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Kultur Roxettes Comeback in Hannover
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08:18 17.12.2009
Von Uwe Janssen
Sängerin Marie Fredriksson der Popgruppe Roxette. Quelle: Nancy Heusel
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Als Olja Yasenovskaya das erste Mal einen Song der Gruppe Roxette hörte, war sie 13 und lebte in Chabarowsk, einer sibirischen Stadt an der chinesischen Grenze, im hintersten Winkel von Russland. Eine Audiokassette „vom Schwarzmarkt“. Egal. Erster Song, und die Liebe war besiegelt. Und nun, 16 Jahre später, sitzt die heutige Pressesprecherin der Fachhochschule Hannover in der TUI Arena und wartet ungeduldig auf ihre Helden. Die meisten der 9000 Besucher der Nokia Night of the Proms fiebern dem Auftritt des schwedischen Popduos entgegen, das nach der Krebserkrankung von Sängerin Marie Fredriksson fast ein Jahrzehnt Pause gemacht hat.

Die anderen Künstler des Abends deshalb als Beiprogramm abzutun, wäre trotzdem ungerecht. Da ist beipielsweise Heaven 17. Das britische Duo gehörte in den Achtzigern (damals als Trio) zur Synthiepop-Avantgarde und half als Produzententeam Tina Turner wieder auf die Beine. An diesem Abend lassen sie sich ihre Hits wie „Come live with me“ und vor allem „Temptation“ vom Proms-Orchester „Il Novecento“ zu wahren Songmonstern aufblasen. So geht das eben hier. Mit einem solchen Klangkörper im Rücken wird nicht gekleckert, sondern ganz groß geklotzt. Das gilt auch für Christina Stürmer, das Küken der Runde. Die österreichische Sängerin kommt mit Ballade und Rocksong („Ich lebe“) und hat den Respekt, den man zwischen Großorchester und Großkulisse durchaus haben darf, schnell abgelegt.

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Und dann ist es soweit. Olja Yasenovskaya , die bislang eher interessiert zugehört hat, schaltet augenblicklich auf Mitmachstatus um. Sie hat das alles schon bei der Proms-Nacht kürzlich in Frankfurt erlebt. Egal. Zwischen Fan und Band spielen sich seit jeher Dinge ab, die man nicht erklären kann. Marie Fredriksson wird mit einer Hebebühne aus dem Boden gefahren, viel pompöser als es zu dieser zierlichen 51-jährigen Frau mit dem blonden Kurzhaarschnitt passt. Aber solch eine Inszenierung passt in den Bombastrahmen des Abends, hier gibt’s eben viel fürs Geld. „Wish I could fly“ ist eine Ballade, Fredrikssons Duopartner Per Gessle schwingt die Gitarre, und das Publikum ist von der Rückkehr der schwedischen Hitmaschine, die Moderator Uwe Bahn nicht zu Unrecht als „Comeback des Jahres“ ankündigt, bis in den obersten Winkel entzückt, berührt, begeistert oder alles zusammen. Das war’s dann aber vorerst, nach der Pause gibt’s üppigen Nachschlag.

Trotzdem fällt es schwer, sich auf den hünenhaften Vollbartträger zu konzentrieren, der als nächstes die Bühne betritt – und eigentlich die größte Rocklegende des Abends ist. Alan Parsons tritt aus dem Hintergrund, den er als Musiker Zeit seiner Karriere bevorzugt hat – ob als Musiker oder als Produzent von Rockmonumenten wie Pink Floyds „Dark Side of the Moon“. Er singt „Eye in the Sky“ und dann, zusammen mit dem Sänger P. J. Olsson, „Silence and I“ – als Hommage an seinen langjährigen musikalischen Partner Eric Woolfson, der vor wenigen Tagen verstorben ist. Noch mehr Emotion. Vielleicht gut, dass dann auch Pause ist – in der man, auch das gute Proms-Tradition, gleich Karten für den 15. Dezember 2010 bestellen kann. Das Programm steht noch nicht fest, aber wird schon passen. Und als Weihnachtsgeschenk 2009 allemal.

Die Katona Twins, zwei ungarische Gitarristen, intonieren nach der Pause „Stairway to Heaven“, es singt John Miles, der mit seinem One-Hit-Wonder „Music“ zur Proms-Night gehört wie der namensgebende Telefonhersteller. Das Orchester haut dann noch ein paar Klassikhits wie die „Diebische Elster“ und den „Bolero“ raus, bevor es dann zum Roxette-Showdown kommt. Jetzt tanzt Marie auf der Bühne, jetzt tanzt ihr Fan Olja vor der Bühne. „The Look“, „It must have been Love“, „Joyride“ und „Listen to your Heart“ – die Geigen jubilieren, die 9000 auch. „Land of Hope and Glory“ und John Miles Song „Music“ schicken die Menschen in die kalte Nacht.

Also, bis nächstes Jahr, gleicher Ort, gleiche Zeit.