Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Trauer um Lord Ralf Dahrendorf
Mehr Welt Kultur Trauer um Lord Ralf Dahrendorf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:45 18.06.2009
Der Soziologe und Publizist Lord Ralf Dahrendorf ist im Alter von 80 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben. Quelle: Roland Magunia/ddp

Bundespräsident Horst Köhler sagte, der Soziologe habe „mit seinem klaren Blick für die Chancen und Gefahren der Freiheit Generationen politisch denken gelehrt“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte, Dahrendorfs Lebensweg stehe beispielhaft für die Verbindung von Wissenschaft und Politik. Die FDP trauerte um einen „liberalen Weltbürger“.

Dahrendorf lebte in London und Köln, in Baden-Württemberg hatte er ein Feriendomizil. Der „Badischen Zeitung“ zufolge hatte er seinen 80. Geburtstag Anfang Mai, bereits von schwerer Krankheit gezeichnet, inmitten akademischer Freunde in Oxford verbracht. Mit namhaften Denkern wie Jürgen Habermas, Fritz Stern, Antony Giddens, Timothy Gordon Ash und anderen habe er dort über das Thema Freiheit diskutiert.

Der Krebs habe ihm zunehmend die Kraft genommen, dies habe er durch Willen zu kompensieren vermocht, resümierte Thomas Hauser, der Chefredakteur der „Badischen Zeitung“ in einem Nachruf. Der Zeitung zufolge, für die Dahrendorf als Ratgeber und Leitartikler tätig war, findet die Beerdigung voraussichtlich in London statt. Ort und Termin stünden noch nicht fest.

Auch das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB), wo Dahrendorf seit 2005 als Forschungsprofessor für „Soziale und politische Theorie“ arbeitete, trauert um den Soziologen. „Sein Engagement, seine Weisheit und seinen feinen Sinn für Humor wird das WZB schmerzlich vermissen“, heißt es einer Stellungnahme. Dahrendorf war zudem Vorsitzender der Zukunftskommission „Nordrhein-Westfalen 2025“, die ihren Abschlussbericht im April nach einjähriger Arbeit vorlegte.

Köhler betonte in einem Kondolenzschreiben, Dahrendorf habe über Jahrzehnte den wissenschaftlichen und politischen Diskurs in Deutschland und Europa mitgeprägt und bereichert. „Dabei verband er auf unverwechselbare Weise analytische Kraft, ideengeschichtliches Wissen und Wirklichkeitssinn.“

Merkel sagte, mit Dahrendorf verliere Deutschland einen seiner bedeutendsten Gesellschaftswissenschaftler. Er habe nicht nur wissenschaftlich gearbeitet, sondern in vielfältigen politischen Funktionen selbst Verantwortung für das Zusammenwachsen Europas übernommen.

Auch FDP-Chef Guido Westerwelle sagte, „wir verlieren mit Lord Ralf Dahrendorf einen liberalen Weltbürger und einen der ganz großen Intellektuellen Europas“. Der Vorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung, Wolfgang Gerhardt, sagte: „Wir haben einen großartigen, brillanten Menschen zu betrauern.“

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering würdigte den Verstorbenen als „unermüdlichen Modernisierer“ und „herausragenden liberalen Denker“. Die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Fritz Kuhn bezeichneten Dahrendorf als einen „großen Europäer“, der Freiheit emotional und intellektuell - aber niemals ideologisch verstanden habe.
Der 1929 in Hamburg geborene Dahrendorf galt als einer der wichtigsten Vertreter einer liberalen Gesellschafts- und Staatstheorie. Er prägte die deutschen Nachkriegssoziologie maßgeblich mit und hatte zahlreiche wissenschaftliche und politische Ämter inne.

ddp

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht in diesem Jahr an den italienischen Kulturpublizisten und Germanisten Claudio Magris. Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Mittwoch in Berlin bekannt.

18.06.2009

Der US-Saxophonist Charlie Mariano ist tot. Der Musiker starb am Dienstag in seiner Wahlheimat Köln mit 85 Jahren an Krebs, wie die Plattenfirma BHM mitteilte.

16.06.2009

Für ihre literarische Aufarbeitung von Erfahrungen in der DDR sind die ostdeutschen Schriftsteller Erich Loest, Monika Maron und Uwe Tellkamp am Dienstag in Weimar mit dem Deutschen Nationalpreis 2009 geehrt worden.

16.06.2009