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Kultur „Repo Men“: Jude Law leidet unter privatisiertem Gesundheitssystem
Mehr Welt Kultur „Repo Men“: Jude Law leidet unter privatisiertem Gesundheitssystem
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19:24 02.06.2010
Von Ernst Corinth
Unfreiwilliger Organspender: Jude Law. Quelle: Universal
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Die Gegenwart des Gesundheitssystems sieht schon ziemlich düster aus, in der Zukunft aber wird’s wirklich finster. Glaubt man dem Film „Repo Men“, dann ist das System nicht nur ganz und gar privatisiert, sondern es herrschen auch unmenschliche Gesetze.

Künstlich und teuer hergestellte (Ersatz-)Organe gibt es zwar in kundenfreundlicher Ratenzahlung, doch wer diese dann nicht mehr abstottern kann, bekommt Besuch von einem „Repo Man“. Das ist so eine Art Inkasso-Beauftragter, der im Zweifelsfall drastische Methoden anwendet, um die Schulden einzutreiben: Er greift zum Skalpell und schneidet die implantierte Niere, die Leber oder das Herz des Schuldners wieder heraus. Das Opfer bleibt ausgeweidet und verstümmelt am Schauplatz des Geschehens liegen.

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Diese Grausamkeiten werden zumindest im ersten Drittel von Miguel Sapochniks Film so übertrieben dargestellt, dass es beinahe wie zwar blutige, aber amüsante Action wirkt. Ärgerlich ist nur die penetrante Schleichwerbung eines Wolfsburger Autoherstellers, dessen Firmenname mit einem „V“ am Anfang und einem „W“ am Schluss meist abgekürzt wird. Also nicht Opel!

Doch der anfangs lockere Film schlägt bald ernste Töne an: Remy, einer der „Repo Men“, der eher lustlos verkörpert wird von Hollywoodstar Jude Law, benötigt nach einem Infarkt selbst ein neues Herz und gerät dann in die tödliche Schuldenfalle. Er wird nun gejagt von Jake (Oscar-Preisträger Forest Whitaker), einem seiner besten Kollegen und Freunde, der ihm das Herz wieder entreißen soll.

Das klingt schlimm. Doch es kommt noch schlimmer: Remy, der anfangs so eiskalt und skrupellos auftritt, entwickelt schlagartig Gefühle, hat plötzlich Verantwortungsbewusstsein und verliebt sich auch noch in die Quotenfrau (Alice Braga) des Films. Doch nimmt man ihm das alles nicht recht ab. Und über den düsteren Schluss des Spektakels kann man nur noch den Kopf schütteln.

Leider nicht ganz auf Herz und Nieren geprüft: Unentschlossener Thriller. Cinemaxx Raschplatz.

Heinrich Thies 01.06.2010
Johanna Di Blasi 01.06.2010