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Kultur River Phoenix kehrt auf die Leinwand zurück
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11:28 15.02.2013
Von Stefan Stosch
Vor gewaltiger Wüstenkulisse: River Phoenix mit Judy Davis in „Dark Blood". Quelle: dpa
Berlin

Der 23-jährige Hauptdarsteller River Phoenix starb zehn Tage vor Beendigung der Dreharbeiten am 31. Oktober 1993 an einer Überdosis Drogen in den Armen seines Bruders Joaquin.

Und nun sehen wir am Ende von 86 Kinominuten einen der talentiertesten Jungstars Hollywoods noch einmal einen irrwitzigen Leinwand-Tod sterben: In einer von Atomtests verstrahlten Wüste wird der Zivilisationsflüchtling namens Boy mit einer Axt von einem Schaupielerpärchen aus Hollywood erschlagen. Boys letzte Worte sind: „Ich weiß, dass ich sterbe.“

Das ist eine sonderbare Wiederbegegnung mit einem Toten, so wie diesem Film nach Worten des Filmteams in Berlin sowieso etwas Mystisches anhaftet. Nach Phoenix` Tod fiel das Material an den Versicherungkonzern, der nichts damit anzufangen wusste. Sluizer erkrankte zwischenzeitlich schwer und entschloss sich, von dem Film zu retten, was zu retten ist - „bevor es zu spät ist“.

Als Heath Ledger bei den Dreharbeiten zu „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ starb, sprangen Colin Farrell, Jude Law und Johnny Depp ein und spielten seine Rolle zu Ende. Sluizer wählt eine simplere, aber effektive Lösung: Fehlt eine Szene, lässt er das Bild einfrieren und spricht den Drehbuchtext ein. Das kommt einer Art Brechtschem Verfremdungseffekt gleich, und doch ist man danach sofort wieder gefangen von der Handlung vor gewaltiger Wüstenkulisse.

Boy hat sich nach dem Krebstod seiner Frau in die Einsamkeit zurückgezogen. Harry (Jonathan Pryce) und Buffy (Judy Davis) haben eine Autopanne und retten sich in seine Holzhütte. Besonders Harry verkörpert in Boys Augen all das, was er hasst: die Arroganz des weißen Mannes, der die Indianer ausgebeutet und die Erde zugrunde gerichtet hat. Von Buffy dagegen fühlt er sich angezogen. Mit ihr möchte er in seiner atomsicheren Höhle nach dem Ende der Welt neu anfangen. Erotische Spannung und wachende Konfrontation führen zur Eskalation.

River Phoenix hatte schon vor diesem Film einprägsame Kinoauftritte. Als 18-Jähriger erhielt er für Sidney Lumets „Flucht ins Ungewisse“ eine Oscar-Nominierung. An der Seite von Sidney Poitier wurde er zu „Little Nikita“. Mit Harrison Ford spielte er in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug”. In Gus Van Sants „My Private Idaho” gab er einen schwulen Stricher. Die Rolle in „Dark Blood“ aber dürfte nun unweigerlich die sein, mit der er im Gedächtnis bleibt.

Sofern der Film die Öffentlichkeit erreicht: Nach Worten des Regisseurs hat der Versicherungkonzern noch keinen entsprechenden Vertrag unterschrieben. Wunderbare Geschichten aber machen schon jetzt die Runde, die wunderbarste erzählte gestern Kameramann Ed Lachman: Die letzten Aufnahmen von Phoenix habe er im Eingang der Atombunkerhöhle geschossen und dann vergessen, die Kamera auszumachen. Auf den Bildern sei nurmehr die Silhouette von Phoenix zu erkennen, der sich „wie ein Geist“ auf die Kamera zubewege. Diese Gespensteraufnahmen seien aber auf unerklärliche Weise verschwunden. „Dark Blood“ hat gestern - außer Konkurrenz - einen aufregenden Schlusspunkt gesetzt unter die insgesamt wenig aufregenden US-Filme im Wettbewerb: Der Öko-Thriller „Promised Land“ mit Matt Damon oder auch Steven Soderberghs Pharmazie-Krimi „Side Effects“ waren keine Enttäuschungen (anders als „The Necessary Death of Charlie Countryman“), aber sie zündeten nicht wirklich. Ähnlich erging es zuletzt „Prince Avalanche“ (Regie: David Gordon Green), einer amüsanten Kumpel-Komödie in den Wäldern von Texas, in der Paul Rudd und Emile Hirsch als Straßenmarkierer unterwegs sind. Bei der Bären-Vergabe morgen Abend dürften US-Filme nur eine Nebenrolle spielen.

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