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Kultur Rockband Selig bringt neues Album heraus
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19:40 14.02.2013
Keine Eile: Selig.
Hannover

Magma besteht aus geschmolzenem Gestein, einer unterirdischen Erdmasse, die sich mit bis zu 1200 Grad Celsius den Weg durch den Vulkan hinaufbahnt, um dann als zähflüssige Lava die Erdoberfläche zu verbrennen. Magma ist ein innerliches Brodeln, das eingeschlossene Aufbäumen, das zum Ausbruch drängt. Und tatsächlich passt das Magma-Bild sehr gut zur deutschen Band Selig. Ihre drängenden, organischen Rockklänge, ihre sprachlichen Naturbilder und die nach Offenheit und Aufbruch strebenden Zeilen von Sänger Jan Plewka klangen oft genug nach vertonter Innenansicht einer ruhelosen Seele - ein musischer Vulkan zwischen Ausbruch und Ohnmacht. Doch ausgerechnet zum neuen Album „Magma“ will es nicht passen.

Die Hamburger Band Selig stand in den neunziger Jahren wie keine andere für die Vertonung von Emotionen. Breitbeinig stand man bei Konzerten und wippte Enttäuschung nach, das Gefühl der inneren Überforderung. Plewka schrieb die Liebeskummerhymne „Ohne Dich“ und mit „Ist es wichtig?“ ein Lied für eine Generation auf der Suche nach Glück und dem richtigen von tausend Lebensentwürfen. Plewkas esoterische Lyrik half nie weiter, aber man fand sich zumindest in guter Gesellschaft.

Die Band selbst zerbrach fast nebenbei an der eigenen Überforderung mit dem Erfolg. Man trennte sich und feierte 2009 mit dem großartigen „Und endlich Unendlich“ ein gelungenes Comeback. Es folgten Touren, ein zweites Album und die übliche PR-Offensive in eigener Sache. Und plötzlich textet Plewka nun: „Bitte, bitte, bitte nicht alles auf einmal / ich verliere meine Mitte / und das hatten wir schon mal / ein Leben im Überflug / mit Leichtsinn und Selbstbetrug / nie genug, nie genug“. Muss man sich wieder Sorgen machen? Muss man. Aber weniger um die Musiker, eher um die Musik. Denn das Ventil für große Gefühle entlädt sich im dünnen Schlagermantel. Selten war Selig so Pur und Unheilig.

Was ist passiert? Gar nicht so viel. Selig war schon immer nah am Kitsch gebaut, dem Eskapismus nicht abgeneigt, das Suhlen in Befindlichkeiten gehört zum Grundkonzept. Nur sorgten Christian Neanders verzerrte Gitarren und ein zackiges Schlagzeug bisher dafür, dass man sich zumindest bei der eigenen Seelenschau noch als eine Art Emorocker fühlen konnte: Ja, ich steh zu meinen Gefühlen, kann dabei aber meine Haare schütteln. Das ist mit „Magma“ vorbei. Radiotauglich besingt Plewka zu gerade gerückten Arrangements alte Sehnsüchte („Danke“), Tagebucheinträge („Sie scheint“) und - natürlich - Verflossene. Fans müssen dann Zeilen ertragen wie: „Wenn ich an dich denke, werd ich wahnsinnig, doch nicht an dich denken, dass kann ich nicht“ oder „Sie liegt in seinem Arm, er hält sie fest und warm“. Ins Politische übersetzt, bleibt es bei „Wenn du die Welt nicht verändern kannst, veränder dich selbst. Wenn du dich selbst nicht verändern kannst, veränder die Welt“. Wahrlich, das möchte man sich auf ein T-Shirt drucken - wenn man 16 Jahre alt wäre und einen Nato-Doppelbeschluss kommentieren wollte. Lieder wie „Schwester Schwermut“ kaschieren kaum die Silbermondisierung, die Robbie-Williams-Produzent Steve Power noch etwas kantenloser klingen lässt. Man wünscht sich ein wenig Ausbruch aus dem Ganzen. Denn diese Magma lässt den Hörer kalt.

Selig spielt am 7. April im hannoverschen Capitol. Karten gibt es in den HAZ-Geschäftsstellen und bei Laporte für 30,45 Euro.

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