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Kultur Verfolgter Regisseur Jafar Panahi dreht heimlich Berlinale-Film
Mehr Welt Kultur Verfolgter Regisseur Jafar Panahi dreht heimlich Berlinale-Film
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22:02 12.02.2013
„Er sollte hier sein“ – Panahi konnte an der Premiere seines eigenen Films nicht teilnehmen, der iranische Regisseur darf sein Land nicht verlassen. Quelle: dpa
Berlin

Am Dienstag war Panahis Werk bei den Berliner Filmfestspielen erstmals zu sehen. Der 52-jährige Regisseur selbst durfte trotz eines Appells der deutschen Bundesregierung wie erwartet nicht zur Weltpremiere nach Berlin reisen, ihn vertraten sein Ko-Regisseur Kamboziya Partovi und die Schauspielerin Maryam Moghadam. „Egal wie eingeschlossen wir sind, unsere Gedanken können wir nicht einschließen“, sagte Partovi.

In „Geschlossener Vorhang“ treffen zwei Filmfiguren in einem von der Außenwelt isolierten Haus auf ihren Regisseur, gespielt von Panahi selbst. Realität und Fiktion vermischen sich. Vielleicht sind der Mann und die Frau, die vor Verfolgung in der Villa am Meer Zuflucht gesucht haben, die Alter Egos des Regisseurs. So wird der Film zum Symbol dafür, dass Panahi nicht zulassen will, dass das iranische Regime zum Regisseur seines Lebens wird.

Panahis Ko-Regisseur Kamboziya Partovi („Café Transit“) spielt den Schriftsteller, der sich in den Zimmern mit den zugezogenen Vorhängen verborgen hält - zusammen mit seinem Hund, einem im Iran als „unrein“ geächteten Tier. Zu ihnen stößt eine Frau (Melika Maryam Moghadam), die angeblich bei einer verbotenen Party am Strand des Kaspischen Meers war und nun zur Rechenschaft gezogen werden soll.

Zusammen verbarrikadieren sie sich in der Villa, doch der Schriftsteller weiß nicht, ob er der Frau trauen kann. Die Fenster sind verhängt, jegliche Aussicht ist den Eingeschlossenen verwehrt - vielleicht auch die Aussicht auf eine bessere Zukunft. Von draußen sind Stimmen von Polizisten zu hören. Draußen rauscht aber auch das Meer als Sinnbild für die Sehnsucht nach Freiheit und unendlicher Weite - oder als Option für einen Selbstmord.

Der Film ist ein symbolisch aufgeladenes Werk, das die Eingeschlossenheit der von ihrem eigenen Land drangsalierten Menschen spürbar macht. „Ich habe das Drehbuch geschrieben, als ich an einer Depression litt, die mich dazu gebracht hat, eine irrationale Welt jenseits der logischen Konventionen zu erkunden“, schreibt Panahi im von der Berlinale veröffentlichten Presseheft zu seinem Film. „Melancholie spukt durch die Geschichte, in der jede Figur sich in der anderen spiegelt und die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmt.“

Ursprünglich sei das Projekt als eine Art Beschäftigung für Panahi gedacht gewesen, sagte Partovi. „Nicht-Arbeiten ist schwierig. Es kann depressiv machen.“ Ob sie wegen des Film nun Konsequenzen fürchten müssen, ist unklar. „Wir können das nicht vorhersehen“, sagte Partovi. Es sei noch nichts Konkretes passiert. „Wir warten. Wir wissen nicht, was uns die Zukunft bringen wird.“

Die junge Frau im Film äußert immer wieder die Sehnsucht zu sterben. Ob Panahi auch solche Gedanken habe, fragte in Berlin ein Journalist. „Es ist nicht so, dass er ständig darüber nachdenken würde“, meinte Partovi. „Aber ich selber denke: Wenn ich nicht arbeiten könnte und nur zu Hause wäre, würde ich sicher darüber nachdenken.“

Panahi, der sich offen zur Opposition im Iran bekennt, war im Dezember 2010 von einem Revolutionsgericht in Teheran zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil wurde bisher aber nicht vollzogen. Vor zwei Jahren ließ Panahi seinen Film „Dies ist kein Film“ auf einen USB-Stick speichern und in einem Kuchen ins Ausland schmuggeln. Die Dokumentation über sein Warten auf den Ausgang seiner Gerichtsverhandlung lief bei den Filmfestspielen von Cannes.

2006 war Panahi mit „Offside“ über weibliche iranische Fußballfans im Berlinale-Wettbewerb und gewann dafür einen Silbernen Bären. Vor zwei Jahren war der Iraner Mitglied der Berlinale-Jury, durfte aber auch damals schon nicht nach Berlin reisen.

dpa

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