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18:58 17.03.2015
Von Martina Sulner
Meinungsstark und eloquent: Florian Henckel von Donnersmarck.
Meinungsstark und eloquent: Florian Henckel von Donnersmarck.  Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Nicht, dass es da bislang Grund zum Zweifeln gegeben hat, aber eine entscheidende Voraussetzung für seinen Beruf bringt Florian Henckel von Donnersmarck mit: Selbstsicherheit. „Es gehört schon ein fast vermessenes Selbstbewusstsein dazu, zu sagen: So soll es sein“, sagt er. So soll eine Einstellung sein, so die Farbgebung eines Films, so die Musik. Eloquent und äußerst selbstbewusst spricht er darüber im Literarischen Salon Hannover. Der Regisseur des oscarprämierten Films „Das Leben der anderen“ und des nicht ganz so sensationellen Projekts „The Tourist“ eröffnete dort das „allons!“-Festival, bei dem es bis Freitag um Literatur und Kino geht.

Von Donnersmarck ist ein gut gewählter Gast für den Festivalstart - nicht nur, weil er ausgesprochene Entertainerqualitäten hat und die rund 230 Besucher mit seinen Anekdoten aus Hollywood und Erläuterungen des Filmbetriebs glänzend unterhält. Sondern auch, weil gerade seine Textsammlung „Kino!“ im Suhrkamp Verlag erschienen ist. Nur dort wollte er vor Jahren bereits das Drehbuch zu „Das Leben der anderen“ veröffentlichen, erzählt der 41-Jährige: „Mit meinem Film konnte ich meine Eltern nicht beeindrucken, aber mit einem Buch bei Suhrkamp.“

Die Drehbücher seiner beiden Spielfilme hat er selbst geschrieben. Überhaupt habe er sich früher mehr als Autor denn als Filmemacher gesehen, sagt er im Gespräch mit der Moderatorin, der hannoverschen Regisseurin Franziska Stünkel. „Ich habe eher vom Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb geträumt als vom Oscar“. Bei seinem Auftritt am Dienstag auf der Cebit warb er denn auch fürs Medium Buch: Das Wundervolle beim Lesen sei, dass man in den Bewusstseinsstrom eines anderen eintauchen könne, sagte er auf der Computermesse.

Seit einigen Jahren lebt von Donnersmarck, dessen Urgroßvater Polizeipräsident von Hannover war, in Los Angeles. Sein Deutsch hat eine amerikanische Intonation bekommen. Von der US-Westküste aus beobachtet er die deutsche Filmszene genau. „Es gibt wahnsinnig viele gute deutsche Filme“, meint er, doch viel zu wenige davon gelangten mit einer angemessenen Zahl an Kopien in die Kinos. Florian Henckel von Donnersmarck plädiert deshalb für eine festgelegte Quote heimischer Produktionen im deutschen Kino. Frankreich sei da durchaus ein Vorbild. Geschehe das nicht, blieben die Kinos weiterhin von amerikanischen Blockbustern dominiert; ohne Quote „werden wir kulturell zu einem Vasallenstaat der Amerikaner“. Nötig seien jedoch Filme, die deutsches Leben abbildeten. Und dann, glaubt der Regisseur, gingen auch in Deutschland wieder mehr Menschen ins Kino.

Von Donnersmarck ist sehr meinungsstark, selten im zweistündigen Gespräch äußert er Zweifel oder Unsicherheiten. Als es um seine Erfahrungen als Regisseur in Hollywood geht, wo er mit Angelina Jolie und Johnny Depp „The Tourist“ machte, schimmert durch, dass dort wohl nicht alles glatt lief. Toll seien die hohen Budgets für Filme, weniger gut die extreme Orientierung auf Stars im amerikanischen Kino. „Wenn Leonardo DiCaprio nicht bei ‚Inception‘ gespielt hätte, hätte Christopher Nolan diesen Film nicht drehen können“, sagt er. Die Studios gingen nun mal auf Nummer sicher und drehten lieber die x-te Fortsetzung eines Blockbusters, als Neues zu wagen.

Wie es denn mit Stars in Deutschland bestellt sei, fragt Franziska Stünkel. Ob hier nur Til Schweiger ein Kassenmagnet sei? „Er ist ein guter Schauspieler, der kann das einfach“, sagt von Donnersmarck über den Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Produzenten: „Til Schweiger ist seine ganz eigene Veranstaltung; er spricht sogar anders als andere Leute“ - das Publikum im Literarischen Salon amüsiert sich prächtig.

Vom amerikanischen Kino könne man, so Florian Henckel von Donnersmarck, in Sachen Marketing unglaublich viel lernen. Er hat sich da wohl einiges abgeschaut: Sein Buch „Kino!“ stellt er bis Ende März in Deutschland vor. Jeden Abend ist er in einer anderen Stadt - ein hartes Tour-Programm.

Heute um 20 Uhr ist der amerikanische Krimi-Autor James Ellroy mit seinem aktuellen Buch „Perfidia“ zu Gast bei „allons!“ im hannoverschen Conti-Hochhaus, Königsworther Platz.

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