Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur "Ulysses" im Radio
Mehr Welt Kultur "Ulysses" im Radio
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 15.06.2012
Von Martina Sulner
Der Schriftsteller James Joyce 1937 in Paris. Sein 1922 erschienener Roman "Ulysses" gehört zu den Hauptwerken der Literatur des 20. Jahrhunderts. Quelle: dpa (Archiv)
Anzeige
Hannover

Das erste Mal begegnete Klaus Buhlert James Joyces Roman „Ulysses“ in den frühen siebziger Jahren. Auf einer Party, erzählt der heute 62-Jährige, habe er den opulenten Roman aus einer Schrankwand gezogen und zu lesen angefangen. „Das hat mich verzaubert“, sagt er.

Zwar hat auch er - wie zahlreiche weitere Neugierige - nur die ersten 50 Seiten des Jahrhundertromans geschafft, doch die Faszination für das Buch blieb. Jetzt hat der Regisseur und Komponist „Ulysses“ als Hörspiel eingerichtet - mit bekannten Schauspielern wie Dietmar Bär, der den Leopold Bloom spricht, mit Birgit Minichmayr (Molly), Josef Bierbichler, Corinna Harfouch und vielen weiteren.

Anzeige

Fast zwei Jahre hat Buhlert an dem 22-stündigen Hörspiel gearbeitet. Der federführende Sender ist der SWR, der Deutschlandfunk (DLF) hat koproduziert. „Es war eine Herkulesaufgabe“, sagt Elisabeth Panknin vom DLF. Die Sender präsentieren ihr Projekt angemessen selbstbewusst: Am 16. Juni, dem sogenannten Bloomsday, an dem der Roman spielt, sendet der SWR von acht Uhr morgens bis um sechs Uhr früh am kommenden Tag das gesamte Hörspiel; beim DLF sind die ersten sieben Kapitel des „Ulysses“ von 20.05 Uhr bis drei Uhr in der Nacht zu hören.

So wie der irische Autor für die 18 Romankapitel einen jeweils eigenen Stil gefunden hat, hat auch Buhlert für die 18 Teile seiner Bearbeitung je ein anderes akustisches Konzept erarbeitet. „Der gesamte Roman“, so Buhlert, „ist sehr musikalisch.“ Vor allem jedoch sei das Buch eines „der größten Abenteuer der Literatur“. Es helfe, sich den Text laut und langsam vorzulesen. Dann begreife man die Handlung besser, die am 16. Juni 1904 in Dublin spielt, wo der Annoncenakquisiteur Bloom die Stadt durchstreift. All die Abschweifungen, Nebenhandlungen und inneren Monologe des Buches „erschließen sich erst, wenn man tatsächlich den ganzen Roman gelesen hat: Dann vernetzen sich die vielen Facetten“.

Elisabeth Panknin glaubt, dass gerade eine Hörversion geeignet sei, Joyce-Neulingen die Angst vor dem „Ulysses“ zu nehmen. Das Hörspiel könne ein „Schlüssel sein, um in dieses hermetische Werk“ einzudringen. Denn dort sei es möglich, zugleich einen inneren Monolog, Pferdegetrappel und Dialogfetzen aus Dublins Straßen zu erleben, weil verschiedene Geräusch- und Tonschichten übereinander gelegt werden.

Ähnlich sieht das Claus-Ulrich Bielefeld, der beim Radio Berlin-Brandenburg (RBB) ebenfalls den „Ulysses“ betreut. Bereits seit einigen Wochen ist dort täglich um 14.30 Uhr der Joyce-Roman zu hören - „werk- und wortgetreu“, so Bielefeld, gelesen von Stars wie Burghart Klaußner, Matthias Brandt, Imogen Kogge und anderen. Diese Lesung dauert insgesamt mehr als 40 Stunden und ist somit fast doppelt so lang wie der SWR-„Ulysses“, der jetzt auch als Hörbuch (Der Hörverlag) erscheint.

Klaus Buhlert hat die Arbeit am „Ulysses“ bei aller Freude richtig Kraft gekostet. „Ich fühle mich“, sagt er, „als sei ich gerade nach einer 8000er-Besteigung ohne Sauerstoffgerät im Basislager angekommen.“

Bereits am Dienstag feiert Hannover den Bloomsday: Heiko Postma stellt um 19.30 Uhr im Literaturhaus, Sophienstraße 2, das Aiolos-Kapitel aus „Ulysses“ vor.

Rainer Wagner 14.06.2012
Kultur Theaterformen in Braunschweig. - „The Yellow Line“ feiert Premiere
Stefan Arndt 11.06.2012
11.06.2012