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Kultur Podiumsdiskussion zur Kulturpolitik in Hannover
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13:01 15.11.2012
Von Ronald Meyer-Arlt
Sitzkultur im Landesmuseum: Wasser, Mikrofone und Sessel sind bereit, gleich kommen die Meinungen zur Kultur. Quelle: Meyer-Arlt
Hannover

Manchmal wird im Land der Mangel an Kultur beklagt. Über einen Mangel an Interessenvertretungen im Kulturbetrieb braucht man sich eher nicht aufzuregen. Der Landesverband Theaterpädagogik etwa ist gut vernetzt mit der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung LKJ, dem Fachverband Schultheater - Darstellendes Spiel Niedersachsen e.V., der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Soziokultur, dem Landesverband Freier Theater in Niedersachsen (LAFT), der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Spiel und Theater - sowie mit dem Akku, auch bekannt als Arbeitskreis niedersächsischer Kulturverbände, einer Art Dachverband der Dachverbände. (Akku - wo waren eigentlich die Schriftsteller, als es zu dieser Namensfindung kam?)

Der Akku hatte zu einem „Podiumsgespräch und Meinungsaustausch“ geladen. Die kulturpolitischen Sprecher der Landtagsparteien sind ins hannoversche Kindertheaterhaus gekommen und versuchten die Fragen der Verbandsvertreter zu beantworten. Weil einige Parteien nicht gerade üppig mit kulturpolitischen Sprechern gesegnet sind, schickten sie andere Abgeordnete. Geht auch. Kultur kann schließlich jeder. Die Fragen der Verbandsvertreter klangen so: „Was beabsichtigen Sie, um die Rahmenbedingungen bürgerschaftlichen Engagements zu verbessern?“ Oder: „Wie reagiert die Kulturpolitik auf den demographischen Wandel?“

Man hätte auch schlicht fragen können, ob es bitteschön mehr Geld für die Kultur und für die Kulturverbände geben könnte. Gedroht wurde auch: Vom „Ausbluten der kulturellen Infrastruktur“ war die Rede und davon, dass man Strukturen „unwiederbringlich zerstören würde“, wenn es weniger Geld geben würde.

Die Landespolitiker boten Lösungen an. Man müsse die finanzielle Situation der Kommunen verbessern. Man sollte vielleicht langfristiger denken und die Projektförderung zugunsten der Institutionsförderung etwas zurückfahren. Man müsse bürokratische Hemmnisse beseitigen, man müsse Kultur- und Bildungspolitik zusammendenken. Es sollte Qualifizierungsangebote geben.

Viele Redebeiträge begannen mit den drei Worten, an denen sofort zu erkennen ist, dass ein Politiker spricht: „Also zunächst einmal...“ Wer vorn im Zuschauersaal saß und sich unvermittelt umdrehte, konnte gelegentlich ein gigantisches Gähnen entdecken. Man war sich einig: Kultur ist lebensnotwendig, „Kulturpolitik ist Zukunftspolitik“ (so lautet auch der Titel der Veranstaltung), und es ist blamabel, dass die Ausgaben für die Kultur so gering ausfallen.

Die Feststellung, dass die Beträge, die von Bund, Land oder den Kommunen für Kultur ausgegeben werden, geradezu lächerlich gering sind, erfolgt meist im ersten Drittel von Diskussionsrunden zur Kulturpolitik. Das war bei einer Kulturdiskussion am Tag darauf nicht anders.

Das Landesmuseum hatte eingeladen. Passend zur laufenden Ausstellung, die sich dem Thema „Tabu“ widmet, gibt es dort eine Gesprächsreihe, in der „Dinge, über die man nicht spricht“ angesprochen werden sollen: Demnächst geht es dort um Kindesmissbrauch, Depressionen, Sterbehilfe und Thilo Sarrazin; am Dienstag stand die Kultur auf der Tagesordnung. Eingeladen war auch Stephan Opitz, einer der Autoren des Buches „Der Kulturinfarkt“, das Anfang des Jahres mit der Forderung einer Umverteilung der Kulturausgaben für Aufregung im Kulturbetrieb sorgte. Die Aufregung scheint vorbei. Nur vierzig Zuhörer sind in den Vortragssaal gekommen.

Opitz spricht ruhig, bedächtig, ein bisschen großväterlich. Er tut so, als würden er und seine Kollegen nur harmlose Vorschläge machen - dabei bergen die Analysen durchaus Sprengkraft. Opitz sagt, dass alle, die älter als 50 Jahre sind, ein Land kennen, in dem es keine Literaturhäuser, keine soziokulturellen Zentren, keine Musikschulen, aber dennoch ein reiches kulturelles Leben gab. Er sagt, dass die Schließung von zwei bis drei Opernhäusern genug Geld bringen würde, um den Ausfall des gesamten Musik- und Kunstunterrichts zu kompensieren, dass es in Deutschland 16 Denkmalschutzgesetze gebe und dass die vielen Autorenstipendien noch nie einen beachtenswerten Schriftsteller hervorgebracht hätten.

Wolfgang Schneider, Professor für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim, hielt dagegen: „Sie wissen doch genau: Was man dem Opern wegnimmt, würde doch nicht den Schulen zugutekommen.“ Oder: „Es gibt doch nicht zu viele Stipendien in Deutschland.“

Manchmal ist das, worüber nicht gesprochen wird, das eigentlich Interessante. Auf keiner der beiden Diskussionen fiel das Wort Internet. Wenn von „Vernetzung“ die Rede war, dann nur in Bezug auf Institutionen der Kulturvermittlung. Als wäre das eine Lösung.

Ende vergangener Woche hat Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters in Berlin, einen offenen Brief an die Stadt Wuppertal verfasst, mit dem er gegen die Einsparungen beim Schauspiel protestierte.

Der Dramatiker Martin Baucks hat diesen Brief öffentlich kommentiert. Baucks schreibt: „Lieber Herr Khuon, man kann also nur mit Entsetzen reagieren? (...) Da wird also ein Theater an den Rand der Bedeutungslosigkeit getrieben? An den Rand? Ist es nicht schon längst bedeutungslos? Könnte einem bedeutenden Theater eine solche Schmach widerfahren? Ist es wirklich eine Katastrophe, wenn ein Theater schließt? Ihre Sprache verrät Sie. Entsetzen. Man. Bedeutungslosigkeit. Getrieben. Am Rand. Katastrophal. Verheerend. Beschämend. Verteidigen. Sie kommen aus den Superlativen des Leidens gar nicht mehr heraus. Und ich sage ihnen, dies ist genau der falsche Weg, Kultur, und ich würde ja lieber sagen Kunst, zu vertreten. So vertreten Kleingärtner ihre Interessen.“

Viel gespielt wird Martin Baucks (dessen Stück „Krumme Hunde“ bei den Autorentheatertagen in Hannover entdeckt wurde) nicht. Aber lesen sollte man ihn.

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