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Kultur Symposium beschäftigt sich mit Extremereignissen
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00:15 14.02.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Bild der Verwüstung: Der indonesische Küstenort Banda Aceh nach dem Tsunami am 27. Dezember 2004. Quelle: dpa
Hannover

Frau Professor Feudel, Sie beschäftigen sich mit Extremereignissen und ihrer Vorhersagbarkeit. Warum sind Extremereignisse nur schwer vorherzusagen?

Extremereignisse gibt es in ganz unterschiedlichen Gebieten: In der Meteorologie wären es zum Beispiel Starkregenfälle oder schwere Stürme, in der Medizin wären es epileptische Anfälle, in der Ozeanografie und Geophysik wären es Tsunamis, und in technischen Systemen würden zum Beispiel die plötzlichen Explosionen von Batterien zu den Extremereignissen gehören. All diese Phänomene sind im Moment noch relativ wenig verstanden - insbesondere im Hinblick auf die Mechanismen ihrer Entstehung. Eine wichtige Frage ist auch, geeignete Vorboten zu identifizieren, die eine Vorhersage erleichtern.

Warum sind Extremereignisse so schwer vorherzusagen: Weil bei ihnen so viel auf einmal geschieht, oder weil sie so selten sind?

Weil sie so selten sind. Über Extremereignisse gibt es in der Regel nur wenig Daten, auf deren Basis man Modelle zu ihrer Vorhersage entwickeln kann.

Für Wetterereignisse gibt es doch viele Daten. Da scheint das Problem eher in der Rechnerkapazität zu liegen, die man für die Verarbeitung der Daten benötigt.

Das gilt nur für den normalen Wetterablauf. Wenn es aber zum Beispiel darum geht, Starkregenfälle zu untersuchen, dann dünnt sich die Datenbasis stark aus. Andere Beispiele: Wir haben nur einige wenige orkanartige Stürme im Jahr. Das sind statistisch gesehen keine großen Zahlen. Auch extrem hohe Wellen im Ozean, oft als Monsterwellen bezeichnet, entstehen scheinbar aus dem Nichts und verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Früher wurden solche Schilderungen als Seemannsgarn abgetan, erst seit relativ kurzer Zeit kann man sie tatsächlich in Fernerkundungsdaten beobachten.

Sind Extremereignisse isoliert, oder hängen sie mit anderen Ereignissen immer so zusammen, dass man über deren Beobachtung auch Extremereignisse vorhersagen könnte? In der Klimaforschung arbeitet man ja mit „Tipping-Points“, die Entwicklungen unumkehrbar machen.

Das ist eine der Hauptfragen, mit denen wir uns auf der Konferenz in Herrenhausen befassen werden. Was sind eigentlich die Triggermechanismen für Extremereignisse? Wie kommt es dazu, dass sich solch ein Ereignis ausbildet? Ein Beispiel aus unserer Forschung: Wir untersuchen bestimmte Arten von Plankton, die plötzlich erstaunlich wachsen und irgendwann die gesamte ökologische Gemeinschaft zum Beispiel in einem See dominieren. Manche dieser Arten sind gesundheitsschädigend. Wir fragen, unter welchen Umweltbedingungen es zu diesem explosionsartigen Wachstum kommt.

Unterschiedliche Disziplinen befassen sich mit Extremereignissen: Mathematiker, Geowissenschaftler, Physiker, Informatiker und auch Biologen wie Sie. Wer sind dabei die wichtigsten Personen: die Mathematiker?

Extremereignisse sind so komplex, dass eine Disziplin allein das Thema ohnehin nicht stemmen kann. Um die Mechanismen von Extremereignissen verstehen zu können, müssen unterschiedliche Disziplinen zusammenarbeiten, schließlich geht es hier meist um die Wechselwirkung ganz unterschiedlicher Phänomene wie zum Beispiel bei Tsunamis, wo Prozesse in der Erdkruste und die Wellenausbreitung im Ozean zusammenspielen.

Wer ist an der Vorhersagbarkeit von Extremereignissen besonders interessiert? Rückversicherer?

Ja, natürlich die Rückversicherer. Aber das Thema geht auch jeden Einzelnen etwas an. Wetterereignisse betreffen uns alle. Menschen, die in der Nähe von Küsten wohnen - und das ist ein sehr großer Teil der Weltbevölkerung - sind zum Beispiel besonders daran interessiert, rechtzeitig zu erfahren, ob Sturmfluten oder ein Tsunami zu erwarten sind.

Interview: Ronald Meyer-Arlt

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