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Kultur Schriftsteller stehen in China mit einem Bein im Gefängnis
Mehr Welt Kultur Schriftsteller stehen in China mit einem Bein im Gefängnis
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08:46 14.11.2012
Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiabo ist das prominenteste Beispiel, dass der Ruf nach Freiheit ins Gefängnis führt. Quelle: dpa
Peking

Ich musste heute Morgen nur an einer roten Ampel warten. Wie fMehr als 40 Schriftsteller sitzen in Chinas Gefängnissen. Ihr Verbrechen: Entweder haben sie über Tabu-Themen wie die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 geschrieben oder mit Forderungen nach Demokratie und Freiheit das kommunistische Regime herausgefordert. Der prominenteste inhaftierte Schriftsteller ist Liu Xiaobo. Der Friedensnobelpreisträger von 2010 hockt in einer Zelle im Jinzhou Gefängnis in Nordostchina. Seine Frau Liu Xia wird seit der Auszeichnung unter strengem Hausarrest in ihrer Wohnung in Peking festgehalten. Quasi als „Geisel“, um ihn vielleicht zur Ausreise zu bewegen, wie Menschenrechtler spekulieren.

Regimekritische Autoren stehen in China leicht mit einem Bein im Gefängnis oder finden einfach keinen Verlag. „Schriftsteller müssen sich selbst zensieren, wenn sie ihre Werke veröffentlichen wollen“, sagt Patrick Poon, Vorsitzender des PEN-Clubs in Hongkong, der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Andersdenkende Autoren können nur auf ausländischen Webseiten schreiben oder ihre Bücher im Ausland veröffentlichen.“ Vielen Schriftstellern wie Liao Yiwu, der nach Deutschland flüchtete, oder Yu Jie, der in die USA ausreiste, bleibt nur das Exil, wenn sie sich nicht der Zensur und dem Druck der Staatsicherheit unterordnen wollen.

Der chinesische Schriftsteller Mo Yan, der in diesem Jahr den Literaturnobelpreis erhielt, hat sich hingegen angepasst. Er navigierte geschickt durch die Minenfelder der Zensur, ist deswegen kein schlechter Schriftsteller, muss sich aber rechtfertigen, warum er dem kommunistischen System so nahe steht. So ist Mo Yan der Vizevorsitzende der offiziellen Schriftstellervereinigung, während Liu Xiaobo der Ehrenvorsitzende des PEN-Clubs unabhängiger chinesischer Schriftsteller ist.

Immerhin äußerte Mo Yan nach der Auszeichnung die Hoffnung, dass Liu Xiaobo „möglichst bald und in guter Gesundheit seine Freiheit wieder gewinnen kann“. Ob er aber in seiner Rede bei der Verleihung im Dezember in Oslo auch an seinen inhaftierten Kollegen erinnern wird, ist fraglich. Vor zwei Jahren symbolisierte bei der Zeremonie ein leerer Stuhl die Unterdrückung in China. Liu Xiaobo war der erste Nobelpreisträger seit dem von den Nationalsozialisten inhaftierten deutschen Publizisten Carl von Ossietzky (1889-1938), der die Auszeichnung nicht persönlich in Empfang nehmen durfte.

Der Verfolgung fallen in China aber auch weniger bekannte Schreiber zum Opfer. So wurde der heute 51-jährige Autor Yang Tianshui 2006 wegen seiner Regimekritik in Online-Artikeln zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Oder Qi Chonghuai, ein Autor aus Tengzhou (Provinz Shandong): Der heute 47-Jährige erhielt 2008 vier Jahre Haft, weil er Korruption örtlicher Behörden aufgedeckt hatte. Ungebeugt schrieb er Artikel über die Misshandlung von Häftlingen im Gefängnis, was aufflog. Einen Monat vor seiner Entlassung wurde Qi Chonghuai im Mai 2011 einfach zu weiteren acht Jahren verurteilt.

Chinas neue Führung lässt auch nicht auf Besserung hoffen. Nach Abschluss des nur alle fünf Jahre stattfindenden, laufenden Parteitages der Kommunisten in Peking wird am Donnerstag die neue, „fünfte Führungsgeneration“ vorgestellt. Der scheidende 69-Jährige Staats- und Parteichef Hu Jintao wird vom zehn Jahre jüngeren heutigen Vizepräsidenten Xi Jinping abgelöst.

„Ich erwarte nicht viel von den neuen Führern“, sagt Poo. „Ich hoffe nur, dass sie erkennen, dass Meinungsfreiheit eine Entwicklung ist, die sie nicht aufhalten können - angesichts der Tatsache, dass viele Menschen, besonders jüngere, im Internet ihre Meinung über Politik und soziale Probleme äußern“, führt der PEN-Vorsitzende aus. „Es wäre doch im Interesse der Regierung, den Menschen und Schriftstellern mehr Meinungsfreiheit einzuräumen. So könnten die Klagen der Menschen durch Diskussionen kanalisiert werden, was der Stabilität dient. Darum sorgt sich die Regierung doch so sehr.“

dpa

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