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Kultur Verbotene DDR-Filme werden wieder belebt
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19:34 26.06.2009
Rolf Herricht als Holms (l.) und Evelyn Cron als Lucie in der DDR-Filmkomödie „Hände hoch oder ich schieße“. Quelle: DEFA-Stiftung/ddp

Ein bisschen Pech war dabei, als im August 1966 die DDR-Komödie „Hände hoch oder ich schieße“ von der Regierung verboten wurde. Damals habe es als Folge des 11. Plenums des Zentralkomitees der SED eine ganze Verbotswelle von Filmen gegeben, sagt Filmhistoriker Ralf Schenk. Er hat jetzt den alten Schwarz-Weiß-Streifen im Auftrag der DEFA-Stiftung in Berlin rekonstruiert. Am Sonntag (28. Juni) wird die DDR-Gaunerkomödie mehr als 43 Jahre nach ihrer Entstehung im Kino „International“ in Berlin uraufgeführt. Am 2. Juli kommt er in die Kinos.

In der Hauptrolle ist Rolf Herricht (1927-1981) - ein in der DDR auch als Komiker beliebter Schauspieler - zu sehen, der den Kleinstadt-Polizisten Holms mimt und wegen der praktisch nicht vorhandenen Kriminalität in seinem Ort Wolkenheim depressiv wird. Neben ihm sind auch viele andere bekannte DDR-Mimen wie Eberhard Cohrs, Agnes Kraus, Herbert Köfer, Hans-Joachim Preil und Fred Delmare damit beschäftigt, dem deprimierten Volkspolizisten Holms aus seiner Lethargie zu helfen und ihn in einen spektakulären Kriminalfall zu verwickeln: Eine Gaunerbande stiehlt ein Denkmal vom städtischen Marktplatz und beschert dem bis dahin arbeitslosen Ordnungshüter damit eine Menge Aufregung.

Die meisten Protagonisten des Films sind mittlerweile längst gestorben. Dennoch, glaubt Experte Schenk, dürfte es vor allem in Ostdeutschland ein Publikum für diese spezielle DDR-Filmkost geben. „Dieser Film wird aber seine eigentliche Karriere im Fernsehen machen und sich sicher auch gut auf DVD verkaufen lassen“, sagt Schenk, der nach „Die Schönste“ und „Fräulein Schmetterling“ nun bereits den dritten verbotenen DDR-Film in einjähriger Arbeit für das gesamtdeutsche Publikum wieder aufgepäppelt hat.

Bei der Uraufführung am Sonntag mit dabei ist Herbert Köfer. Der 88-Jährige empfindet die verspätete Premiere des Films als „Sieg über eine Gruppe humorloser Funktionäre“. Die verbotenen Filme würden damit „freigesprochen“, sagt der bekannte DDR-Schauspieler, der auch in der ebenfalls von den SED-Funktionären verbotenen DEFA-Produktion „Denk bloß nicht, ich heule“ mitgespielt hat. „Wir waren fassungslos über so viel Dummheit, und jetzt bin ich stolz darauf, dass man Dummheit auch besiegen kann“, erinnert er sich im ddp-Gespräch an seine Emotionen.

Die Künstler hätten sich damals lautstark gegen das Verbot der Filme zu Wort gemeldet. „Viele haben das Land verlassen“, berichtet der Schauspieler. Nun ist er froh, dass mit der stark verspäteten Veröffentlichung der Komödie über 50 Drehtage doch noch einen Sinn bekommen.

Die Gaunerkomödie, die nicht mit Ironie auf die oft triste DDR-Wirklichkeit spart, sollte eigentlich bereits 1966 von Karl-Marx-Stadt bis Rostock in den Kinos zu sehen sein. Doch die im Dezember 1965 beim 11. Plenum des ZK der SED versammelten Genossen wussten dies zu verhindern. „Dabei wurde die Kultur heftig angegriffen. Sie sei zu pessimistisch, zu skeptisch“, erläutert Schenk. Danach seien zahlreiche DEFA-Filme auf ihren Pessimismus-Gehalt hin überprüft worden.

Es folgte eine Verbotswelle. Durch das Raster fielen unter anderem die Filme „Spur der Steine“ und eben „Hände hoch oder ich schieße“. Die Komödie sei in diese Hysterie von damals unglücklicherweise mit hineingerutscht, sagt Schenk. Wäre sie einige Zeit eher oder später gedreht worden, hätte sie nach Ansicht des Fachmanns gute Chancen auf einen ganz regulären Filmstart in den DDR-Kinos gehabt.

Am meisten habe die DDR-Oberen - speziell das für die Volkspolizei zuständige Innenministerium - allerdings die Rolle der Ordnungshüter gewurmt, die der Film angeblich vermittle. Die DEFA suggeriere den Zuschauern damit, dass die Polizei in der DDR überflüssig sei. Diese Botschaft durfte um keinen Preis unters Volk gelangen. Also landete die Komödie von Autor Rudi Strahl kurzerhand im Filmarchiv, wo sie mehr als 40 Jahre lang fachgerecht in über 500 Büchsen verpackt lagerte.

ddp

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