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09:34 27.05.2012
Roman Lob hat es beim Eurovision Song Contest in die Top Ten geschafft.
Roman Lob hat es beim Eurovision Song Contest in die Top Ten geschafft. Quelle: dpa
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Baku

Die graue Mütze und der Welpenblick brachten Roman Lob nicht das ganz große Glück. Der 21-Jährige schaffte aber sein Ziel, mit der Ballade „Standing Still“ unter die ersten Zehn zu kommen. Ein solider achter Platz, gute 110 Punkte. Feiern will er, nicht stillstehen und Musik machen, wie er schon vorher sagte. Drei Minuten lang hauchte der Rheinland-Pfälzer mit der Startnummer 20 seinen Song ins Mikrofon. Der gelernte Industriemechaniker hatte auch bei den vielen Live-Auftritten in Baku vor dem Finale den Fans Gänsehaut beschert.

Als „Unser Star für Baku“ auf die Bühne in der schillernden Crystal Hall trat, war es am Kaspischen Meer schon 1.31 Uhr morgens Ortszeit, drei Stunden später als in Deutschland. Roman Lob, dem Experten großes Talent und tiefe Einfühlsamkeit bescheinigen, konnte sich wie zu Hause fühlen - und nicht wie am östlichsten und orientalischsten Grand-Prix-Ort aller Zeiten. Immerhin hatten Deutsche nicht nur die Arena neu gebaut. Die Kölner Firma Brainpool inszenierte die Show mit vielen Feuereffekten - passend zum Motto „Light your Fire“; auch die mehrfach preisgekrönte 2011er-Show in Düsseldorf hatten sie produziert.

Die islamisch geprägte Südkaukasusrepublik nutzte ihren ersten Grand Prix und das größte internationale Ereignis der Landesgeschichte reichlich zur Eigenwerbung. Die Bilder zeigten aber nur den schillerndsten und kleinsten Teil des öl- und gasreichen Landes. Die Show fuhr berühmte Volkstanz- und Musikensemble Aserbaidschans auf, zeigte das schillernde Baku, das Touristen als Mix zwischen Dubai und Paris beschreiben sowie blühende Landschaften.

Auch deutsche Fans waren im Saal, wo diesmal die Künstler auf weißen Sitzgarnituren direkt die Stimmauszählung miterlebten - und nicht wie sonst hinter den Kulissen. Die Fans meinten vor der Show, dass die extremen Sicherheitsvorkehrungen, die vielen aserbaidschanischen Flaggen und die kaukasische Folklore die Stimmung der internationalen Musikolympiade getrübt hätten. Viele vermissten wie sonst bei den ESC-Shows das Lockere und Unbeschwerte und ein bisschen Selbstironie.

Die autoritäre Führung in Baku hatte den ESC nach dem Sieg von Ell & Nikki in Düsseldorf 2011 von Anfang an als große Imagekampagne angelegt. Der staatstreue Sender Ictimai inszenierte den ESC mit solch überbordendem Nationalstolz, dass dies nicht jedem bei den Organisatoren von der European Broadcasting Union (EBU) so passte. Doch bestimme nun einmal das austragende Land die Show, sagte ein Mitglied aus dem EBU-Vorstand der Nachrichtenagentur dpa.

Aserbaidschan stellte wohl die teuerste ESC-Show in der mehr als 50-jährigen Geschichte des Grand Prix auf die Beine: mit 50 Millionen Euro nach offiziellen Angaben. Experten gehen aber von Gesamtausgaben über einer halben Milliarde Euro aus. Die neugebaute Crystal Hall funkelte wie eine Juwel unter dem Nachthimmel, erstrahlte in den Farben der Nationalflaggen der 26 Finalisten. Über der Arena mit den mehr als 17.000 Plätzen wirbelte ein riesiger Lichtkegel im Dunkeln.

Doch auch Lichterglanz und Musik, die aus dem üblichen Mix von Pop, Folklore, Rock und Balladen bestand, konnten die vielen kritischen politischen Stimmen und Bilder nicht überdecken. Die von Menschenrechtlern als „mafiöser Clan“ kritisierte Regierung hatte am Rande des ESC immer wieder Demonstranten mit brutaler Polizeigewalt festnehmen lassen. Die Menschen hatten für das Recht auf freie Meinungsäußerung und für Versammlungsfreiheit demonstriert.

Zu diesen demokratischen Grundsätzen hat sich die Ex-Sowjetrepublik als Europaratsmitglied verpflichtet. Gleichwohl befürchtet die aserbaidschanische Opposition, dass die Repressalien nach dem Ende des Grand Prix nun eher zunehmen werden. Der mit harter Hand regierende Präsident Ilcham Alijew will sich 2013 zum dritten Mal zum Staatschef wählen lassen. Bei der Show ließ Alijew auch seinen Schwiegersohn Emin Agalarow als Popsänger auftreten. 

jhf/dpa

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