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Kultur Theaterkritiker Henning Rischbieter ist tot
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00:15 25.05.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Henning Rischbieter, Theaterkritiker und Gründer der Zeitschrift „Theater heute“ ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Quelle: Burkert (Archiv)
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Hannover

 Im letzten Kapitel seines Buches „Schreiben, Knappwurst, abends Gäste“ (das als Fortsetzungsroman in der Hannoverschen Zeitung erschien) schrieb der Theaterkritiker Henning Rischbieter: „Jetzt, mit fast zweiundachtzig Jahren, gegen Ende meines Lebens – bin ich glücklich? Ich lebe in sorgsam geregelter Weise, stehe um acht Uhr auf, manchmal auch erst um neun und nicht mehr ganz so ruck, zuck wie früher, aber doch ohne unentschlossenes Zögern. Der Tag beginnt mit Schwimmen, sommers im (geheizten) Freibad nahebei, winters im Hallenbad. Ich schwimme immer die gleichen Strecken, Brust hin, Rücken zurück. Ich entbehre das am Morgen ungern. Rückenschwimmen ist kontemplativer, der Himmel über mir sortiert die Gedanken.“ Und wenig später, ganz am Ende des Buches schrieb er: „Vor die Zumutung, sterben zu müssen, schiebe ich eine Blende, auf der steht: „Ich habe gut gelebt, also kann ich auch gut sterben.“

Nun ist Henning Rischbieter gestorben. Am Mittwoch erlag er den Folgen eines Schwächeanfalls beim Schwimmen. Er konnte noch vom Grund des Schwimmbeckens gerettet und wiederbelebt werden und starb an den Folgen des Unfalls wenige Tage später im Krankenhaus.

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Rischbieter war einer der bedeutendsten Theaterkritiker der Nachkriegszeit.1960 gründete er in Hannover die Zeitschrift „Theater heute“, für die er viele Jahre Kritiken verfasste. Er schrieb klar und klug, fast ein bisschen kühl, ohne Verzierungen und unbelastet von Originalitätszwang. Er musste keine Witzchen machen, denn er hatte etwas zu sagen über Kunst und Theater.

In ihren Anfangsjahren war die Zeitschrift „Theater heute“ das Organ derer, die sich für ein neues, mutiges, auch engagiertes Theater einsetzten. Das war Rischbieter wichtig. Er suchte nach dem Neuen und nach dem Utopischen. Er war Pädagoge und Sozialdemokrat, die Verbesserung des Menschen durch Kultur war sein Anliegen. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte in Göttingen kehrte er Anfang der fünfziger Jahre in seine Heimatstadt Hannover zurück, wo er zuerst als Lehrer und dann als Geschäftsführer der Volksbühne tätig war. 1977 wurde er Professor für Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin, danach kam er eher besuchsweise (das aber regelmäßig) nach Hannover.

Als junger Soldat hat Henning Rischbieter im Zweiten Weltkrieg gekämpft; kurz vor Ende des Krieges traf ein Granatsplitter seinen linken Arm. Erst sah es nur nach einer kleinen Verwundung aus, dann aber hat der Splitter eine Ader aufgerissen. Er hat viel Blut verloren, der Arm musste amputiert werden.

In seinen Lebenserinnerungen beschreibt er, wie er den Verlust des Arms als Preis angesehen hat. Als Preis, den er zu zahlen hatte, als Quittung für seine Mitläuferei. Rischbieter schreibt das in klarer, einfacher, eindringlicher Sprache. Seine Autobiografie ist kein Rechenschaftsbericht. Es ist ein Zeitbericht. Der Autor sagt, wie es war: das Leben, das Theater, alles. Sein Stil ist gerade, nüchtern, fast nachrichtlich präzise. Er ist ein gebildeter, genauer Kritiker des Lebenstheaters. Und ein genauer Beobachter seiner selbst.

Am Ende seines Lebensberichts steht auch: „Ich habe, denke ich, was zustande gebracht.“ Das sehen auch andere so. Anfang des Jahres hat das deutsche Zentrum des International Theatre Institute entschieden, seinen Preis zum Welttheatertag, der am 27. März gefeiert wurde, in diesem Jahr an Henning Rischbieter zu verleihen.

Wann und wo der Preis an Rischbieter verliehen wird, sollte noch bekannt geben werden. Nun muss der Preis posthum vergeben werden.

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