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00:15 25.02.2013
Von Stefan Stosch
Am 24. Februar werden in Los Angeles die Oscars 2013 vergeben. Quelle: dpa
Berlin

Der Auslands-Oscar: Diese Kategorie kennt nur einen Favoriten - Michael Hanekes berührendes Altersdrama „Liebe“. Das Meisterwerk ist ebenso für Drehbuch, Regie, Hauptdarstellerin sowie in der Königskategorie Bester Film nominiert. Noch nie ist eine deutsche Koproduktion - auch Österreich und Frankreich sind beteiligt - so weit ins Herz Hollywoods vorgedrungen. Mit leeren Händen werden die Akademiemitglieder Haneke nicht nach Hause schicken. Schon vor drei Jahren schrammte der Österreicher mit „Das weiße Band“ knapp am Goldjungen vorbei. Die im Durchschnitt ja nicht ganz jungen Akademiemitglieder dürften sich von einem Film angesprochen fühlen, in dem ein altes Ehepaar (Louis Trintignant und Emmanuelle Riva) an die Grenzen seiner Liebe gerät. Oder wie drückte es die 59-jährige Isabelle Huppert aus, die die Tochter spielt? „Jeder wird geboren und jeder stirbt, mit diesen Themen kann also jeder etwas anfangen.“

Bester Film: Tja, da wird es schon komplizierter. Lange galt Steven Spielbergs staatstragendes Historiendrama „Lincoln“ als die naheliegendste Option. Zwölf Nominierungen kann kein anderer Kandidat vorweisen, und Hollywoods kommerziell erfolgreichster Filmemacher wäre einfach mal wieder dran. Andererseits scheinen die Sympathien Ben Affleck und seinem aberwitzigen Thriller „Argo“ über eine Geiselbefreiung aus dem Iran zuzufliegen. Der 40-Jährige stahl Spielberg bereits bei den Golden Globes die Show. Und dann gibt es da noch einen nicht ganz unwichtigen Aspekt: Als Regisseur wurde Affleck bei den Nominierungen glatt übergangen (genauso übrigens wie Kathryn Bigelows Terroristenjagd „Zero Dark Thirty“). Wenn die Akademie Affleck will, dann kriegt sie ihn nur in der Königskategorie.

Bester Regisseur: Steven Spielberg sollte seine Dankesrede bereithalten. Die Entscheidung hätte auch deshalb Charme, weil sich aus dem Historiendrama „Lincoln“ ein Appell an Amerika im Jahr 2013 herauslesen lässt: Schüttet endlich die entsetzlich tiefen Gräben zwischen Republikanern und Demokraten zu und führt die USA aus der Dauerblockade - so wie es die Politiker im Film tun, wenn sie sich nach vielen Tricksereien und Anfeindungen auf den 13. Zusatzartikel in der amerikanischen Verfassung einigen und damit die Sklaverei abschaffen.

Beste Darstellerin: Diesen Titel könnte sich Jessica Chastain sichern. Sie spielt die besessene CIA-Agentin Maya bei der zehnjährigen Jagd auf Osama bin Laden. „Zero Dark Thirty“ von Regisseurin Kathryn Bigelow ist immerhin fünf Mal nominiert, wurde in den USA aber heftig gezaust - wegen seiner angeblich kritiklosen Darstellung der Folter. Die auf Harmonie bedachten Oscar-Juroren dürften bei der Stimmabgabe also zögern, könnten sich aber zumindest auf den rothaarigen Racheengel mit der Alabaster-Haut einigen. Oder wird am Ende ein kleines Wunder geschehen und Emmanuelle Riva („Liebe“) auf die Bühne gebeten, die just am Sonntag ihren 86. Geburtstag feiert? Sie ist damit die älteste Nominierte überhaupt - und könnte Quvenzhané Wallis („Beasts of the Southern Wild“) an die Hand nehmen, die Neunjährige ist der jüngste Kandidat aller Zeiten.

Bester Darsteller: Daniel Day-Lewis als Präsident „Lincoln“ ist quasi gesetzt. Der britische Extrem-Schauspieler hat zwar schon zwei Oscars im Schrank (für „Mein linker Fuß“ und „There will be Blood“), aber die Amerikaner lieben nun mal Akteure, die sich wie ein Chamäleon in ihre Charaktere verwandeln. Day-Lewis scheint verwachsen mit Lincolns schwarzem Gehrock, man spürt die Last der Verantwortung auf seinen Schultern. Er geht in seiner Rolle auf, als sei die Abschaffung der Sklaverei schon immer seine persönliche Sache gewesen. Erst hatte der 55-Jährige die Rolle abgelehnt, dann bat er sich ein Jahr Vorbereitungszeit aus, und schließlich begann er nach eigenen Worten, in seinem inneren Ohr Lincolns Stimme zu hören.

Beste Nebendarstellerin: Anne Hathaway singt die Fantine so traurig auf dem Sterbebett, dass sie die Herzen der Akademiemitglieder erweichen dürfte. Außerdem: In einer wichtigen Kategorie muss das Musical „Les Misérables“ ja auch einen Preis abräumen, und unbezwingbar scheint die Konkurrenz bei den Damen in diesem Jahr nicht zu sein - insofern wären Amy Adams in „The Master“ oder Sally Field in „Lincoln“ auch eine denkbare Alternative.

Bester Nebendarsteller: Hier ist das Feld offen. Manches spricht für Christoph Waltz und seinen Auftritt als kultivierter Kopfgeldjäger in Quentin Tarantinos Western „Django Unchained“. Aber mal ehrlich: So kongenial Waltz diese Rolle auch verkörpert, sie weist doch Ähnlichkeiten mit der in „Inglourious Basterds“ auf - und für den hat Waltz schon einen Oscar bekommen. Origineller wäre eine Entscheidung für Robert De Niro als leicht gestörter Familienvater in „Silver Linings“ (das wäre dann De Niros dritter Oscar) oder, noch besser, für Tommy Lee Jones als radikalen Gegner der Sklaverei in „Lincoln“.

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