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Kultur „Vagina Monologes“ über Sex, Scham und Befreiung
Mehr Welt Kultur „Vagina Monologes“ über Sex, Scham und Befreiung
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11:04 17.12.2012
„Man kann das Stück als Entwicklungsarbeit verstehen“: Szene aus den „Vagina Monologen“ im Pavillon. Quelle: Kempa
Hannover

Zehn Jahre nach der Premiere der Theaterwerkstatt wurde das Stück erneut im Pavillon gezeigt – in der Originalbesetzung mit Rosemarie Anton, Elke Cybulski, Edda Heeg, Regine Sengebusch und Sabine Trötschel. Es gibt wenige Theaterstücke, die für so viel öffentliche Aufregung sorgten wie Enslers Monologe. Und es immer noch tun: Nach wie vor wird das Stück regelmäßig aufgeführt, von Stars und Laien gleichermaßen, auf großen und kleinen Bühnen, in Theatern, Universitäten, überall dort, wo dem Thema Raum gewährt und am vermeintlichen Tabu gekratzt wird.

Aber ist das Stück, das Ende 1996 zum ersten Mal in einem Off-Broadway-Theater gezeigt wurde, noch zeitgemäß? Seit damals ist viel passiert, Tabuzonen haben sich verschoben, auch in der Literatur. Charlotte Roche schockierte vor vier Jahren mit den „Feuchtgebieten“, aktuell sorgt die deutsche Übersetzung von E. L. James’ „Fifty Shades of Grey“ für Aufsehen. Eine Gesellschaft, die sich als aufgeklärt betrachtet, in der Nacktheit durch Werbung, Mode und Internet omnipräsent ist, können doch die Vagina Monologe nichts Neues mehr sagen. Oder?

Doch, können sie. Dass mehrere Zuschauer während der Vorführung den Pavillon verlassen, zeigt schon, dass das Thema eben doch noch nicht enttabuisiert ist. Mit verteilten Rollen tragen die fünf Akteurinnen unter der Regie von Martina van Boxen die komischen, emotionalen und sinnlichen „Vagina Monologe“ vor, die aus Interviews mit 200 Frauen entstanden sind. Interviews über die Vagina, ein Wort, das „wie eine Infektionskrankheit klingt“. Als Begriffs-alternativen für „das da unten“ werden „Waterkant“, „Mutterschiff“, „Garage“, „Rosamunde“ oder auch „Glitsche“ angeboten.

Wenn das so phantasievoll Bezeichnete nun also sprechen könnte, würde es von Vergewaltigung, Menstruation, Geburt, aber auch von Lust sprechen. Und das alles sehr anschaulich. Von lesbischem Sex ist die Rede, von Fingern, die die Lustgebiete erkunden, von der Scham, das erste Mal einen Orgasmus erlebt zu haben und dafür als „widerlich“ beschimpft zu werden.

Von Haaren sprechen die Schauspielerinnen, denn wer die Vagina mag, müsse auch die Behaarung mögen. Aber es wird nicht nur gesprochen. Bei den verschiedenen Arten des Stöhnens beispielsweise räkeln sich die Damen auf der Bühne. Der Aufforderung, das „dreifache Orgasmusstöhnen“ zu imitieren, kommt im Publikum dann aber niemand nach – da siegt dann doch die Schüchternheit. 

Schauspielerin Regine Sengebusch sieht das so: „Hier wird offen über etwas Intimes, über Weiblichkeit und das weibliche Geschlechtsteil geredet. Wenn man wirklich mal mit anderen darüber spricht, merkt man plötzlich, wie alle schweigen. Die Bühne gibt uns die Möglichkeit, aus einem intimen Gesprächskreis einen größeren zu machen“, sagt sie. Man könne das Stück als Entwicklungsarbeit verstehen, das zunehmend auch Männer interessiere. 

Ein älterer Herr aus dem Publikum sagt nach dem Stück: „Die ,Vagina Monologe‘ bieten Anregungen, um aus der Ecke des Verschämten herauszukommen. Endlich wird ohne Anzüglichkeiten über dieses Thema gesprochen, und die Frauen können ihre Ansprüche an ein erfülltes Sexleben aussprechen.“ Auch jüngere Männer im Publikum bekennen, dass es sehr gut ist, den weiblichen Körper besser zu verstehen.

Gesprächs- und Zündstoff gibt es im Pavillon also genug. Auch zehn Jahre nach der Premiere.

Weitere turbulente Frauengespräche sind morgen um 20 Uhr im Pavillon zu erleben – bei der Revue „Sekt and the City – vier Frauen mit Mumm“.

von Agnes Beckmann

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