Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur „Roads“ – Eine Reise nach Europa
Mehr Welt Kultur „Roads“ – Eine Reise nach Europa
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 26.05.2019
Auf ihrem Weg nach Calais: Gyllen (Fionn Whitehead) und William (Stéphane Bak). Roads Quelle: Foto: Studioanal
Hannover

Mit seinem ungeschnittenen Echtzeitdrama „Victoria“ hat Sebastian Schipper vor vier Jahren Filmgeschichte geschrieben und bewiesen, dass er zu den wenigen Regisseuren in diesem Land gehört, der seine Geschichten konsequent über Emotionen erzählt. Das atemlose Experiment avancierte zum Kultfilm und erlangte große internationale Aufmerksamkeit.

Nach „Victoria“ waren sich viele sicher, dass der nächste Schipper-Film in Hollywood gedreht würde, denn dort schätzt man deutsche Regisseure mit handwerklicher Effizienz. Aber Schipper stellt mit „Roads“ als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent einfach selbst eine internationale Produktion im Independent-Format auf die Beine.

Im Zentrum stehen zwei achtzehnjährige Jungs. Der eine kommt aus London, der andere aus dem Kongo. Sie treffen sich nachts auf einer Landstraße in Marokko, wo Gyllen (Fionn Whitehead) mit dem Wohnmobil liegen bleibt, das er seinem Stiefvater geklaut hat. Der junge Engländer ist auf der Flucht vor seiner zerrütteten Familie und will zu seinem leiblichen Vater nach Frankreich.

Gyllen sucht seinen Vater, William seinen Bruder

Auf einer ganz anderen Flucht ist William (Stéphane Bak). Er ist aus dem Kongo aufgebrochen, um seinen älteren Bruder zu finden, von dem die Familie nichts mehr gehört hat, seit er als Flüchtling im französischen Calais gelandet ist.

Am Anfang gehen die beiden jungen Männer ein Zweckbündnis ein. Gyllen hat zwar ein Auto, aber im Gegensatz zu William keine Ahnung, wie man damit fährt. Und tatsächlich schaffen es die beiden mithilfe eines durchgeknallten Hippies (Moritz Bleibtreu) über Tanger mit der Fähre nach Europa, ohne dass William entdeckt wird.

„Roads“ – mit jedem Kilometer wächst die Freundschaft

Mit jedem Kilometer und jedem Abenteuer, das sie miteinander bestehen, wächst die Freundschaft der beiden Achtzehnjährigen. Auch wenn sie aus sehr verschiedenen Kulturen kommen, verbindet den privilegierten Briten und den afrikanischen Flüchtling der gemeinsame, unverfrorene Seelenzustand zwischen Jugend und Erwachsenensein.

Was auf dem Papier vielleicht nach einem allzu gut gemeinten Multi-Kulti-Plot klingt entwickelt sich unter Schippers beherzter Regie zu einem glaubwürdigen Freundschafts-Roadmovie, das fest in der europäischen Realität verankert ist. Wenn die beiden in Calais ankommen, wo zahllose Flüchtlinge auf eine Gelegenheit warten nach England zu gelangen, öffnet der Film seinen Blick von individuellen Schicksal auf ein größeres Gesamtbild, in dem das emotionale Ausmaß der Situation für die Flüchtlinge aus der Innenperspektive gezeigt wird.

„Roads“ – die Freundschaft gerät in die Mühlen der Wirklichkeit“

Dennoch bleibt „Roads“ nah dran an seinen beiden jugendlichen Hauptfiguren, deren Freundschaft in die Mühlen der Wirklichkeit gerät. Dem gesellschaftlichen Diskurs zur Flüchtlingskrise, die maßgeblich von rechtspopulistischen Argumentationsmustern geprägt ist, setzt „Roads“ die schlichte Schönheit einer menschlichen Begegnung entgegen.

„Roads“, Regie: Sebastian Schipper, mit Fionn Whitehead, Stéphane Bak, 99 Minuten, FSK 6

Von Martin Schwickert

Robert Pattinson und Juliette Binoche reisen in dem Science-Fiction-Drama „High Life“ (Kinostart am 30. Mai) in einem Sträflingsschiff durch Raum und Zeit. Huppert reitet dabei auf einem silbernen Dildo. Ein Science-Fiction-Film voller Provokationen.

27.05.2019

Das bewegte Leben einer Popikone: Dexter Fletchers „Rocketman“ (Kinostart am 30. Mai) hebt in einem quietschbunten Musical ab. Und ist längst nicht so keusch wie der vom selben Regisseur fertigestellte Queen-Film „Bohemian Rhapsody“.

28.05.2019

Ein kleiner Junge wird zum großen Bruder – und hasst die kleine Schwester. In Mamoru Hosadas magischem Anime „Mirai – das Mädchen aus der Zukunft“ (Kinostart am 30. Mai) wird erzählt, wie man seinen Platz in der Welt findet.

26.05.2019