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Kultur Sophie Hungers neues Album ist erschienen
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11:48 06.10.2012
Von Hannah Suppa
Wenn sie singt, kann man ihr beim Denken zuschauen: Sophie Hunger. Quelle: HAZ
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Hannover

Es gibt diese Phänomenmenschen. Denen man nur staunend zuhören kann und bei denen jeder noch so verdrehte Satz irgendwie Sinn ergibt. Sophie Hunger ist so eine erstaunliche Person. Wenn sie redet, singt oder nur den Kopf zur Melodie wiegt, kann man ihr beim Denken zuschauen. Sie sagt dann so Sätze wie „Ich finde es nicht schlimm zu lügen. Beziehungsweise verstehe ich den Unterschied zwischen Fiktion und Wahrheit nicht, das ist auch eine meiner Regeln. Es ist dasselbe.“ Das sagte sie so en passant in dieser Woche in einem Interview. Und dann steht er da, dieser Satz.

So, wie ihr diese Sätze passieren, ist der 29-jährigen Schweizerin auch ihre musikalische Karriere passiert. Musikerin zu sein hat sie nicht gelernt, einfach gemacht. Ihr Debüt „Sketches On Sea“ sowie der Zweitling „Monday’s Ghost“ verzückten von der Schweiz über die Alpen bis nach Frankreich, wo sich Hunger plötzlich beim renommierten Montreux Jazzfestival auf der Bühne fand. Dabei ist der Kammerpop der Hunger nur ein bisschen Jazz. Dann, wenn das Klavier so herrlich ausbricht oder die Posaune die Tonleiter strapaziert. Aber dann kommen die Mundharmonika, die Gitarre, die Flöte und der Gesang, und schon schwappt Sophie Hunger gelenk zu Blues, Folk und Pop herüber.

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Jetzt ist das vierte Album der Musikerin, Autorin und Regisseurin erschienen. Elf Geschichten erzählt Sophie Hunger auf „The Danger of Light“. Sie versetzt sich in die Gedanken eines Amokläufers („Perpetrator“) und singt aus dem Blickwinkel eines Soldaten, der aus dem Irak heimkehrt („Souldier“). In „Rerevolu-tion“ erzählt sie von einer Revolutionärin, die sich nicht traut, auch in der Realität eine zu sein - und dazu posaunt die Posaune gedankenverloren. Polyglott singt die Tochter eines Diplomaten auf Englisch, Deutsch, Französisch und Schwyzerdütsch - und je nach Sprache entfalten die Lieder eine andere Kraft.

Für „The Danger of Light“ hat Hunger Neues gewagt: Neue Musiker, neue Produzenten, neue Umgebung. Produzent Adam Samuel entführte sie nach ersten Aufnahmen in Frankreich mit Hungers Band nach Los Angeles, wo unter anderem der Gitarrist Josh Klinghoffer (Red Hot Chili Peppers, PJ Harvey) mit ihr spielte. Das klingt nun kompakter, mutiger als zuvor. Zurück in Zürich ging Sophie Hunger spazieren. Für die Gedankenordnung. Und von oben vom Uetliberg brachte sie dann die Songs „Take a Turn“ und „Das Neue“ mit.

Sophie Hunger spielt am 15. November im Schauspiel Hannover. Kartentelefon: (0511) 99991111.

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