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Kultur Senioren bringen Erinnerungen auf die Bühne
Mehr Welt Kultur Senioren bringen Erinnerungen auf die Bühne
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11:26 18.11.2012
In dem Stück „Herbstzeithelden“ präsentieren Senioren dem Publikum Erinnerungen und Erfahrungen. Quelle: dpa
Göttingen

Da packt die Neugierde die 94-jährige Dorothea Löser, und sie verschwindet mit einem Fallschirm auf dem Rücken aus der Garderobe. Zwei andere Senioren, im Kostüm und geschminkt, folgen ihr. Zurück bleibt ein junger ratloser Regieassistent und der 90 Jahre alte Rüdiger von Massow, der die Chance nutzen will, um wieder zu einer seiner detailreichen Erzählungen auszuholen. Er ist ein Mensch voller Erinnerungen, die geteilt werden wollen. Schließlich können im Alter die angehäuften Geschichten langsam verblassen. Und irgendwann werden sie, sollten sie noch nicht erzählt worden sein, verschwinden.

Das Stück „Herbstzeithelden“ im Studio des Deutschen Theaters hat deshalb ein Ziel: Erinnerungen und Erfahrungen einem Publikum zu präsentieren. Für die Regisseurin Michaela Dicu und die Dramaturgin Anna Gerhards war die Fülle an Erlebnissen und Anekdoten, die sich während eines Lebens ansammeln, Inspiration für ein Theaterstück. Sie wollten die Geschichten alter Menschen auf die Bühne bringen - doch nicht von professionellen Schauspielern, sondern von den Senioren selbst. Sie sind die „Herbstzeithelden“ und präsentieren ihr Leben auf der Bühne.

In einem Göttinger Wohnstift fanden Dicu und Gerhards eine Gruppe von vier Rentnern zwischen 68 und 94 Jahren, die den Mut und die Neugierde aufbrachten, an dem Projekt teilzunehmen. „Unser Wunsch war es, in den Dialog mit den Bewohnern zu treten, sie aber am Ende auch ins Theater zu holen“, sagt Dicu. „Wir wollten ausprobieren, was passiert, wenn die Theaterwelt und die alten Menschen aus dem Stift aufeinandertreffen.“

Eine Erkenntnis kam den beiden Frauen schnell: Tatsächliches und gefühltes Alter müssen nicht zwangsläufig übereinstimmen. „Die Senioren sind in ihrem Kopf und vielen Handlungen wesentlich jünger, als es ihr Alter angibt“, berichtet Dicu. Sie und Gerhards erlebten während der Gespräche und Proben, dass die Unterschiede zwischen ihnen und den Senioren deutlich kleiner waren, als gedacht.

So werden auf der Bühne Szenen lebendig, die sich teils vor 80 Jahren ereignet haben. Bei den „Herbstzeithelden“ geht es um den Krieg, die erste Liebe, Küsse in der Jugend. Das ganze geschieht durchgehend hinter den Kulissen, denn die Vorbereitung auf eine Theateraufführung ist die Rahmenhandlung des Stücks. In den Garderoberäumen entwickeln sich die Dialoge zwischen den Darstellern.

Doch obwohl der Blick deutlich mehr in die Vergangenheit geht, bleibt am Ende die Frage, was eigentlich nach einem ereignisreichen Leben noch kommen soll - vielmehr: Muss überhaupt noch etwas kommen? „Ich möchte nur noch einige Jahre gemeinsam mit meiner Frau genießen können“, sagt Rüdiger von Massow. „Ich habe die Neunzig überschritten, das reicht jetzt.“ Die 82-jährige Luise Farr hat noch viel vor. Sie möchte unter anderem zu ihren Kindern nach Amerika, wo sie selbst zwölf Jahre gelebt hat. Und der Abgang mit Fallschirm von Dorothea Löser spricht für sich.

Bei dem Stück muss sich der Zuschauer immer wieder vor Augen führen, dass alles Erzählte von den Protagonisten wirklich erlebt worden ist, und dass jede Biografie voller Facetten ist, die faszinieren können und interessieren. Das Publikum spendete lang anhaltenden Applaus. 

dpa

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