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Kultur Schweden feiert den behinderten Nobelpreisträger Tranströmer
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17:18 07.12.2011
Schweden ehrt den schwerbehinderten Nobelpreisträger Tomas Tranströmer.
Schweden ehrt den schwerbehinderten Nobelpreisträger Tomas Tranströmer. Quelle: dpa
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Kopenhagen/Stockholm

Er kann wegen seiner Sprechbehinderung die Nobelvorlesung nicht halten und kommt zur Preisverleihung im Rollstuhl. Tomas Tranströmer zeigt als Träger des Literaturpreises 2011 in der Nobelwoche bis zur Verleihung am Samstag durch König Carl XVI. Gustaf trotzdem viel Präsenz und bekommt neben massiver Aufmerksamkeit auch viel Wärme zurück.

„Hier geht es um Liebe. Das ist wunderschön“, meint der Verleger Svante Weyler. Und: „Es tut einem Land einfach gut, mal einen eigenen Poeten liebzuhaben.“ Sonst seien es ja immer nur Fußballstars und dergleichen.

Für die traditionelle Nobelvorlesung am Donnerstag lud die Schwedische Akademie zu einem ausdrücklich so benannten „Alternativprogramm“ in den alten Stockholmer Börsensaal. Weil der 80- jährige Lyriker seit seinem Schlaganfall 1990 nur noch einzelne Wörter wie „ja“, „nein“ oder „gut“ sagen kann, übernehmen Schauspieler die üblicherweise dem Preisträger vorbehaltene Rednerrolle.

Krister Henriksson, auch in Deutschland bekannt durch die Rolle als TV-Krimikommissar Wallander, sollte zusammen mit seiner Kollegin Kristina Adolphson Tranströmer-Gedichte rezitieren. Weil der Preisträger leidenschaftlicher Musikliebhaber ist und mit seinem intakten Arm viel Klavier spielt, steht entgegen den sonstigen Nobelgepflogenheiten ein Kammerkonzert auf dem Programm. Für Tranströmer und seine Ehefrau Monica Tranströmer-Bladh waren Plätze in der ersten Reihe reserviert.

Seit der Bekanntgabe der Zuerkennung Anfang Oktober konnten die Schweden das unglaublich freundliche und Wärme ausstrahlende Gesicht ihres schwerbehinderten Nobelpreisträgers überraschend oft im Fernsehen und anderen Medien anschauen. Ein froher, innere Harmonie ausstrahlender alter Herr am Klavier oder bei der Ausfahrt durch Stockholm im Rollstuhl.

Zuvor hatte es jahrelang geheißen, die Akademie scheue vor einer Vergabe des begehrtesten Literaturpreises der Welt an den heimischen Lyriker auch zurück, weil das den kranken, alten Mann zu sehr aufregen würde. Aber davon war nicht das Geringste zu spüren in den Interviews, die Tranströmer zusammen mit seiner Ehefrau Monica als einer Art „Sprach-Medium“ gerne und oft gab.

Für die Bürger seiner Geburtsstadt Stockholm präsent ist Tranströmer diese Woche sogar als Insektensammler. Das Naturhistorische Reichsmuseum zeigt die persönliche Sammlung des Dichters aus jungen Jahren. „Svenska Dagbladet“ bildete dazu am Mittwoch eine nach dem Lyriker benannte Käferart, den „Tranströmerschen Turmkäfer“, ab und zitierte aus einem Gedicht zum Thema.

Die Schwedische Akademie hat den in aller Welt von Kollegen, Lesern in mehr als 60 Sprachen und Kritikern gleichermaßen verehrten Künstler mit dem Nobelpreis 2011 ausgezeichnet, „weil er uns in komprimierten, erhellenden Bildern neue Wege zum Wirklichen zeigt“. In einem Haiku (2005 in deutscher Übersetzung erschienen) schrieb Tranströmer: „Schaut, wie ich sitze wie ein an Land gezogener Kahn. Hier bin ich glücklich.“

frx/dpa

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