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Kultur Uraufführung von Brechts erstem Theaterstück
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17:35 05.02.2013
Brecht-Enkelin Johanna Schall. Quelle: ss
Augsburg

Am Freitag kommt beim Augsburger Brechtfestival das erste Stück des Dramatikers zur Uraufführung. Bertolt Brecht schrieb „Die Bibel“ als 15-Jähriger für seine Schülerzeitung „Die Ernte“. Das siebenseitige Manuskript handelt von der Belagerung einer protestantischen Stadt durch Katholiken. Um verschont zu bleiben, sollen die Bedrängten ihrem Glauben abschwören und die Tochter des Bürgermeisters ausliefern. Regie führt Brechts Enkelin, Johanna Schall.

Frau Schall, Sie inszenieren Brechts Stück in einer Kirche - eine Provokation?

Ja. Das Publikum des Brechtfestivals bringt ganz bestimmte Erwartungen mit. „Wie so ein typischer Brecht aussieht, das weiß ja jeder“, denken sie. Sie werden überrascht sein, denn dieses sehr emotionale Melodrama - begleitet von Orgelmusik - zeigt eine andere Brecht-Seite.

Gibt es im Text dennoch schon Hinweise auf den späteren Brecht?

Es herrscht dieser gewisse Tonfall vor, ein schwäbisch gefärbter Klang. Es ist schwierig, den genau zu bestimmen. Es ist mehr so ein Gefühl. Eventuell liest man auch etwas hinein, wenn man die späteren Stücke kennt. Brecht verwendet hier bereits sehr viele Bibelzitate, wie sonst auch.

Weshalb hat sich bislang noch niemand an den Text getraut?

Das werde ich immer wieder gefragt, und ich habe keinerlei Erklärung dafür. Für mich als Regisseurin bietet das die Chance, in den Text hineinzuhören, ihn für sich sprechen zu lassen. Wann bekommt man schon mal die Möglichkeit, einen bislang so gut wie unbekannten Brecht aufzuführen?

Sie haben als Brechts Enkelin eine ganz besondere Beziehung zum Autor. Wie beeinflusst Sie das in Ihrer Arbeit als Regisseurin?

Ganz ehrlich: eigentlich gar nicht. Die Leute denken das immer. Diese Verwandtschaftsbeziehung ist sicher auch der Grund, weshalb man mich gefragt hat, das Stück zu inszenieren. Ich habe meinen Großvater allerdings nie persönlich kennengelernt, anders als meine Großmutter Helene Weigel, die ich ganz toll fand. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, dass ich immer wieder nach Brecht gefragt werde. Aber wenn ich an ihn denke, denke ich nicht an Familie. Ich kann auch nicht sagen, dass ich mich als Schauspielerin und Regisseurin in seiner Tradition sehe.

Im Stück soll ein Mädchen sich dem feindlichen Feldführer hingeben, damit die Bewohner ihrer Stadt verschont bleiben. Dieses passive Frauenbild kennt man von Brecht sonst eher nicht...

Brecht beschreibt hier die klassische Opferrolle der Frau. Bis zu seiner „Mutter Courage“ ist es noch ein weiter Weg, in späteren Werken erscheint die Rolle der Frau in einem ganz anderen Licht. In der Zwischenzeit hat Brecht viel gelernt. Zum Glück! Wenn ein 50-Jähriger dieses Stück geschrieben hätte, wäre das schon problematischer.

Über die Opferrolle der Frau wird ja derzeit - Stichwort: Brüderle - öffentlich diskutiert. In Ihrem Blog „Theaterliebe“ werfen Sie der „stern“-Reporterin Laura Himmelreich vor, sich in der Brüderle-Affäre als Pseudomärtyrerin zu stilisieren. Sehen Sie einen Bezug zur Thematik des Stückes „Die Bibel“?

Zur aktuellen Diskussion habe ich im Blog bereits alles gesagt. Nur eins: Ich glaube nicht, dass es Brecht in „Die Bibel“ um Sexismus ging. Herr Brüderle kommt in dem Stück bestimmt nicht vor.

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