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Kultur Positive Bilanz für Kunstfestspiele Herrenhausen
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18:57 14.06.2015
Von Jutta Rinas
Erzählt ihre Familiengeschichte: Grace Ellen Barkey. Quelle: De Nil
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Hannover

Der Abschluss kann sich sehen lassen. Wie auch die Gesamtbilanz. Mit 9533 Besuchern und einer Auslastung von 88 Prozent sind am Wochenende die letzten Kunstfestspiele unter Elisabeth Schweeger zu Ende gegangen. Angefangen hatte die Intendantin, die 2009 vom Schauspiel Frankfurt nach Hannover kam, um aus den Festwochen Herrenhausen ein internationales Festival zu machen, mit 7120 Zuschauern und einer Auslastungsquote von 75,7 Prozent.

Ein internationales Festival

Mit Produktionen wie der Uraufführung des „Semele Walk“ mit Vivienne Westwood, die danach in Sydney und Südkorea gezeigt wurde, aber auch mit prominenten Festspielrednern wie Lord Anthony Giddens oder Bianca Jagger schaffte sie es, trotz heftigen Streits mit der Lokalpolitik, die Besucherzahlen von Jahr zu Jahr weiter zu steigern. 2011 waren es 8103 Gäste, 2013 9286 Gäste, 2014 bei einer wegen der Feierlichkeiten rund um die Personalunion verknappten Ausgabe der Kunstfestspiele kamen sogar 10.190 Leute. Mit einer Auslastung von 89 Prozent war dies Schweegers erfolgreichstes Jahr.

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Sie habe die Kunstfestspiele „national und international als Bühne für zeitgenössische Kunstformen etabliert“, zog die gebürtige Wienerin, seit Herbst 2014 Leiterin der Ludwigsburger Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, am Sonntag Bilanz. Auch Kulturdezernentin Marlis Drevermann lobte: Schweeger habe „Mut zum Experimentieren“ bewiesen und ein „unverwechselbares Festivalformat“ geschaffen, sagte sie.

Probleme bei Auslegung des Kunstbegriffs

Ende gut, alles gut also? Nicht ganz: Denn die 6. Kunstfestspiele waren nicht nur eine Erfolgsgeschichte. Sie zeigten auch Probleme im Kunstbegriff Schweegers, in ihrer immer stärkeren Ausrichtung der Festspiele auf die ästhetische Moderne. Zu viele Produktionen bezogen sich zu eindeutig auf die Anfänge der Fluxus- und Happeningbewegung, auf Kunstströmungen der Sechziger-, Siebzigerjahre - und gingen nicht darüber hinaus.

Beispielhaft stand dafür die Produktion zum Abschluss, die deutsche Erstaufführung „The Blind Poet“ am Sonnabend in der Orangerie. Man kann das Stück der vor fast 30 Jahren gegründeten „Needcompany“ von den verstörenden Momenten her beschreiben. Es hatte da nämlich viel zu bieten. Viel zu viel: ein ausgestopftes Pferd, das minutenlang malträtiert wurde, zitternde Frauen in Zwangsjacken oder Vergewaltigungsposen, Geschichten von Gewalt und Tod. Eine alternative Weltgeschichte wollte Jan Lauwers erzählen. Sieben Performer gruben in ihrer Familiengeschichte und förderten traurige Details zutage.

Alles nur Theater?

Das Problem ist nicht nur, dass die Masse an über die Jahrhunderte und den gesamten Globus verteilten Elendsgeschichten sich selbst die Wirkung nahm. Das Problem ist auch, dass man solche Stücke schon zu oft gesehen hat. Schon Pina Bausch entlarvte in ihrem frühen Tanztheater solche wehklagenden Selbstbespiegelungen als das, was sie immer auch sind: Theater.

Elisabeth Schweeger gelangen aber auch diesmal Coups: die Musikfabrik mit Harry Partch etwa oder Danny Yung oder das Ensemble Ascolta mit Zappa. Lokalmatador Igor Levit bürgt seit Längerem in Herrenhausen für höchste Qualität und Publikumsandrang. Dennoch: Es wird den Festspielen guttun, wenn der neue Intendant Ingo Metzmacher die Zukunft der Moderne auch dort sucht, wo sie nicht so leicht zu finden ist.

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