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Kultur "Sissi" tanzt an Hannovers Oper
Mehr Welt Kultur "Sissi" tanzt an Hannovers Oper
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19:15 18.11.2012
Zwei, die sich gleichen: Romy (Catherine Franco) und ihr Schatten Sissi. Quelle: Weigelt
Hannover

Es ist wie bei der Sachertorte: Zuerst kommt die Kuvertüreschicht. Die erste Szene aus „Sissi“ ist so zuckersüß und dick aufgetragen, dass man eigentlich schon genug hat, bevor die Mitte des Stücks erreicht ist. Jörg Mannes, gebürtiger Wiener, zitiert die legendäre Jagdszene aus dem ersten Teil von Ernst Marischkas „Sissi“-Trilogie. Da tollen Tänzerinnen in bunt beschürzten Sahnebaiserkleidern mit aufgekratzten jungen Männern herum, die die Flinte halten wie einst Gene Kelly seinen Regenschirm. Neckisch zücken die Sissis ein Edelweiß und stopfen es in den Gewehrlauf, während ein Hirsch mit leicht kopulierenden Bewegungen durch das muntere Treiben stakst. Dazu ertönt - als Extraportion Schlagobers - der Donauwalzer von Johann Strauß. Es ist der Beginn eines gehaltvollen Abends mit dem Niedersächsischen Staatsballett in der ausverkauften Oper.

Was nach dem Einstieg folgt, ist auch nicht gerade leichte Kost, aber dafür glücklicherweise gänzlich zuckerfrei. Jörg Mannes hat für sein jüngstes abendfüllendes Handlungsballett zwar Marischkas Filmtitel „Sissi“ gewählt und nicht „Sisi“, die eigentliche Schreibweise von Elisabeths Spitznamen. Doch mit dem kitschigen Kinomärchen hat Mannes’ Version nichts zu tun. Kaleidoskopartig zeichnet er das Bild einer zutiefst unglücklichen Frau, die sich einem ruinösen Schönheitskult unterwirft, weil ihr blendendes Aussehen ihr einziges Machtinstrument ist. Gewagt, aber dennoch gelungen ist Mannes’ Idee, Sissis Spiegelbild das von Romy Schneider entgegen zu setzen. Er stützt sich dabei auf gewisse Parallelen: Wie einst Elisabeth wurde auch Romy Schneider in jungen Jahren in eine Rolle hineingezwängt, die ihr zur Last werden sollte. Beide Frauen waren trotz ihrer Menschenscheu Meisterinnen der Selbstinszenierung, beide hat der frühe Tod ihrer Kinder in Depressionen gestürzt.

In schnellem Szenenwechsel, dem das variable Bühnenbild aus verschiebbaren Wänden von Florian Parbs Rechnung zollt, beleuchtet Mannes mal Sissis Leben am verhassten Hof, dem sie mit Sport, Reisen und Literatur zu entfliehen versucht, mal Romys Emanzipierungsversuche in Frankreich, unter anderem mit ihrer großen Liebe Alain Delon. Dabei ist das Verhältnis zwischen Romy und Sissi allerdings eine Spur zu unausgewogen. Das liegt vor allem daran, dass Elisabeth von vier Tänzerinnen verkörpert wird, Romy Schneider aber nur einmal besetzt ist: Catherine Franco gibt die Schauspielerin mit all ihrem jugendlichen Charme, ihrer strahlenden Präsenz, voller Energie und Leidenschaft. Ihre Romy liebt und leidet mit solcher Verve, dass sie alle Elisabeth-Darstellerinnen unweigerlich in den Schatten stellt.

Nur Anastasiya Bobrykova gelingt ein Ausbruch aus der doch arg steif angelegten Rolle, die der immerzu schwarz gewandeten und melancholisch dahinschreitenden Sissi selbst in der Auseinandersetzung mit Erzherzogin Sophie (schön herrisch: Mónica García Vicente) kaum Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Bobrykova darf die turnwütige Sissi geben und an von der Bühnendecke baumelnden Ringen gefährlich nah über dem Orchestergraben schweben. Mit aller Macht sucht diese Frau Halt, schöpft aus ihrem schmalen Körper ungeahnte Energien - und zerbricht doch am Leben.

Bei einem Stück, das sich auszugsweise auf die Vita zweier schillernder Persönlichkeiten konzentriert, ist es nicht eben leicht für einen Choreografen am Staatsballett, das übrige Ensemble so einzubinden, dass die Auftritte nicht nur als Verlegenheitslösung erscheinen. In „Sissi“ gelingt das nicht immer. Generale und Hofdamen defilieren ein bisschen zu viel und zu langweilig. Überflüssig wirkt auch das Herumgehüpfe von Andreas Michael von Arb als Hirsch, der immer wieder in Erscheinung tritt. Etwas zu lang geraten ist das Solo von Elvis Val als Sissi-Attentäter Lucheni. Dafür entschädigen solch wunderbare Einfälle wie die Turnszene oder auch der Pas de deux zwischen Romy alias Franco und Alain Delon, den Denis Piza als stolzen und kühl kalkulierenden Verführer gibt.

Musikalisch bestimmt vor allem Gustav Mahler das Bühnengeschehen. Die von ihm vertonten Lieder von Friedrich Rückert nehmen eine zentrale Rolle ein. Dabei ist der Vortrag von Nicole Pieper als Mezzosopranistin eher zurückhaltend, den Text versteht man kaum. Nicht immer erschließt sich dem Zuschauer der Zusammenhang zwischen Musik (Orchesterleitung: Benjamin Reiners) und Handlung. Vor allem das eigenwillige „Pacific 231“ von Arthur Honegger will nicht so recht zu diesen so gar nicht schrillen Prinzessinnendramen passen. Dann doch lieber den Donauwalzer. Dennoch langanhaltender Beifall.

Infos: www.oper-hannover.de

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