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Kultur „Stell dir einfach vor, 
es wären drei Romane“
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es wären drei Romane“
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17:11 04.10.2009
Bestsellerautor
 Frank Schätzing.
Bestsellerautor
 Frank Schätzing. Quelle: ddp
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Herr Schätzing, die Startauflage von „Limit“ ist hoch, es gibt viele Vorbestellungen. Da ist der Erfolg doch so gut wie sicher.

Es ist zumindest sicher, dass es kein Misserfolg wird. Ich habe mich nie auf sicheren Erfolg verlassen. Ich komme ja aus der Werbung und hatte 20 Jahre eine eigene Werbeagentur. Da hat man oft gedacht: „Ganz klar, dass wir den Auftrag kriegen“ – und hat ihn am Ende doch nicht gekriegt.

Hoffen Sie mit „Limit“ so viel zu verdienen, dass sie sich eine Reise mit den Russen zur ISS leisten können?

Soweit habe ich noch nicht gedacht. Na, vielleicht warte ich besser auf den Spacelift. Dann werden die Preise für Weltraum­ausflüge sicher fallen.

So ein Aufzug ins All ist ja auch im Bereich des Möglichen. Überlegungen, einen derartigen Fahrstuhl zu bauen, gibt es ja schon lange, und von dem leichten und extrem reißfesten Seil existiert ja auch schon ein kleines Stückchen. Was denken Sie: Wann wird es den Spacelift geben?

Das ist wahnsinnig schwer einzuschätzen. Ich weiß, dass alle großen Weltraumagenturen daran arbeiten. Aber mit dem Material ist es extrem schwierig. Man hat die Kohlenstoffnanoröhren, um die es hier geht, zwar mittlerweile schon zu meterlangen Fäden verbunden, aber es ist etwas Merkwürdiges dabei passiert: Alle paar Moleküle geht ein Kohlenstoffatom verloren, und niemand weiß warum. Das setzt die Reißfestigkeit wieder enorm herunter. Aber ich halte das nur für einen temporären Rückschlag. Realistisch geschätzt: Vor 2050 wird so ein Lift nicht fertig sein.

Da muss man 100 Jahre alt werden, um das noch zu erleben.

Das habe ich vor. Und dann würde ich auch die Altersstrapaze so einer Reise nicht scheuen. Da oben, mit Blick auf die Erde zu sterben – das ist ja auch keine schlechte Vorstellung.

Als Romanschauplätze sind das Weltall und der Mond aber nicht so einfach: Es ist wenig los da oben, und die Menschen stecken die meiste Zeit in Astronautenanzügen. Hat Ihnen das beim Schreiben Schwierigkeiten gemacht?

Überhaupt nicht. Man lässt sich auf so eine Gegend ein, weil sich mit der Schwierigkeit auch eine große Faszination verknüpft. Natürlich wird der Mond nie eine zweite Erde werden. Die Vorstellung, dass wir dort in überkuppelten Städten leben halte ich für völlig abwegig.

Sie wollten es so richtig krachen lassen und lassen auf dem Mond einiges zusammenstürzen. Ist das denn noch realistisch? Die Schwerkraft auf dem Mond beträgt doch nur ein Sechstel der irdischen.

Nein, das haben wir alles ausgerechnet. Die Mondkonstruktionen sind von Architekten – auch von lunaren Architekten – gegengecheckt worden. Außerdem, wenn ein Gebäude sechs Tonnen wiegt, ist das auf dem Mond immer noch eine Tonne, die in den Mondstaub kracht.

„Limit“ ist ja ein sehr umfangreiches Werk geworden. Da muss man sich doch erst mal einen Plan machen, an dem man dann entlang arbeitet. Haben Sie Tapeten­bahnen mit Ablaufdiagrammen vollgemalt?

Nicht direkt. Vor zwei Jahren bin ich im Sommer für zwei Wochen nach England gefahren und habe mich in Küstenpubs eingemietet. Vormittags bin ich am Strand joggen gegangen, und nachmittags habe ich mir den Laptop genommen und das Treatment geschrieben.

Sie haben viel in Kölner Cafés geschrieben. Wie viele Akkus haben Sie dabei verbraucht?

Och, die haben ja alle Steckdosen.

Sie waren also der Mann, den man finden konnte, wenn man dem Verlängerungs­kabel folgt?

Ja, kann man sagen. Direkt gegenüber meiner Wohnung ist ein wunderschönes Café mit einer großen Terrasse; da habe ich viel geschrieben. Zum Schluss war es so, dass man mich abends fast mit den Stühlen hochgestellt hat.

Mehr als 1300 Seiten sind für einen Roman, der ein Thriller sein will, eine ganze Menge. Hatten Sie beim Schreiben auch mal überlegt, eine kürzere Version herzustellen?

Nein. Die Story erzählt sich selbst. Ich plane nicht, wie dick so ein Wälzer wird. Nachdem die erste Fassung fertig war, habe ich angefangen zu verdichten und rauszustreichen. Irgendwann ist das Buch dann eben so lang, wie es ist. Und wer Angst vor dicken Büchern hat, dem sage ich immer: Stell dir doch einfach vor, es wären drei Romane à 400 Seiten.

Interview: Ronald Meyer-Arlt