Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Peter Sehr und Marie Noëlle enträtseln „Ludwig II.“
Mehr Welt Kultur Peter Sehr und Marie Noëlle enträtseln „Ludwig II.“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:39 27.12.2012
Von Stefan Stosch
Mein lieber Schwan: Sie waren verlobt, aber nie verheiratet – Ludwig (Sabin Tambrea) und Sophie von Bayern (Paula Beer). Quelle: Warner
Berlin

In der historischen Perspektive hat dieser König Bayern viel Gutes beschert. Allein das Schloss Neuschwanstein als Touristenmagnet Nummer eins bringt dem Freistaat heute ein Vermögen ein. 1864 war das noch nicht absehbar, als der kunst- und kulturbesessene Ludwig II. als 18-Jähriger notgedrungen den Thron bestieg. Erst einmal kaufte er Geigen für Schüler statt Gewehre für Soldaten und lud den abgerissenen Möchtegern-Revoluzzer Richard Wagner zu sich ein, auf dass der ganz ohne Budgetzwang neue Opern schreiben möge.

Schon Luchino Visconti sah Ludwig als Märchenfigur – seine Verfilmung von 1972 ist nur eine unter vielen. Nun haben die Regisseure Peter Sehr und Marie Noëlle „Ludwig II.“ einer Revision unterzogen. Sie versuchen bei aller Opulenz und wohl unumgänglicher Kostümschwelgerei, zum Menschen hinter dem Mythos durchzudringen.

Deutsche Schauspielprominenz von Justus von Dohnányi (als Ministerratsvorsitzender) über Tom Schilling (als Bruder des Königs), Hannah Herzsprung (als Sisi), Katharina Thalbach (als Mutter der Königin), Uwe Ochsenknecht (als Onkel Luitpold) und Edgar Selge (als Richard Wagner) tut dabei mit. In der Hauptrolle agiert ein wunderbarer Sabin Tambrea, gerade 28 Jahre alt, der bislang auf dem Berliner Theater zu Hause war.

Sein lockenumflorter Schwärmer hat in jungen Jahren ein Leuchten in den Augen, die traurig endende Geschichte beginnt mit gehörigem Schwung. Der junge Ludwig darf sogar mal eben übers Wasser reiten. Ludwig mag vieles sein, keinesfalls aber nur ein „armer Irrer“, wie er später beschimpft wird. Und es ist ja auch nicht so, dass er sich nicht durchsetzen konnte: Eiskalt tauscht er gegen Wagners Willen den Lohengrin-Sänger aus. Nur mit der preußischen Machtpolitik eines Reichskanzlers Otto von Bismarck hat er nichts an der Krone. Ludwig weiß selbst am besten, dass er der Verantwortung nicht gerecht wird.

Die Regisseure suchen nach der Tragödie hinter dem Kitsch. Ihr Kini ist ein Getriebener, Verzweifelter. Irgendwann siegt dessen Menschenscheu, und Ludwig versteckt sich hinter Masken. Einsam wie Robinson Crusoe auf Neuschwanstein muss sich dieser Monarch am Ende gefühlt haben. So wird er zum leichten Opfer für die Kamarilla in München, die ohne den Schlösserbauer politische Entscheidungen treffen will und muss und den König in die Psychiatrie abschiebt.

Schlüssig ist diese Neuinterpretation, wenn auch mit 136 Minuten deutlich zu lang und zu wenig pointiert. Das ganze Leben wollen die Regisseure abarbeiten. Sie riskieren dabei jedoch, den, der doch ein ewiges Rätsel bleiben wollte, zu enträtseln und nehmen ihm letztlich sogar etwas von seiner Faszination. Ludwigs Homosexualität wird genauso durchbuchstabiert (bei Visconti führte das noch zu Protesten aus Bayern und zur zwischenzeitlichen Selbstzensur des deutschen Verleihs) wie sein Selbstmord im Starnberger See (der damals noch Würmsee hieß). Ein paar Geheimnisse hätten dem König und auch dem Film gut getan.

Kultur Angst vor Geldentwertung - Die Deutschen und die Inflation

Die Deutschen sparen gerne – vor allem aus historischen Gründen: Die Angst vor einer Geldentwertung sitzt tief. Dabei legt der Blick in die Vergangenheit nahe, dass nicht die Inflation, sondern die Deflation das dringendste Problem sein könnte.

Karl-Ludwig Baader 29.12.2012

2013 ist für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wieder ein Jahr großer Eröffnungen. Nach der Rüstkammer im Residenzschloss feiert der Mathematisch-Physikalische Salon sein Comeback im Zwinger.

26.12.2012

Jack Klugman hat nicht nur als Gerichtsmediziner Dr. Quincy und als schlampiger Sportreporter ein Millionenpublikum begeistert. Jetzt starb der Schauspieler im Alter von 90 Jahren in Kalifornien.

25.12.2012