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Kultur Richling im Theater am Aegi
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19:25 01.05.2012
Mathias Richling als Kanzlerin Merkel.
Mathias Richling als Kanzlerin Merkel. Quelle: Kroetz
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Hannover

Da ist er nun, und dann will er auch gleich mal „in medias Reis gehen, wie die Chinesen sagen“. Kürzlich ist er 59 Jahre alt geworden, aber Mathias Richling wirkt immer noch jungenhaft, als er im Theater am Aegi vor die rund 500 Besucher tritt. Seit Jahren zählt der Stuttgarter zur ersten Garde des deutschen Kabaretts. Hager und hektisch, der Schnellschwätzer mit der Harry-Potter-Brille - so kennt ihn ein Millionenpublikum. Als Prototyp des etwas pedantischen Schwaben, dessen brüchige Stimme sich eigentlich permanent überschlägt angesichts all der Verrücktheiten in der Welt, mit denen einer aus dem Ländle erst mal fertig werden muss.

Mit gleich bleibend hohem Tempo, unbeirrbar wie ein Eisbrecher pflügt er in seinem Programm „Der Richling-Code“ durch seine Themen: die Piraten, die Bankenrettung, die hohen Erwartungen an Gauck („Ganz gut, dass Wulff die Messlatte so tief gelegt hat“), die Proteste gegen „Stuttgart 21“, welche ja „beispielhaft für die gesamte arabische Region“ gewesen seien: „Die Libyer merken erst jetzt, dass sie gar keinen Bahnhof kriegen sollen.“

Vor allem imitiert er Politiker. Das gelingt mal ganz gut; etwa wenn er als betagter Helmut Schmidt schmökt und schweigt und schwadroniert oder wenn er mit rotem Blazer die Merkel gibt: „Ich habe die Krise sicher durch das Land geführt.“ Sein Klaus Ernst hingegen ginge auch als Franz Beckenbauer durch. Und Joachim Gauck spricht nicht jenen verquasten Theologenjargon, den Richling ihm in den Mund legt.

Es gibt viele witzige Momente an diesem Abend: Da sind Bonmots wie „gegen Korruption hilft nur Bestechung“. Ein andermal fordert er iranische Atomkontrolleure für die Asse oder verkündet als greiser Grantler Günter Grass: „Israel ist iranischer als der Papst!“ In solchen Momenten versteht man, warum ihm jetzt der Kleinkunst-Ehrenpreis Baden-Württemberg zuerkannt wurde. Ministerpräsident Winfried Kretschmann wird ihm die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung Ende Mai überreichen. Da treffen dann Original und Fälschung aufeinander, denn Kretschmann hat Richling natürlich auch im Repertoire.

Manchmal vergisst er allerdings vor lauter Kalauern auch, dass Witze über Politiker noch kein politisches Kabarett sind. Ursula von der Leyen als „Phantom der Seifenoper“ vorzustellen ist weder entlarvend noch komisch. In solchen Momenten wirkt sein Kabarett verglichen mit modernen Formaten wie der ZDF-„heute-show“ fast betulich. Die Erkenntnis, dass Politiker alle irgendwie doof sind, ist als Quintessenz eines Abends dann doch zu wenig.

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