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00:25 01.12.2014
Kommt AC/DC nächstes Jahr? In dieser Besetzung jedenfalls nicht – der erkrankte Malcolm Young (l.) und möglicherweise auch Schlagzeuger Phil Rudd werden fehlen. Quelle: dpa
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Hannover

Als Schlagzeuger Phil Rudd zwischen 1983 und 1995 wegen psychischer Probleme einfach mal eine längere Pause einlegte, vermisste ihn allenfalls ein harter Kern der Fans. Und als Rhythmusgitarrist Malcolm Young während einer Tour 1988 vier Monate in eine Entziehungskur verschwand, ersetzte ihn sein Neffe Stevie – in Spiel und Aussehen dem Onkel so ähnlich, dass nur wenige Konzertbesucher etwas gemerkt haben sollen.

Ein AC/DC-Song, den man nicht nach fünf Sekunden zweifelsfrei als AC/DC-Song identifiziere, sei kein AC/DC-Song, hat Leadgitarrist Angus Young einmal in einem viel zitierten Bonmot gesagt. Im September 2014 wurde bekannt, dass sein Bruder Malcolm mit 61 Jahren an Demenz erkrankt ist und diesmal nicht mehr zur Band zurückkehrt. Seit Anfang November ist Trommler Rudd wegen Drogenbesitzes und des Vorwurfs angeklagt, einen Mord in Auftrag gegeben zu haben. Und nun erscheint, sechs Jahre nach „Black Ice“, ein neues AC/DC-Album. Mit elf AC/DC-Songs. Ganz so, als wäre nichts gewesen.
„Rock or Bust“ heißt es und lärmt gerade mal 35 trockene, erdige Minuten lang.

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Das Lichtlein am Verzerrer erlischt nie für die gut 20 einprägsamen Gitarrenriffs und das Dutzend bluesrockiger Soli. Schnörkelloses, präzises Schlagzeug, solider, stampfender Rockbass. Sänger Brian Johnson mag 67 sein, knödelt und kreischt aber nach wie vor am liebsten über das Rocken an sich und was so dazugehört. Frauen, Trinken, Nichtschlafengehen, „all night long“ selbstredend.
Mitreißend ist die Platte sowieso, und es sind auf ihre Art mal wieder etliche geniale Nummern darauf. Der euphorische Titelsong etwa oder das boogiehafte „Play Ball“. „Rock the

House“ ist ohne Zweifel imstande, das Haus zu rocken, und bei „Baptism on Fire“ ist das Riff nicht nur in sich äußerst raffiniert, sondern auch sehr effektvoll arrangiert.

Es ist immer wieder überraschend, welche Kraft zwei Gitarren erzeugen können, wenn die eine konsequent aus dem linken und die andere aus dem rechten Lautsprecher dröhnt.
Allerdings steht der Band der Härtetest noch bevor. Das geringste Problem ist, dass die für kommendes Jahr angekündigte Welttour, für die noch keine konkreten Daten bestätigt sind, wahrscheinlich selbst bei einem Freispruch wohl ohne Phil Rudd über die Bühne geht. Ein Schlagzeuger wird sich ebenso finden, wie Stevie Young als Rhythmusgitarrist die Lücke so täuschend echt füllen dürfte, wie es ihm nicht nur 1988, sondern auch jetzt im Studio gelang.

Dennoch wird Malcolm Young nicht zu ersetzen sein. Er war zwar diesmal nicht mehr beim Aufnehmen des Albums dabei, aber nach Aussage seines Bruders noch maßgeblich am Komponieren beteiligt. Einen Nachfolger zu finden, aus dessen Fingern mit ähnlicher Konstanz immerzu Gitarrenriffs fließen, die spätestens nach fünf Sekunden wie AC/DC tönen, ist kaum vorstellbar. „Rocken oder kaputtgehen“ lässt sich die Überschrift der Platte übersetzen. Im Falle von AC/DC bleibt dazwischen in der Tat kein Platz.

Mathias Wöbking

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