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Kultur Popstar Robbie Williams veröffentlicht neues Album
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21:02 01.11.2012
Von Uwe Janssen
Vater, Ehemann – und bald wieder König? Solokünstler Robbie Williams. Quelle: Universal
Hannover

Ein neuer Song von Robbie Williams? Platz eins der Charts! Reflexartige Behauptung. Jedenfalls war das mal so. Der Reflex ist immer noch da. Aber so einfach ist es nicht mehr. Man muss schon ein bisschen nachhelfen.

„Candy“, der Vorbote des heute erscheinenden neuen Albums, war in Deutschland statistisch ein Hit, weil er besonders oft im Radio gespielt wurde. 2572 mal in einer Woche. Schiere Begeisterung? Keineswegs. Sondern ein „Angebot“ seiner neuen Plattenfirma Universal an deutsche Hörfunkstationen, das nicht überall in der Radiolandschaft gut ankam. Universal versprach demjenigen Sender einen Williams-Besuch, der exakt zu einem vorher nicht bekannt gegebenen Zeitpunkt „Candy“ spielt. Die Radio Group in der Pfalz stieg ganz groß ein, spielte den Song eine Woche lang ohne Unterbrechung, verteilt auf 14 seiner Sender. Am Ende jubelte die Plattenfirma etwas scheinheilig über einen „neuen Airplay-Rekord“, und Antenne Bad Kreuznach darf sich auf eine Visite des Superstars freuen.

Aber vielleicht steht Bad Kreuznach auch ein wenig für den künstlerischen Entwicklungsprozess des heute 38-jährigen verheirateten Vaters. Nachdem er sich Anfang bis Mitte des vorigen Jahrzehnts in recht kurzer Zeit vom frustrierten Castingbandaussteiger zum stadionfüllenden Croonerkönig aufgeschwungen hatte, stagnierte die Karriere plötzlich. Williams war von Selbstzweifeln geplagt und ließ die hochinteressierte Öffentlichkeit daran teilhaben, wie sehr das Superstardasein an ihm nagt. Er trennte sich von seinen Hitschreibern und versuchte mit musikalischem Tapetenwechsel in Richtung Elektro und Dance von der Kuschelrockschiene herunterzukommen. Doch im Album „Rudebox“ (2006) spiegelte sich Williams’ gesamte Unentschlossenheit wider. Zudem wurde die Veröffentlichung ausgerechnet vom Comeback seiner vier ehemaligen Take-That-Kollegen in den Schatten gestellt, denen der unzufrieden wirkende Williams die großen Schlagzeilen und Fansympathien überlassen musste. Sein Album „Reality killed the Video Star“ im Jahr 2009 wanderte zwar immer noch an die Chartspitze, doch war es auch schnell wieder vergessen. Eines von vielen Alben. Genau einer solchen Beliebigkeit schien dieser moderne Elvis längst und auf alle Zeit entwachsen zu sein. Doch es kam ein unerwarteter Schritt: Er kehrte in den warmen Schoß seiner - bestens funktionierenden - alten Band zurück. Mannschaftsspieler statt Alleinherrscher.

Das neue Album formuliert zumindest diesen Anspruch neu. Das Cover von „Take the Crown“ zeigt den Sänger in stolzer Pose als Goldrelief, und den Albumtitel will er nicht als Aufforderung an andere verstanden wissen, sondern als Kampfansage. Er wolle Riesenhits und Euphorie im Stadion, und er wolle die Krone des Pop zurück, hat er neulich gesagt. Das kinderreimhafte „Candy“ ist zwar ein Radioschlager in der Pfalz (obwohl es gerade dort den Menschen mittlerweile aus den Ohren heraushängen dürfte), aber es ist kein Riesenhit. Unter den anderen zwölf Songs finden sich bessere Kandidaten.

Dass es keine intimen Songs sind, ist bei der Aufmachung zu erwarten. Williams hat mit „Angels“ und „Let me entertain you“ zwei fast unerreichbare Stadionhymnen geschrieben, seit Jahren ist er auf der Suche nach würdigen Nachfolgern. Auf „Take the Crown“ finden sie sich nicht. Immerhin wollen die Songs nicht angestrengt cool sein, sondern sind ein Bekenntnis zum populären Dreieinhalbminüter, zum Radiopop, zum Mainstream. Das ist eine Entscheidung, und sie ist für Robbie Williams die richtige.

Seine Schwäche für die Musik der Pet Shop Boys ist schon im ersten Song „Be a Boy“ offenkundig. „Not like the others“ ist ein passenderweise treibendes Lied über hemmungslosen Sex, „Hey Wow Yeah Yeah“ klingt, als ob Mando Diao mit den Black Eyed Peas versucht hätte, einen neuen Stones-Song zu schreiben - also interessant.

Das ist alles schön und gut, aber für das wirklich Besondere muss man bis zum elften Lied warten. Da geht einem das Album zum ersten Mal nah. „Losers“ singt Robbie Williams im Duett mit der amerikanischen Sängerin Lissie, zunächst zur Westerngitarre, dann steigert es sich langsam in eine Beichte. Während Lissie die tiefe Gesangsstimme übernimmt, brüllt Williams seinen Duettpart fast heraus: „Nein, ich möchte nicht sterben in dem Wissen, dass ich so viel Zeit mit dem Versuch verbracht habe, der Gewinner zu sein.“

Das Außergewöhnlichste an Robbie Williams ist auf dieser Platte nicht zu finden: seine begnadeten Fähigkeiten als Bühnenkünstler. Er wird vermutlich im kommenden Sommer wieder die gewünschte Euphorie in den Stadien entfachen. Die Termine stehen noch nicht fest. Aber Bad Kreuznach wird dann wohl leer ausgehen.

Robbie Williams: „Take the Crown“. Universal.

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