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Kultur „Vergebung“ läuft in den Kinos an
Mehr Welt Kultur „Vergebung“ läuft in den Kinos an
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21:29 01.06.2010
Von Heinrich Thies
Quelle: dpa
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Wie in den früheren Folgen verbindet sich auch in „Vergebung“ wieder ein packender Thriller mit Gesellschaftskritik, schwedischer Melancholie und Elementen der griechischen Tragödie.

Die Heldin allerdings ist diesmal über weite Strecken lahmgelegt. Lisbeth Salander muss erst eine Schussverletzung auskurieren, bevor sie wieder in Aktion treten kann. Am Ende des zweiten Teils war sie von ihrem eigenen Vater durch einen Kopfschuss niedergestreckt worden, nachdem sie ihren Erzeuger zuvor mit einer Axt attackiert hatte. Jetzt liegen die beiden quasi Tür an Tür in der Notfallaufnahme, während der Journalist Mikael Blomqvist bemüht ist, Licht in die düstere Vorgeschichte zu bringen – in die Machenschaften schwedischer Geheimdienstleute, die während des Kalten Krieges mit Billigung der Regierung gemeinsame Sache mit einem sowjetischen Überläufer machten. Dabei handelt es sich um Lisbeths Vater Alexander Zalachenko, der ein Netz der organisierten Kriminalität gesponnen und seine Frau halbtot geschlagen hat und in seiner Brutalität nur vom eigenen Sohn in den Schatten gestellt wird – von Lisbeths Halbbruder, der schmerzunempfindlich ist und wie ein maschinenartiges Monster jeden umbringt, der ihm in die Quere kommt. Notfalls auch seine Schwester.

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Noch bevor die alten Wunden verheilt sind, kracht es erneut. Doch diesmal geht die Gewalt von einem älteren, seriös wirkenden Herrn aus, der auf diese Weise seine eigene Schuld zu tilgen hofft. Seine Kugel durchbohrt den Kopf von Lisbeths Vater, mit dem er einst verbündet war wie mit dem Teufel persönlich. Es wird nicht die letzte Bluttat in diesem Film sein.

Dies klingt alles reichlich überdreht. Dennoch ist „Vergebung“ kein reißerischer Actionfilm. Schon die erfolgreiche Romanvorlage entfernt sich von gängigen Krimiklischees. Im Mittelpunkt steht eine Heldin mit Abgründen. Hinter der rauen Punkerattitüde Lisbeth Salanders verbirgt sich die tiefe Einsamkeit einer jungen Frau, die durch grausamen Missbrauch lebenslang geschädigt ist. Dies spiegelt sich auch im Film wider. Die Schauspielerin Noomi Rapace beweist in der letzten Folge der Trilogie gerade in den vielen stillen Momenten, wie großartig sie die zerbrechliche Hauptfigur mit Leben erfüllen kann. Auch die übrigen Sympathieträger werden von Darstellern verkörpert, die auch Unfassbares glaubwürdig machen können. Die Schurken dagegen kommen etwas holzschnittartig daher. Selbst ein Psychiater, der den Eindruck von Ehrbarkeit erweckt, in Wirklichkeit aber seine Schutzbefohlenen quält und sich an Kinderpornos aufgeilt, ist allzu durchsichtig.

Gleichwohl gelingt es Regisseur Daniel Alfredson in seinem Millenniums-Finale mit zumeist düsteren Bildern und einer diskreten Dramaturgie eine Spannung aufzubauen, die von Menschen ausgeht und nicht ausschließlich vom kriminalistischen Plot. Oft erzählt Alfredson seine Geschichte, indem er ohne viele Worte Großaufnahmen von Gesichtern zeigt. Langeweile kommt dabei nicht auf. Denn es ist klar, dass die Ruhe trügerisch ist und es irgendwann wieder kracht.

Schwerer als in den beiden ersten Folgen aber fällt es bei der letzten, den Überblick zu behalten. Verwirrend viele Handlungsfäden aus der Trilogie laufen zusammen, sodass sich streckenweise nur ein diffuses Bild der Bedrohung und einer übermächtigen Verschwörung einstellt. Schon bald wird das Kinopublikum eine Vergleichsmöglichkeit haben. Denn auch der US-Regisseur David Fincher („Fight Club“) will den Larsson-Bestseller verfilmen. Der Autor profitiert davon nicht. Stieg Larsson ist schon 2004 mit 50 Jahren gestorben.

Der Film startet Donnerstag. Das Raschplatz-Kino zeigt bereits heute um 17.30 Uhr die gesamte Trilogie am Stück.

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