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Kultur Studentin aus Hannover wird Zweite bei Cliburn-Klavierwettbewerb
Mehr Welt Kultur Studentin aus Hannover wird Zweite bei Cliburn-Klavierwettbewerb
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09:46 10.06.2009
Von Stefan Arndt
Yeol Eum Son erspielte sich beim Cliburn Wettbewerb den zweiten Platz. Quelle: Van Cliburn Foundation

Zweimal täglich ist die neue Bass Performance Hall, die sich mit ihren Trompeten engeln an der Fassade, mit ihren Logen und Deckengemälden wie ein Imitat des alten Wiens zwischen den Hochhäusern der Downtown ausnimmt, komplett ausverkauft: Mehr als 4000 Zuschauer wollen den Wettbewerb Tag für Tag verfolgen. Und Hannover, of course, das ist die Stadt, in der so auffällig viele der jungen Musiker ausgebildet werden. Nach einem aufwendigen Bewerbungsverfahren konnten sich mehr als 150 Pianisten in einem der Auswahlvorspiele in Schanghai oder St. Petersburg, in New York oder Lugano bewähren.

Auch Hannover war im Februar Schauplatz einer solchen „Screening audition“. Am Ende konnte die Jury 30 Kandidaten zum eigentlichen Wettbewerb nach Texas einladen. Vier von ihnen studieren zurzeit an der Hochschule für Musik und Theater Hannover – nur die New Yorker Juilliard School stellte noch zwei Bewerber mehr. Zu Beginn des Finales war dieser Vorsprung jedoch schon aufgebraucht: Nach einem Soloprogramm und einem Kammermusikabend standen die sechs Teilnehmer für die Endrunde fest. Der einzige deutsche Teilnehmer, Michail Lifits (der natürlich in Hannover studiert), schied im Halbfinale aus. Die Hochschulen in Hannover und New York blieben mit je einem Kandidaten im Rennen – ein Preis sollte am Ende aber nur nach Hannover gehen.

Die elfköpfige Jury um den legendären Menahem Pressler, den Gründer und Pianisten des Beaux Arts Trio, hat in diesem Jahr eine außergewöhnliche Finalistengruppe zusammengestellt. Neben den Chinesen Haochen Zhang und Di Wu, der Italienerin Mariangela Vacatello und der Koreanerin Yeol Eum Son, die eindrucksvoll den hohen Standard der Klavierstars von morgen unter Beweis stellten, waren auch zwei ausgeprägte Individualisten dabei. Mit an Größenwahn grenzender Selbstsicherheit setzte der in Düsseldorf ausgebildete Bulgare Evgeni Bozhanov mit unterschiedlichem Erfolg auf exzentrische Interpretationen: Schumanns „Davidsbündlertänze“ erhielten unter seinen Händen jene wilde Ausdrucksvielfalt, die diese Stücke erst zum Ereignis machen können.

Mit brutal gehämmerten Läufen und grotesken Akzenten verzerrte Bozhanovs Bemühen um Auffälligkeit aber Rachmaninows 2. Klavierkonzert zu einem lächerlichen Rodeoritt. Auf diese Weise hat Bozhanov einige leidenschaftliche Anhänger gewonnen – bei der Preisverleihung ging er aber ebenso leer aus wie Vacatello und die Juilliard-Studentin Di Wu. Dem Publikumsliebling Nobuyuki Tsujii gelang dagegen eine der größten Sensationen in der Geschichte des Cliburn Wettbewerbs: Zum ersten Mal errang ein blinder Pianist die Krone der Klavierwelt: Der 20-jährige Japaner wurde mit der Goldmedaille geehrt. Von Geburt an ohne Augenlicht, muss Tsujii sich sein Repertoire allein nach dem Gehör erarbeiten. Einem Komponisten wie Chopin gewinnt er mit seinem besonderen Zugang einen ganz neuen Tonfall ab: jenseits aller Brillanz, warm und auf eine sympathische Weise introvertiert.

Selten klingt der „Salonkomponist“ Chopin so schlicht und so schön wie bei diesem Pianisten. Sicher wird es lohnen, Tsujii weiter zu beobachten, auch wenn ihm andere, muskulösere Werke wie Beethovens „Appasionata“-Sonate oder das Rachmaninow-Konzert nicht so spektakulär glückten. Von Qualitätsschwankungen unberührt waren die Auftritte der 23-jährigen Südkoreanerin Yeol Eum Son, die seit 2006 bei Arie Vardi in Hannover studiert und die die souveränste Leistung im Finale zeigte. Amerikanische Kritiker warfen ihr im Verlauf des Wettbewerbs immer wieder „Technik ohne Herz“ vor, doch ist dieses Urteil vielleicht eher der Logik ihrer Interpretationen, ihrem in allen Lagen und Lautstärken ausgeglichenen Klang und ihrem Streben nach klassischer Schönheit zuzuschreiben als einer tatsächlichen Abwesenheit von Gefühl. Von der wunderbar schlichten Bach-Bearbeitung am Beginn bis hin zu einem kraft- und temperamentvollen Prokofjew-Konzert am Ende sprachen ihre drei Finalauftritte jedenfalls eine deutliche Sprache: Ihre Silbermedaille ist hochverdient und zugleich ein sensationeller Erfolg für die hannoversche Hochschule.

Nur ein einziger Pianist spielte insgesamt noch etwas überzeugender als Son. Der Chinese Haochen Zhang, der während des Finales seinen 19. Geburtstag feierte, mischte in die Perfektion einen Hauch Exzentrik, die beispielsweise Ravels im Wettbewerb oft bemühten „Gaspard de la nuit“ zu einem klangsinnlichen Erlebnis machte. Er erhielt neben dem Japaner Tsujii eine Goldmedaille, ein dritter Preis wurde dafür nicht vergeben. Zhang wagte sich als einziger Pianist sogar an Mozart, den größten Prüfstein für einen Musiker. Sein d-Moll-Konzert geriet aber prompt etwas steif und machte deutlich, dass es vom Wettbewerb zur Weltspitze noch ein gutes Stück des Wegs ist. Der Cliburn Wettbewerb gibt seinen Gewinnern immerhin die besten Möglichkeiten, ihn zu gehen: Drei Jahre lang wird er für Zhang, Tsujii und Son Konzerte in aller Welt organisieren, die Grundstock für eine dauerhafte Solistenkarriere sein können.

In Fort Worth hat man früh erkannt, dass ein Wettbewerbserfolg schnell verbraucht sein kann, wenn nicht weitere hochkarätige Auftritte folgen, und eine beispiellose Infrastruktur aufgebaut. Es spricht für die besondere Qualität dieses Wettbewerbs, dass der Titel Cliburn-Gewinner zumindest in Amerika fast automatisch für volle Säle sorgt. Da überrascht es kaum, wenn die Preisverleihung ein nationales Ereignis ist, das die Titelseiten der Zeitungen füllt. Über die Jahre hat man in Texas viel Geld, Arbeit und Geschick investiert, um den Cliburn Wettbewerb als den vielleicht wichtigsten Musikwettbewerb der Welt zu etablieren. Wenn man ein Stück von dieser allgemeinen Begeisterung zum Internationalen Violinwettbewerb nach Hannover importieren könnte, würde man Hannover bald nicht nur wegen seiner Pianisten in der ganzen Musikwelt schätzen.

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