Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Universität Hannover forscht nach Urheber des „Trompetenden Putto"
Mehr Welt Kultur Universität Hannover forscht nach Urheber des „Trompetenden Putto"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:25 17.01.2013
Von Daniel Alexander Schacht
„Glücksfall für die Kunst“: Josef Renz und Erich Barke mit „Putto“. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Wann haben Naturwissenschaftler schon die Chance, ihre Leistungskraft gleich über mehrere Disziplinen hinweg an einem Objekt höchst populärer Kunstbegierden zu demonstrieren – und dabei auch noch über dessen Wert zu entscheiden? Kein Wunder, dass Erich Barke, der Präsident der Leibniz Universität, am Mittwoch mit Wohlgefallen neben den Experimentiertisch des altehrwürdigen Kali-Chemie-Hörsaals trat. Denn da ging es um die Präsentation jenes Bildes, das vielleicht vom Wiener Jugendstil-Maler Gustav Klimt stammt. Doch das ist seit dem Wiederauftauchen des Werks umstritten. „Um diesen Streit zu entscheiden, ist wissenschaftliche Hilfe nötig“, sagte Barke, „und die gibt es auch aus Wiener Sicht am besten in Hannover.“

Ist das zu viel des Eigenlobs? Fest steht: Noch nie ist ein Kunstwerk auf so hohem wissenschaftlichem Niveau mit einer solchen Methodenvielfalt untersucht worden. „Das ist ein Glücksfall – für die Kunst und die Wissenschaft“, sagte Franz Renz, Professor für Anorganische Chemie an der Leibniz Universität und Bruder des Kunstrestaurators Josef Renz, der den 25 Jahre verschollenen „Putto“ aufgespürt hatte.

Doch mit welchen Mitteln rückt man einem Werk zu Leibe, das nach rund 125 Jahren viele Spuren von Auflösung und Zerbrechlichkeit aufweist? Da droht die Gefahr, dass man einen Wert gefährdet, den man durch die Fahndung nach der Urheberschaft des Bildes erst festzustellen versucht. „Für uns war klar, dass wir nur zerstörungsfreie Analysen in Betracht kommen“, sagte Robert Lehmann vom Institut für Anorganische Chemie. So wurden Röntgenfluoreszenzverfahren, Spektral-, UV- und Infrarotanalysen vorgenommen. Die Wunstorfer Firma Phoenix hat das Bild einer 3D-Computertomografie unterzogen. Und außer der Leibniz Universität und niedersächsischen Kriminalisten wird auch die Uni Mainz in die Fahndung nach dem Urheber einbezogen. Denn in Mainz steht ein noch neueres Modell des Mösbauer-Spektroskops als in Hannover. Dieses auch in der Weltraumforschung eingesetzte Instrument vermag kleinste Eisenspuren zu identifizieren. Und wie dieses dienen auch die anderen Analysemethoden dazu, die für das Bild verwendeten Materialien zu identifizieren. „Wir spüren noch dem grünen Leuchten des Hintergrunds nach“, erzählt Franz Renz. Wenn da das in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts wegen seiner Giftigkeit verbotene Arsen-Grün als Pigment genutzt wurde, ließe sich das Ursprungswerk genauer datieren – und Farbschichten einer Übermalung nach dem Zweiten Weltkrieg genau unterscheiden.

Doch ist das ein Hinweis auf die Urheberschaft Gustav Klimts – statt auf dessen Bruder Ernst, den der Wiener Klimt-Experte Alfred Weidinger als Urheber des „Trompetenden Putto“ betrachtet? Josef Renz hält sich zurück – und verweist auf den Klimt-Kenner: „Weidinger wird sich das Werk in den nächsten Wochen überhaupt erstmals direkt ansehen.“

Das hannoversche Museum August Kestner zeigt in diesem Jahr seine vielfältigen Sammlerschätze – und thematisiert in einer großen Ausstellung unseren Umgang mit Lebensmitteln.

Simon Benne 16.01.2013

Das erlebt die Justiz selten: Mit dem Urteil des Braunschweiger Landgerichts über Loriot-Zitate sind beide Parteien zufrieden. Die Leser bekommen eine geänderte Biografie des Humoristen.

16.01.2013
Kultur Literarischer Salon - „Mathe ist ein Arschloch“

„Mathe ist ein Arschloch“: Im Literarischen Salon diskutieren Experten über den verbreiteten Rechenfrust.

Daniel Alexander Schacht 16.01.2013