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Kultur „The Yellow Line“ feiert Premiere
Mehr Welt Kultur „The Yellow Line“ feiert Premiere
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18:19 11.06.2012
Von Stefan Arndt
Bis hierhin und nicht weiter: Paul (Goran Bogdan, Mitte) in der Identitätskrise. Quelle: Bratoš
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Braunschweig

Manchmal verschwinden die Grenzen zwischen Ausnahmezustand und Alltag. Eben noch hat die Uraufführung von „Yellow Line“, einem gemeinsamen Stück von Juli Zeh und Charlotte Roos, den Schlusspunkt des Festivals Theaterformen gesetzt. Jetzt gehört die Produktion zum gewöhnlichen Spielplan des Staatstheaters Braunschweig. Bereits in der zweiten Spielzeit pflegt man dort einen künstlerischen Austausch mit dem kroatischen Theater ZKM in Zagreb. „Achtung Pioniere“ heißt das bilaterale Projekt, mit dem auch Mittel der Bundeskulturstiftung nach Braunschweig fließen. Dass die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit inzwischen keinen Vergleich zu scheuen brauchen, war bei den Theaterformen gleich zweimal zu sehen.

Erst sorgte dort das Stück „Landscape with the Fall“ für Furore, nun bescherte „The Yellow Line“ dem Festival einen späten Höhepunkt. „Landscape with the Fall“ ist das Stück eines kroatischen Autors, das von dem deutschen Ensemble auf die Bühne gebracht wurde. Bei the „Yellow Line“ war es umgekehrt. So kam es, dass die Premiere eines neuen Stückes der beiden jungen deutschen Erfolgsautorinnen übertitelt werden musste - gesprochen wurde überwiegend kroatisch.

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Dem Verständnis tat das in der klaren, gut strukturierten Inszenierung von Ivica Buljan keinen Abbruch. Dabei ist das Stück kompliziert genug. Es ist eine Variante von Sartres existenzialistischem Schlüsselroman „Der Ekel“. Bei Zeh und Roos ist die Hauptfigur Paul zwar nicht vom Leben angewidert, wohl aber von den vorbestimmten Bahnen, in denen es verläuft. Im All-inclusive-Pauschalurlaub platzt Paul schließlich der Kragen - er macht nicht mehr mit. Dass ihm das Verhalten seiner Mitmenschen wie das von Milchkühen in Massentierhaltung erscheint, bringt ihn schließlich auf den Gedanken eines Befreiungsschlags: Er entführt die Kuh Yvonne, die es im vergangenem Sommer zu medialer Berühmtheit gebracht hat, und will sie im freiheitsdurstigen Nordafrika sich selbst überlassen. Allerdings misslingt der Plan, die Kuh stürzt ins Meer, zerstört das Boot eines libyschen Fischers - und stößt damit eine neue Geschichte an, die sich vorlaut in die alte einmischt. Stück und Inszenierung balancieren dabei auf der Grenze zur Groteske, werden aber nie albern. So ist der Abend gleichzeitig verrückt und bedenkenswert. Eine festspielreife Leistung. Jetzt auch im normalen Theater.

Noch einmal am 16. und 18. Juni im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig. Kartentelefon: (0531) 1234567.

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