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Kultur Pianist Martin Stadtfeld im Interview
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07:49 23.11.2012
Von Jutta Rinas
Martin Stadtfeld gilt als zurzeit erfolgreichster deutscher Klassikpianist Quelle: dpa
Hannover

Herr Stadtfeld, beruflich sind Sie mit klassischer Musik befasst. Was hören Sie privat, was für Musik läuft bei Ihnen im Auto?

Ich höre im Auto sämtliche Kultursender, aber keine Popmusik. Es gibt so wenig gute Musik in den Charts, das ist alles so designt, so konstruiert.

Kurz nach Ihrem Debüt mit Bachs „Goldberg-Variationen“ haben Sie das noch ganz anders gesehen. „Um Bach so zu spielen, dass er auch ein junges Publikum betrifft, muss ich auch ein Bewusstsein für Hip-Hop, Techno und all das haben“, lautet ein Zitat von Ihnen.

Das würde ich heute so nicht mehr sagen. Es stimmt, ich habe eine Zeit lang gern Pop und Techno gehört. Man sollte als klassischer Musiker nicht elitär sein: Es ist bei jeder Musik interessant zu wissen, warum sie welche Wirkung hat. Bei Techno mag ich den motorischen Puls, der die Musik durchzieht. Darin ähnelt sie Bach.

Gibt es eine Band, die Sie heute schätzen?

Ich mag Wir sind Helden: eine starke künstlerische Persönlichkeit, gute Musik, gute Texte. Aber wenn Jugendliche einfach irgendwas performen, das brauche ich nicht.

Sie gehen seit Jahren in Schulen, auch in Hauptschulen, um junge Leute für klassische Musik zu begeistern. Wie reagieren die Jugendlichen dort?

Kinder und Jugendliche haben auch heute ein starkes Gefühl dafür, was wahr und aufrichtig ist, was in die Tiefe geht. Ich erzähle ihnen von Bach als Mensch, davon, dass er alles, was ihn bewegt hat, in Musik ausgedrückt hat. Davon, wie einsam und isoliert er sich manchmal gefühlt hat. Das sind ja alles Gefühle, die die Jugendlichen selbst kennen. Das berührt sie auch.

Sie waren auch schon bei Stefan Raab, um für die klassische Musik zu werben...

Wir, die wir die klassische Musik lieben, wissen, dass wir dafür kämpfen müssen. Deshalb war ich bei Raab. „Warum spielen Sie so altes Zeug, die Musik ist doch völlig ausgestorben“, war eine von vielen spöttischen Fragen. Aber ich denke, ich konnte mir Respekt verschaffen. Am Schluss spielte ich etwas ­von Bach, und es herrschte konzentrierte Stille. Wenn man Leute mit Meisterwerken konfrontiert, erreicht man sie eben auch.

Auf Ihrer neusten CD spielen Sie Werke von Mendelssohn. Was verbindet Sie mit diesem Komponisten?

Zum Beispiel, dass das erste Klavierkonzert von Mendelssohn mein erstes öffentliches Klavierkonzert war. Ich habe es mit zwölf Jahren gespielt, ich hatte damals schon ziemlich flinke Finger. Außerdem schätze ich das Mitreißende an seiner Musik, seine Originalität. Mendelssohn hat sich von den Meistern des Barock inspirieren lassen und etwas Einzigartiges geschaffen.

Hat es für Sie als Bach-Spezialisten eine Rolle gespielt, dass Mendelssohn nach Bachs Tod eine Renaissance seiner Werke einleitete?

Mendelssohn war von den Orgelchorälen von Bach zutiefst berührt. Da fühle ich mich mit ihm verbunden. Ich denke, Mendelssohn hat zudem als einer der Ersten verstanden, dass Bachs Musik keine rein geistliche, sondern eine zutiefst menschliche Musik ist, mit all der Trauer, der Verzweiflung, die sie enthält. Mendelssohn war zwar Lutheraner, Protestant, aber er fühlte sich auch als Mensch zutiefst mit dieser Musik verbunden.

Sie sind auf Ihrer CD mit zwei Flügeln zu hören, einem modernen Steinway und einem Blüthner von 1861. Warum?

Beim Klavierkonzert mit Orchester und dann auch noch live wäre ein altes Instrument wie der Blüthner zu schwachbrüstig gewesen. Da war ein moderner Steinway nötig. Der Blüthner ist im Ton viel wärmer, zurückgenommener, ausbalancierter. Man hat fast das Gefühl, dass man in ihn hineinhorchen muss. Das passt wunderbar zu den „Liedern ohne Worte“.

Apropos Flügel, manche Pianisten reisen mit dem eigenen Instrument, Sie nehmen angeblich Ihren Klavierhocker überallhin mit...

Ich sitze tief, sehr tief. Und ich kann ja nicht überall, wo ich hinkomme, erst einmal den Klavierhocker absägen...

Es gibt viele Pianisten mit eigenwilligen Sitzgelegenheiten. Radu Lupu sitzt auf einem Holzstuhl.

Das ist doch ganz einfach: Er lehnt sich beim Spielen gerne zurück, also braucht er einen Stuhl mit Rückenlehne.

Beeinflussen solche Details tatsächlich die pianistische Technik, oder sind es eher Marotten?

Das ist doch egal. Mit meinem Klavierstuhl fühle ich mich im Konzertsaal ein bisschen wie zu Hause: Das hilft mir zu entspannen, und ein wenig Gelöstheit braucht man, um vor Publikum gut zu spielen.

Ihre neue CD ist bereits ihre 13. Einspielung seit 2003. Zum Vergleich: Lang Lang nahm seit 2001 acht CDs auf. Warum drücken Sie so auf die Tube?

Daniel Barenboim hat in den ersten zehn Jahren seiner Karriere mehr als 100 Schallplatten aufgenommen. Ich würde auch gerne mehr machen. Aber die Nachfrage ist nicht mehr so da. Es kaufen nicht weniger Leute Klassikplatten, aber sie kaufen weniger Aufnahmen als früher, in der Regel sind es heute nur noch ein bis zwei im Jahr.

Sie haben einmal gesagt, Sie wollten schon mit sechs Jahren Konzertpianist werden. Jetzt sind Sie es. Ist es so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Stimmt, ich habe schon als kleiner Junge in den Poesiealben in der Schule als Berufswunsch Konzertpianist angegeben. Und auf der einen Seite ist es natürlich genau so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich kann auf der Bühne Klavier spielen, und im besten Fall jubelt mir das Publikum zu.

Und auf der anderen Seite?

Es gibt auch den ständigen Druck, vor den hohen Ansprüchen der Musik zu bestehen. Man muss ja nicht nur Noten lernen, man muss sie verinnerlichen. In meinem Kopf läuft ständig Musik, auf Spaziergängen, beim Essen. Auch jetzt, während dieses Gesprächs, beschäftige ich mich in meinem Hinterkopf mit Musik.

Das klingt, als wäre es auch eine Belastung.

Ich würde es gar nicht so nennen. Die Musik hat einfach ständig einen Platz in meinem Kopf.

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