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Kultur Ray Bradbury gestorben
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18:58 06.06.2012
Von Rainer Wagner
„Gott, was gab es früher für schöne Bücher“: Ray Bradbury.
„Gott, was gab es früher für schöne Bücher“: Ray Bradbury. Quelle: Reuters
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Hannover

Er hat die Bücher geliebt. Und er hat die Büchereien gefüllt. Ray Bradbury war nicht nur ein sehr erfolgreicher, sondern auch ein eminent fleißiger Schriftsteller. 1938 machte der am 22. August 1920 in Illinois geborene Bradbury seinen High-School-Abschluss - und veröffentlichte seine erste Erzählung. Es sollten wohl mehr als 400 folgen, so genau weiß das niemand, weil manches nur in Zeitschriften und Zeitungen erschien. Jetzt ist der Autor von „Fahrenheit 451“ nach langer Krankheit in Los Angeles gestorben.

Sein literarischer Durchbruch gelang Bradbury 1950 mit seinen „Mars Chroniken“. Darin schildert er zwar die Kolonialisierung des Planeten Mars, tatsächlich aber geht es ihm um die amerikanische Wirklichkeit mit ihren Ängsten und Obsessionen. Nicht zuletzt geht es da auch schon um eine Thema, das Ray Bradbury nie loslassen wird: nämlich um die Frage nach dem Schein und dem Sein. Was ist Wirklichkeit und was ist Wahn? Nicht ganz zufällig hat der Autor auch für Hollywood und fürs Fernsehen geschrieben - und über die Traumfabrik Kino: Sein „Friedhof für Verrückte“ (so der Titel seines Romans aus dem Jahr 1990) liegt geradewegs neben einem Filmstudio. Für John Hustons berühmter Verfilmung von Herman Melvilles „Moby Dick“ aus dem Jahr 1956 hat Bradbury zum Beispiel das Drehbuch verfasst.

1953 erschien sein wohl größer Erfolg, der dank François Truffauts genialischer Verfilmung mit Oskar Werner und Julie Christie in den Hauptrollen auch Nichtleser erreichte. Und genau um die geht es in „Fahrenheit 451“, in dem ein totalitäres Regime die Buchkultur ausrotten will - doch Feuerwehrmann Guy Montag (Oskar Werner) beschleichen immer stärkere Zweifel an diesem Vorhaben. Der Buchtitel benennt die Temperatur, bei der Papier auch ohne Flammen Feuer fängt.

Dagegen hilft nur, sich die Bücher einzuverleiben: Sie auswendig zu lernen. Ray Bradbury glaubte „weder an Lehrer noch an Universitäten“, wie er einmal gesagt hat, sondern an Bibliotheken. „Die ideale Ausbildung besteht in meinen Augen darin, dass man sich zehn Jahre in eine Bibliothek setzt, ein Buch nach dem anderen liest und auf diese Weise allmählich zu Sinn und Verstand kommt.“

Man hat Bradbury gerne als Science-Fiction-Autor eingestuft, doch er selber ließ nur „Fahrenheit 451“ als seinen einzigen Science-Fiction-Roman gelten: „Alles andere ist Fantasy. Und das ist schließlich die ältesteste Literaturtradition der Welt. Auch Homer war ein Fantasy-Autor.“

An Einfallsreichtum hat es Bradbury jedenfalls nicht gemangelt, obwohl er auch als Sachbuchautor erfolgreich war. Der Vater von vier Töchtern und Großvater von acht Enkeln schrieb zudem Kinderbücher und Theaterstücke, Drehbücher und Gedichte, die so schöne Titel trugen wie „Where Robot Mice and Robot Men Run Round in Robot Towns“. Bradbury bewegte sich traumhaft sicher im Panoptikum der Phantasie, im Panorama der Paradoxien.

Der Tod spielt stets eine große Rolle in den Geschichten von Bradbury, nicht nur in seinem Roman „Der Tod ist ein einsames Geschäft“. Wer Ray Bradburys Geschichten kennt, weiß wohl, dass er weiterleben wird, solange sich jemand an ihn und seinen Kosmos erinnert. Vieles ist noch lange nicht verjährt. Ein halbes Jahrhundert vor dem Siegeszug der E-Books ließ der Schriftsteller in „Fahrenheit 451“ einen Büchernarren vom Duft der Bücher schwärmen: „Gott, was gab es früher schöne Bücher, ehe wir davon abkamen.“

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