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Kultur Drei Bilder, ein Rekord
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00:16 15.11.2013
Von Johanna Di Blasi
Für den Preis von 142,4 Millionen Dollar ist das Triptychon "Three Studies of Lucian Freud" von Francis Bacon versteigert worden. Quelle: dpa
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Triptychen waren ursprünglich Altarwerke. Mit dem Dienstagabend im Auktionshaus Christie’s in New York erzielten Auktionsweltrekord von 142,4 Millionen Dollar für Francis Bacons Triptychon „Drei Studien von Lucian Freud“ wurde das dreiteilige Bildwerk jetzt wie auf einen Altar gehoben. Es ist das teuerste Kunstwerk, das bislang in einer Auktion gehandelt wurde. Nach Angaben des Auktionshauses sicherte sich ein anonymer Käufer das zwei Meter hohe und mehr als vier Meter breite Werk des 1909 in Dublin geborenen und 1992 in Madrid gestorbenen Künstlers.

„Drei Studien von Lucian Freud“ aus dem Jahr 1969 weist den für Bacon charakteristischen Bildaufbau von Figur vor monochromem Hintergrund auf. Dargestellt ist in verzerrter Form der vor zwei Jahren gestorbene Künstler Lucian Freud. Der Enkel des weltberühmten Psychoanalytikers Sigmund Freud war eng mit Bacon befreundet und selbst ein Stars der gegenständlichen Malerei und Millionenverdiener. Beide Künstler lebten in London und malten sich wiederholt gegenseitig.

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Christie’s nennt das jetzt gehandelte Triptychon „eine der wichtigsten und interessantesten Arbeiten Francis Bacons“. Die Tafeln der dreiteiligen Arbeit seien in der Vergangenheit getrennt gewesen und erst kürzlich wiedervereint worden. Das Werk sei noch nie auf einer Auktion gehandelt worden, jedoch schon öfter ausgestellt gewesen, unter anderem in der Kunsthalle Düsseldorf.

Rund 140 Millionen Dollar für ein Werk von Francis Bacon auszugeben, ist in den Augen des Schweizer Kunstmarktexperten und Verhaltensökonomikers Bruno S. Frey (Universität Zürich) „keine rationale Entscheidung“. Gespeist seien solche Kaufaktionen „vom Verlangen, Geld anzulegen und dem Glauben, dass nachher diese Kunstwerke mehr wert sind.“ Eine detaillierte Analyse von Auktionsergebnissen seit 1630, die Frey durchgeführt hat, habe allerdings gezeigt, dass das meistens nicht der Fall sei.

„Ich wäre sehr erstaunt, wenn das Bacon-Triptychon später zu einem wesentlich höheren Preis verkauft werden könnte“, sagte der Ökonomieprofessor auf Anfrage. Im Großen und Ganzen lohne sich auktionierte Kunst finanziell nicht. „Mich erstaunt es, dass jemand so viel Geld für ein Triptychon von Francis Bacon ausgibt. Mir tut der Mensch leid“, sagt Frey.

(Die Berliner Kunstmarktkennerin und Autorin Harriet Häußler (Freie Universität Berlin) meint, dass die Kunstmarktpreise noch sehr viel höher steigen könnten. „Nach oben hin scheint es keine Begrenzung zu geben“. Über die besondere Attraktivität des jetzt versteigerten Bacon-Werks sagt Häußler, dass es verglichen mit brutalen, fleischiges Werken des Künstlers ein vergleichsweise „ästhetisches Bild“ sei. Attraktiv sei zudem die „doppelte Heldenverehrung“, da ein Star einen Star dargestellt habe.

Kunst für mehr als 100 Millionen Euro können sich nur wenige Sammler auf der Welt leisten. Potenzielle Abnehmer könnten nach Häußlers Ansicht der amerikanische Hedgefonds-Manager Steven A. Cohen sein, Scheich Hamad al-Thani oder Carlos Slim, der gegenwärtig reichste Mann der Welt. Vielleicht auch Viktor Pintschuk aus der Ukraine. Roman Abramovic aber eher nicht, denn dieser habe zuletzt große Verluste erlitten.)

Bacon löst mit dem jetzigen Weltrekord Edvard Munch ab. Eine Version von Munchs existenzialistischem „Schrei“ war vor eineinhalb Jahren bei Sotheby’s in New York für 119,9 Millionen Euro versteigert worden. Privatverkäufe soll es jedoch auch schon zu wesentlich höheren Preisen gegeben haben. Die Auktion am Dienstagabend in New York sei mit knapp 700 Millionen Dollar die bislang Ertragreichste des Hauses gewesen, meldet Christie’s.

Bei den teuersten lebenden Malern wurde an diesem Abend der deutsche Künstler Gerhard Richter durch Jeff Koons abgelöst. Dessen orangefarbener Pudel „Balloon Dog“ erzielte 58,4 Millionen Dollar. Der Schätzwert hatte bei 35 bis 55 Millionen Dollar gelegen.

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