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Kultur Romantik-Projekt in Hannover
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18:56 04.11.2012
Von Rainer Wagner
„Phantasie an die Macht“: Anna Bineta Diouf, Tiina Lönnmark und Stella Motina. Quelle: Jauk
Hannover

Romantik ist mehr als ein Sonnenuntergang im Rosamunde-Pilcher-Country, mehr als Händchenhalten unterm Silbermond und ein Leben wie im Poesiealbum. Die blaue Blume hatte auch Dornen.

Vor allem die deutsche Romantik war zwar mental ein Leben im Überschwang, aber im realen Leben auch ein zerplatzter Traum. Gescheitert allerdings nicht, weil die Seifenblasen der Phantasie platzten, sondern weil die Gewehrkugeln, die die Bürgerrevolution von 1848 stoppten, sehr realistisch waren.

Davon und von noch viel mehr will das Romantik-Projekt der Jungen Oper Hannover erzählen, das jetzt im Ballhof seine herzlich quittierte Uraufführung erlebte. „Vor dem Aufstand“ heißt der Abend, den Andrea Schwalbach mit Dramaturg(inn)en-Unterstützung konzipiert und inszeniert hat. Es ist eine klingende Nachhilfestunde in deutscher Geschichte.

Wer in 70 Minuten den Bogen schlagen will vom Biedermeier zur Empörung der Occupy-Bewegung, vom Blümchenkaffee zum Bonner Grundgesetz, vom Frühling der Freiheitsgedanken zum deutschen „Wintermärchen“, der kann eigentlich nur scheitern. Aber wer hier Richter sein will, der muss sich erst einmal entscheiden, ob er die Produktionen der Jungen Oper Hannover als Kunstwerke für Junge und mit Jungen einschätzen will. Oder als Musiktheatererlebnisse, die mit musikaldidaktischen Mitteln den hoffentlich jungen Zuschauern Dinge nahebringen wollen, die ihnen nahegehen und nahestehen sollten.

„Vor dem Aufstand“ ist ein musikpädagogischer Steinbruch, in dem man manchen harten Brocken, aber auch glitzernde Schmuckstücke findet. Und in dem es nicht schadet, wenn man einen guten Führer hat.

Selbst wer sich in der deutschen (Musik-)Geschichte gut auskennt, braucht einige Kunstfertigkeit, um zu sortieren, worum es wem gerade geht. Vielleicht bezieht sich die Altersempfehlung der Staatsoper für Jugendliche „ab 14 Jahren“ ja auf die Komplexität des Geschehens (denn Anstößiges oder gar Abstoßendes gibt es hier nicht). Aber möglicherweise unterschätzt man damit die Auffassungsgabe von Multi-Tasking-Kids, die mit einem Blick erfassen, dass da neben dem Röschenmusterkaffeegeschirr eine Occupy-Maske liegt.

Nora Johanna Gromer hat ein Bühnenbild geschaffen, das nach einem Lehrerzimmer der Siebziger aussieht. Die Schranktüren sind Transitpassagen, die Einzelteile fahrbare Module, die immer wieder neue Raumkonstellationen erlauben. Auf allem und über allem turnt Klaus Brantzen, der als Heinrich Heine nicht nur rezitiert, sondern auch agitiert - und obendrein auch noch Musik machen kann.

Heines „Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne“ ist in Robert Schumanns Vertonung ein Leidmotiv, es liegt Herbststimmung über dem Abend, aber es schimmert eben auch die Sonne der Hoffnung durch die Nebelschwaden. Oder ist das schon Barrikadenrauch? Wenn es zu besinnlich, zu versponnen wird, dann treten Schüler in Aktion, die Menschenrechte reklamieren, die mit dem Bonner Grundgesetz von 1949 und den dort festgeschriebenen Grundrechten belegen, dass auch die gescheiterte Revolution von 1848/49 nicht vergebens war.

Bariton Michael Chacewicz gibt den Schwärmer, Baßbariton Nicolas Kröger eher den Revoluzzer. Und das Terzett Tiina Lönnmark, Stella Motina und Anna Bineta Diouf belegt, dass Frauenherzen differenziert schlagen. Schumann, Schubert und Mendelssohn Bartholdy liefern dazu die Noten, die Daniel Spogis geschickt arrangiert und manchmal auch verfremdet hat. Das Kammerensemble rund um den Pianisten Siegmund Weinmeister spielt dies so schön schillernd, dass erhabene Liederabendstimmung gar nicht erst aufkommt. Es liegt Aufruhr in der Luft. Und wenn auch im Traum geweinet wird, so steht am Ende doch die romantisch überhöhte Aufbruchstimmung: „Seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche.“ Was belegt, dass die Romantik nicht stirbt, solange junge Träume nachwachsen.

Und der Slogan, mit dem der pointierte Abend endet, könnte als Banner nicht nur über allen Kunsttempeln wehen: „Phantasie an die Macht“.

Das Premierenpublikum fand das phantasieanregend und klatschte animiert.

Wieder am 11., 14. und 25. November. Karten: (0511) 99991111.

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