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Kultur Tanz übers Glück
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18:27 03.09.2012
Von Ronald Meyer-Arlt
Der Mund tanzt mit im „GlückStück“.Bolesch
Der Mund tanzt mit im „GlückStück“. Quelle: Bolesch
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Hannover

Zuviel Glück tut weh. All das Grinsen, all das Hüpfen, all das Arme hochwerfen. Man kann das kurz mal machen, aber doch keine kleine Ewigkeit. Glück kann kein Dauerzustand sein. Denn bald schon beginnt das eingefrorene Lächeln zu schmerzen.

Vom Schmerz des Glücks erzählt die Choreografin Helena Waldmann in ihrem „GlückStück“. Drei Tänzer und eine Tänzerin treten im zeltartigen Bühnenrund im Ballhof auf. Ein Showtreppchen gibt es auch, das zu einem Podestchen führt, auf dem sich später der sehr gelenkige Moo Kim zu einer Rocknummer schüttelt. Ein Glück, dass er nicht von der winzigen Plattform herunterfällt. Glück hatte auch Brit Rodemund (die von einer Kritikerjury zur Tänzerin des Jahres 2011 gekürt wurde), dass sie ausgestreckt auf dem Boden liegend nicht von ihrem wild herumkapriolenden Kollegen Tobias M. Draeger getroffen wurde. Schon recht: Waldmann setzt sich eben mit verschiedenen Facetten des Glücks auseinander.

Der Soundtrack zum „GlückStück“ ist - wie sollte es anders sein - alles andere als traurig. Da wird munter gepfiffen und schwungvoll mit den Fingern geschnippt. Rumbaklänge, Swing und Rock sind zu hören, und immer treiben die Tänzer den Tanz bis an die Schmerzgrenze. Das Zirzensische ist hier wichtig, das Spiel mit strahlenden Ankündigungen und die Artistik mit zusammengebissenen Zähnen.

Und manchmal kann man auch ganz blöd vor Glück werden. Die Tänzer zeigen das, wenn sie eine witzige Mundchoreografie aufführen. Um den Tod, der in der Glücksshow schon die ganze Zeit über anwesend war, geht’s am Ende explizit. Eine Schrifteinblendung gibt Anweisungen zum Selbstmord. Nur wer mit diesem Thema noch nie konfrontiert wurde, mag das vielleicht unterhaltsam finden.

Heute bei Tanztheater International: „Monchichi“ von Sébastien Ramirez und Hyun-Jung Wang um 20 Uhr, Ballhof Eins.

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