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Kultur Sozialistischer Realismus an der Kunsthochschule
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18:12 18.02.2013
Von Nicola Zellmer
Stillstand im Klischee: Baehrs Stalin-Bild. Quelle: Repro Friedhelm Hoffmann
Hannover

Ulrich Baehr, 1938 in Kösen an der Saale geboren, ist in Hannover kein Unbekannter. Länger als ein Vierteljahrhundert hat er hier als Professor für Malerei an der Fachhochschule gelehrt. Nun haben die Zufallsgalerie und der Kubus dem in Berlin lebenden Künstler eine Ausstellung seiner Bilder eingerichtet. Ihr Titel „Landschaft und Geschichte“ ruft zentrale Sujets im Werk Baehrs auf. Darin behandelt der Maler, wie der Mensch die Welt erfährt und sich zu ihr verhält.

In den aufrührerischen sechziger Jahren thematisiert Ulrich Baehr Geschichte mit einer Porträtreihe. Da sehen wir Hitler als brüllenden Demagogen, Stalin als lächelnde Lichtgestalt und Lyndon B. Johnson als waffenstarrenden Kriegshelden. Die stereotype Darstellung entspricht dabei oft den Klischees der jeweiligen Ideologien. Baehr wählt für ihre Verfertigung unterschiedliche Malweisen, die alle ein wenig anämisch und kraftlos wirken - als habe sich die Lähmung angesichts des Wahnwitzes der Geschichte auf die Kunst übertragen.

Ganz auf der Höhe seiner künstlerischen Fähigkeiten ist er dagegen bei einem malerischen Rückblick auf die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts: In einem zwischen 2000 und 2003 geschaffenen Werkzyklus findet Baehr im Bild des sinkenden und strandenden Schiffes eine eindringliche Metapher für das Scheitern von Aufklärung und Politik im letzten Jahrhundert. Dabei knüpft er mit dem Motiv der Schiffskatastrophe an eine alte romantische Tradition an, der Caspar David Friedrich mit seinem Bild „Das Eismeer“ (1823/24) die Folie für Zivilisationskritik geliefert hat.

In seinen eindrucksvollen Schiffsuntergängen begräbt Ulrich Baehr zwar jeden Fortschrittsoptimismus, feiert zugleich aber auch ein Fest der Malerei. Er zeigt uns in diesen Bildern, was er alles kann. Das reicht von der subtilen malerischen Geste am Rand des Verstummens bis hin zum brüllenden, wild zuckenden Farbauftrag. In einem vollendet komponierten Seebild sehen wir den mächtigen Schiffskörper wie ein vorzeitliches Ungeheuer an Land gespült. In einem anderen Bild ist er dagegen als zartes, fast formloses Gebilde weit draußen in die See getupft. Und in einem weiteren Gemälde werfen ihn neo-expressionistische Wellenberge wild schäumend hin und her.

Gegen die Meisterschaft dieser Bilder kommen Ulrich Baehrs neue Landschaftsgemälde nicht an. In Stil und Ausdruck balancieren sie zwischen virtuoser und gefälliger Malerei. Mit einer Ausnahme: „Im Russenwald IV“ aus dem Jahre 2012 ist mit seinen durch einen Wald robbenden Soldaten ein bemerkenswertes Werk. Harmonisch ausbalanciert in Form und Farbe und ebenso fremdartig wie erschreckend vertraut.

Bis zum 1. April in der Galerie vom Zufall und vom Glück, Theodor-Lessing-Platz 2.

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