dann doch keine Gewinnspiele machen.

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