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Kultur „Silver Linings“ überzeugt mit vielen Verrücktheiten
Mehr Welt Kultur „Silver Linings“ überzeugt mit vielen Verrücktheiten
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20:17 05.01.2013
Von Martina Sulner
Ein Mann, eine Frau, ein Tanzkurs: Toller Beziehungsfilm. Quelle: dpa
Berlin

Wie verrückt ist das denn? Immer dann, wenn die Philadelphia Eagles ein Spiel haben, arrangiert Pat Solatano sen. vor dem Fernseher seine Utensilien: Die drei Fernbedienungen müssen in einer festgelegten Anordnung auf dem Beistelltisch liegen, und sein grünkariertes Taschentuch muss der Rentner während des Spiels immer in der linken Hand halten. Nur so, meint der abergläubische Mann, der seine Ersparnisse beim Wetten verloren hat, könne sein Footballteam gewinnen. Im Stadion darf Pat (wieder ein toller Auftritt von Robert De Niro) nicht mehr beim Spiel mitfiebern: Nach mehreren Schlägereien hat der Mittsechziger dort Stadionverbot.

Doch nicht der ältere Herr gilt als durchgeknallt, sondern sein Sohn Pat jun. (Bradley Cooper). Der hat gerade acht Monate in der Psychiatrie verbracht, nachdem er den Geliebten seiner Frau krankenhausreif geprügelt hatte. Nach reichlich Antiaggressionstraining und Gruppentherapie sieht Pat einen Silberstreif am Horizont. Zwar hat er seinen Lehrerjob und die Wohnung verloren und muss erst mal wieder bei seinen Eltern einziehen. Doch seine Ex-Frau Nikki, davon ist der Enddreißiger überzeugt, wird er mit Charme und Sanftmut zurückerobern. Dass er ein gerichtlich verordnetes Kontaktverbot zu Nikki hat, ignoriert er dabei allerdings hartnäckig.

„Silver Linings“ – Silberstreifen – heißt die herzzerreißende Tragikomödie von Drehbuchautor und Regisseur David O. Russell. Russells Film, beim Filmfestival in Toronto mit dem Publikumspreis ausgezeichnet, erzählt die alte Geschichte vom Mann, der seine Ex wiedergewinnen will und dabei beinahe die wahre Liebe verpasst. Das ist witzig und dabei durchaus ernsthaft gemeint. Pat jun. hat auch Angst vor seinen eigenen Ausrastern und – mehr noch – vor seinen zwischenzeitlichen Wahnvorstellungen. Doch Psychopharmaka will er nicht schlucken, weil die ihn so benebeln. Als er die junge Witwe Tiffany (Jennifer Lawrence) kennenlernt, die ebenfalls eine Weile in der Psychiatrie war, trifft er eine verwandte Seele. Doch die Distanz zwischen ihnen ist groß.

„Silver Linings“ ist ein Film voller Überraschungen: Nie zuvor hat man Bradley Cooper, der vor allem durch die deftigen „Hangover“-Kracher bekannt ist, so mitreißend und vielschichtig gesehen. So attraktiv auch nicht. Jennifer Lawrence – seit ihrem Sensationsauftritt in „Winter’s Bone“ und ihrer Rolle in „Die Tribute von Panem“ gilt sie als eine der wichtigsten jungen Hollywood-Schauspielerinnen – hat einen rauen Charme, dem der Zuschauer sofort erliegt. Pat jun. braucht dazu etwas länger. Das liegt auch an seiner komplizierten Familie, die ihn wahlweise unter- oder überfordert.

Mit schwierigen Familienverhältnissen kennt Regisseur Russell sich aus. In „The Fighter“ erzählte er vom Aufstieg des weißen Boxers Micky Ward (Mark Wahlberg), von dessen cracksüchtigem Bruder und Trainer (Christian Bale) und der dominant-schlampigen Mutter (Melissa Leo). Bale und Leo erhielten für ihre Auftritte 2011 jeweils einen Oscar für die beste Nebenrolle. Im aktuellen Film geht es nicht um ein problematisches Mutter-Sohn-, sondern um ein konfliktträchtiges Vater-Sohn-Verhältnis. Jacki Waever als Mutter versucht dagegen immer wieder, den Familienfrieden herzustellen – am liebsten, indem sie Snacks fürs Footballgucken zubereitet.

„The Fighter“ war – klar bei einem Sportdrama – ausgesprochen körperbetont; und durch die vielen Szenen im Training und im Boxring wirkte Russells Film ungeheuer dynamisch. Bei „Silver Linings“ findet man eine ähnliche Dynamik, vor allem in den Tanzszenen: Wenn Pat und Tiffany für ihren Wettbewerb proben, sieht das manchmal ein bisschen aus wie „Dirty Dancing“ fürs Jahr 2013: sportiv und sexy. Außerdem gibt es dazu einen starken Soundtrack. Der Titelsong stammt von Jessie J und heißt passend „Crazy ’bout You“. Noch so eine schöne Verrücktheit.

Bradley Cooper im Interview

Mr Cooper, hatte Ihr Regisseur David O. Russell keine Bedenken, Sie nach  „Hangover“ zu besetzen?

Diese Sorgen habe ich mir auch gemacht. Als der erste „Hangover“-Film in die Kinos kam, waren die Reaktionen entweder euphorisch oder entsetzt. Allmählich bestimmten diejenigen den Tenor, die den Film toll, sogar kultig fanden.

Und was meinte Ihr Regisseur?

David hatte Angst, dass ich die „Hangover“-Dämonen rauslassen würde. Meine Rolle in „Silver Linings“ sollte eine Mischung aus Wahnsinn plus „Der normale Typ von nebenan“ sein.

Wie haben Sie das Spiel mit Jennifer Lawrence so natürlich hinbekommen?

Danke, daran hatte ich den kleineren Anteil. Jennifer Lawrence hat eine Ausstrahlung, die einen umhaut. Ich kenne Leute, die haben Angst vor Jennifer, wenn sie ihnen in die Augen schaut.

Ein ehemaliger „Sexiest Man Alive“ muss aber keine Angst haben, oder?

Ich wusste, dass Sie damit um die Ecke kommen. Das Perverse an solchen Auszeichnungen ist: Erst denkt man, dass sie einen nie ereilen. Dann bekommt man sie, und man fühlt sich geehrt. Die Leute lächeln einen an, und man lächelt zurück. Aber nach zwei bis drei Wochen kommt man drauf, dass dieser Kuchen übersüßt ist. Man hat ständig eine Kamera im Gesicht, wenn man das Haus verlässt.

Und wie ist es, den Titel nach einem Jahr weiterzureichen?

Toll. Man ist „Sexiest Man im Ruhestand“. Was Besseres kann einem nicht passieren. Alle wissen, dass man ganz oben war. Nun befinde ich mich auf dem Weg nach unten. Der darf ruhig dauern.

Würden Sie schon mal verraten, wie es mit „Hangover 3“ ...

... vergessen Sie’s. Glauben Sie wirklich, wir geben uns so viel Mühe und halten die Geschichte vom dritten „Hangover“-Teil geheim, und dann verplappere ich mich? Sie müssen schon bis Ende Mai warten.

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