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Kultur Über den Nanas
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18:59 14.07.2013
Gruppenbild mit Nana – und OB-Kandidat. Finden Sie ihn? Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Hubsteiger heißt das Ungetüm. Das ist keine neuartige interaktive Skulptur, sondern ein grandioses technisches Gefährt, mit denen sich die Besucher, die sich am Sonnabend zur Auftaktveranstaltung von „Kunst umgehen“ am Leibnizufer einfanden, auf recht komfortable Weise den Nanas nähern konnten: Sie wurden nämlich - in einer Art Korb stehend, gehalten von einem schwenk- und hebbaren Arm - über Hannovers beliebtestes Wahrzeichen gehoben und sahen somit das voluminöse Damentrio nicht nur von oben, sondern auf dem Weg dahin auch auf Busenhöhe.

Reizvolle Augenblicke dank eines gemieteten Hubsteigers. Aber auch dank des städtischen Kulturamtes als Auftraggeber und dreier Initiatoren, die in der hannoverschen Kulturszene keine Unbekannten sind: Anna Grunemann und Christiane Oppermann, beide Künstlerinnen, aber auch leidenschaftliche Kunstvermittlerinnen, und der Kulturwissenschaftler Thomas Kaestle, der sich zur Gestaltung öffentlicher Räume regelmäßig und kenntnisreich zu Wort meldet.

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Ein fast vierstündiges Programm hatten die ideenreichen drei aufgeboten, um auf das hinzuweisen, was „Kunst umgehen“ bei Wind und Wetter bis in den Dezember hinein bietet: Führungen für Singles und für Hundebesitzer beispielsweise, aber auch „Ein Bisschen Kunst“ für die Ü-60-Generation oder ein Guerillapicknick. Was man sich darunter vorstellen soll? Am besten beim ersten Picknick vorbeischauen: am 17. August vor dem Neuen Rathaus. Wichtig ist, dass für alle Formate feste Termine vorgesehen sind, alle Angebote aber auch individuell gebucht werden können.

Bürgermeisterin Regine Kramarek, als diplomierte Designerin Fachfrau fürs qualitätvolle Gestalten, lobte eingangs das „verrückte Format“ dieser charmanten Offensive für die Kunst im öffentlichen Raum. Danach folgten einige Kostproben. Darunter eine 30-minütige Führung, die sieben Objekte aus fast einem halben Jahrhundert umfasste: von Hermann Scheuernstuhls bronzenem „Mann mit Pferd“ von 1957 bis zu der Lichtinstallation mit dem Zitat von Gottfried Wilhelm Leibniz, das der Konzeptkünstler Joseph Kossuth im Expojahr 2000 am Historischen Museum angebracht hat. Hier gesellte sich noch ein Wissenschaftler ins Programm: Michael Kempe, Geschichtsprofessor und Leiter der Leibniz-Forschungsstelle der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, der recht unakademisch über den von 1698 an in Hannover lebenden Aufklärer fachsimpelte. Eines von Leibniz’ wichtigsten Anliegen sei gewesen, dass alles eine „Frage der Perspektive“ sei. Passt. Mit diesem Impetus treten auch Grunemann, Oppermann und Kaestle an, sie wollen „mit unterschiedlichsten Blickwinkeln“ die „Kunst umgehen“. Und neugierig werden.

Zum Ausklang der Open-Air-Veranstaltung plauderte Teestuben-Wirt Günther Bohnecke vom erfolgreichen „Tauziehen an der Leine“ im März 1974, zu dem die „Freunde der Nanas“ (erstes und zunächst einziges Mitglied: Bohnecke) deren Gegner eingeladen hatten. Wenige Wochen zuvor waren die drei Nana-Figuren im Zuge des 1970 vom Rat der Stadt gebilligten und vom damaligen Kunstvereinschef Manfred de la Motte inspirierten Projekts „Experiment Straßenkunst“ aufgestellt worden. Die Folge waren über Wochen andauernde Hasstiraden gegen die knackfröhlichen Ladys von Niki de Saint Phalle. Mit dem Einsatz eines Hubsteigers wäre der Kunstskandal womöglich zu vermeiden gewesen.

Das vollständige Programm liegt in allen Kultur-, Freizeit- und Bildungseinrichtungen der Stadt aus. Es ist außerdem auf der Webseite der Stadt zu finden.Wer Angebote als geschlossene Gruppe buchen möchte, meldet sich bei Frithjof Peters im Kulturamt: (05 11) 16 84 40 42.

Alexandra Glanz

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