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Kultur Taylor Swift meldet sich zurück - So ist das neue Album “Lover”
Mehr Welt Kultur Taylor Swift meldet sich zurück - So ist das neue Album “Lover”
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20:27 17.09.2019
Ein Album für die Menschenliebe: Taylor Swift, hier beim Prime Day-Konzert von Amazon Music im Hammerstein Ballroom in New York City, tritt auf "Lover" auch für die Rechte der LGBTQ-Gemeinde ein. Quelle: Evan Agostini/Invision/AP/dpa

Diese Popprinzessin war noch nie eine, die piekfein war und jede Erbse unter sich bejammerte oder eine, die sich die böse Welt in plüschiges Rosarot umfärbte. Taylor Swift wuchs schließlich in der rauen Industriestadt Reading in Pennsylvania auf, am Nordrand des Rustbelts, wo die US-Brezeln gebacken werden und wo die gebeutelten Leute ihr Herz auf der Zunge tragen. Taylor Swift liebt die Auseinandersetzung. Stress mit Stalkern, Fehden mit Ex-Geliebten oder mit Berufskollegen wie Kanye West oder Katy Perry. Alle Streitigkeiten wurden stets in den Medien und der Musik ausgebreitet. Eine Kämpfernatur. Die gegen einen übergriffigen Radiomann vor Gericht zog (und siegte) als die #MeToo-Debatte noch darauf wartete, losgetreten zu werden.

Das "Lover"-Cover ist in Rosarot und Babyblau gehalten - doch der Schein trügt

Swifts neues Album heißt nun ganz freundlich „Lover“ – eine Platte mit 18 Tracks, mit rosaroten Wolken und babyblauem Himmel auf dem Cover und der blonden Taylor, die ein Glitzerherzchen ums rechte Auge trägt. Waltet jetzt also uneingeschränkt die Himmelsmacht Liebe in den Liedern der 29-Jährigen, die frühere ihrer Alben affirmativ „Fearless“ nannte, „Reputation“ oder „Speak Now“?

Ja und nein. Los geht es mit dem munteren Dancetrack „I Forgot That You Existed“? In dem Swift fröhlich singt, dass sie lange nicht von dem Ex-Liebsten weggekommen sei, und dass sie ihn dann – magischerweise (und natürlich paradox) – über Nacht einfach vergessen habe samt seiner ganzen Liebeslektionen und Ratschläge. Danach sei es doch viel „netter, friedlicher und ruhiger“ geworden, resümiert Swift. Am Ende des Lieds lacht sie kurz, um sich im folgenden „Cruel Summer“ (noch so ein sofort im Kopf sich verankernder Popsong) mühsam aus den Armen eines rücksichtslosen Geliebten zu kämpfen. Fazit: Die grundsätzliche Liebe zu sich selbst ist die Wichtigste im Leben.

"London Boy" ist eine Ode an Swifts Freund Joe Alwyn

Freilich gibt es auch klare Oden an die Zweisamkeit: „It’s Nice to Have A Friend“ etwa, eine Ballade mit karibischen Steeldrums und Bläsern. Oder „London Boy“, das ihrem derzeitigen britischen Freund, dem Schauspieler Joe Alwyn, gewidmet ist, und in dem sie zugleich noch ihre Liebe zu Whiskey aus Tennessee und Bruce Springsteen bekundet. Oder den fröhlichen Marsch „Me!“, den sie mit Brendon Urie von Panic! At The Disco singt. Oder eben den Titelsong - „Lover“.

Der mit seinem stark akzentuiertem Schlagzeug und viel Hall auf der Stimme wie ein Geschenk aus den frühen Sechzigerjahren klingt – ein Retrostück, das bezeugt, dass Swift ihre Herkunft von Country nicht vergessen hat. Was auch für das zur Akustikgitarre gespielte „Soon You’ll Get Better“ mit den Dixie Chicks gilt. Dickie Chicks? Emily Robison, Martie Maguire und Natalie Maines sind Amerikas bis heute erfolgreichste Frauenband (13 Grammys, 30,5 Millionen verkaufte Alben), die sich in den Nullerjahren nicht nur mit dem Nashville-Establishment sondern auch mit dem republikanischen Guantanamo-Präsidenten George W. Bush anlegten, und die vor Kurzem ihr erstes Studioalbum seit 2006 ankündigten.

Rosarot und Babylau: Das Cover des Albums "Lover" der US-Sängerin Taylor Swift (undatierte Aufnahme). Das Album erscheint am 23.08.2019. Quelle: Republic Records/Universal Music

Ob sich das gemeinsam gesungene „Bald geht’s dir besser“ auf eine nahe Zukunft mit einem kompetenteren First Man als dem gegenwärtigen bezieht? Swift meldet sich auf "Lover" politisch wie nie zu Wort. Mit dem elektronischen „You Need to Calm Down“ tritt sie für freie Sexualität und Freiheit der Identitätswahl ein, holt im Video populäre LGBTQ-Leute wie „Modern Family“-Star Jesse Tyler Ferguson oder TV-Moderatorin Ellen DeGeneres für die gute Sache der Gleichberechtigung vor die Kamera und spricht sich zum Ende des Clips hin in einer witzigen Pommespackung-tanzt-mit-Burger-Szene mit der lange angefeindeten Katy Perry (Burger) für Versöhnung statt Spaltung aus. Im halb gerappten „Miss Americana & The Heartbreak Prince“ singt sie dann vom amerikanischen Niedergang, der Städte wie Reading betrifft, kann das großartige Amerika Trumps nicht erkennen, nur Leerstellen: „Wo sind die weisen Männer? Ich habe Angst, Liebling!“

Und in „The Man“ stellt sie sich dann vor, wie es wäre, selbst ein Mann zu sein. „Ich wäre ein Alphatyp, ein furchtloser Anführer“ singt sie. Understatement. Eine Frau mit 120 Millionen Instagram-Fans ist eine nicht zu unterschätzende Anführerin. Wie furchtlos sie inzwischen ist, zeigte sie im Vorjahr 2018, als sie die Senatskandidatin in ihrer Wahlheimat Tennessee, Marsha Blackburn, wegen homophober Äußerungen attackierte. Trump mochte ihre Musik per Tweet danach um 25 Prozent weniger. Geschadet hat Swift das nicht.

"Lover" birgt Pop zum Mögen - in vielen Stilen

„Lover“ ist bis zum Motownbeat von „Paper Rings“ ein Mainstreamalbum. Pop zum Mögen, Pop, der dabei so viele Sounds einbezieht, dass man ihn nicht gleich wieder langweilig findet wie viele der aktuellen Alben, die im Grunde nur nach einer Idee in Varianten klingen. „All’s well that ends well“ singt eine erwachsene Swift, Shakespeare zitierend, in „Lover“. „Ende gut, alles gut“ - so kann sie das beruflich wie privat sehen. Wobei ein politisches gutes Ende noch fehlt und nach dem Album immer vor dem Album ist.

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Von Matthias Halbig/RND

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