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Kultur Rainald Grebe singt im ausverkauften Theater am Aegi
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21:57 02.09.2009
Rainald Grebe im Theater am Aegi.
Rainald Grebe im Theater am Aegi. Quelle: Frank Wilde
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Von diesem Leben zwischen Kaffeefahrten und Feierlichkeiten anlässlich der Eröffnung von Autobahnabschnitten erzählt der Liedermacher und melancholische Clown Rainald Grebe in seinem Programm „Das Hongkongkonzert“. Im ausverkauften Theater am Aegi berichtet Grebe von immer gleichen Liedwünschen, von gelallten „Spiel-doch-noch-einen-Rufen“ und sogar von unbemerkten Toten auf Schunkelbänken. Er spielt „You’re beautiful“ von James Blunt, „I Want to Know What Love Is“ der Foreigner und immer wieder „As Time Goes By“. Ebenso gibt Rainald Grebe den Sam aus dem Kinoklassiker „Casablanca“, einen Barpianisten, der auch auf Beerdigungen, Heckler & Koch-Empfängen und auf Hundert-Jahre-Hartmut-Mehdorn-Partys auftritt.

Die Programmidee entstand, als Grebe nach Hongkong eingeladen wurde, um in einem Hotel vor deutschen Piloten, Controllern und Chefeinkäufern aufzutreten. Er sollte mit Liedern gegen die Finanzkrise ansingen („Die müssen sparen – statt zwei Chinesen, die einem die Wasserhähne aufdrehen, steht da nur noch einer!“). Grebe singt passend von Urlaub in Deutschland („Wuppertal sieht aus wie Wladiwostock 1962 / Wenn man immer nur den Osten mästet: Das rächt sich“), vom Aufstieg Sachsens dank der Erderwärmung („Eine Finca in Grimma mit Olivenhain / So schön kann das Leben in Sachsen sein!“) und besingt den ultimativen Weg aus der Krise („Du fragst mich, was vor Armut schützt: Grundbesitz!“).

In Kabaretteinlagen seziert Grebe herrlich böse die Sorgen der Besserverdienern, schlägt den Begriff Oligarchenarmut zum Wort des Jahres vor und kanzelt auch die Retter der Welt als Anhänger eines Bionadenbiedermeiers ab. Zwischen den garstigen Attacken singt er melancholische Lieder über den Arbeitswahn von Wahlkämpfern, über sich gleichende Fußgängerzonen („Deichmann, Subway, Yves Rocher: das ist die Fresse der BRD“) und die Liebe, dem einzig Ehrlichen in einer Welt voller Oberflächlichkeiten.

Der Dramaturg, Schauspieler und Regisseur Grebe hat sich längst vom Gastspieler in Comedyshows zu einem der besten Entertainer Deutschlands entwickelt. Galt der 38-Jährige mit seinem Lied „Brandenburg“ noch als Geheimtipp, füllt er mittlerweile deutschlandweit große Theatersäle. Er überzeugt durch die Verbindung von eingängigen Klavierkompositionen und intelligent-anarchistischem Humor. Und wenn er am Ende der Hommage an Alleinunterhalter aus dem Publikum aufgefordert wird, den Song „Hotel Mama“ zu singen, lächelt Grebe nur, spielt eine Melodie und singt: „Ich bin nicht deine Jukebox.“

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